Kampf um die Zukunft - Hochschule Biberach beklagt Finanzierungsloch

Kampf um die Zukunft - Hochschule Biberach beklagt Finanzierungsloch
Die Hochschulleitung hat viele Pläne – aber nicht genug Geld, um sie zu verwirklichen: Von links Prorektor Martin Becker, Kanzler Thomas Schwäble, Rektor André Bleicher und die Prorektoren Jens Winter und Norbert Büchterle. FOTO: HBC/STEFAN SÄTTELE
4. September 2019

Die Hochschule Biberach schlägt Alarm: Wenn sie nicht mehr Geld bekommt, wird die Ausbildungsqualität stark sinken. Derzeit wird in Stuttgart verhandelt, es geht um Millionen.

Biberach – Studieren wird immer beliebter, auch in Biberach. Die Hochschule mit ihrem Schwerpunkt Bauen und Architektur hatte 2007 rund 1300 Studenten, jetzt sind es 2400. Allerdings: Es gibt nicht mehr Geld vom Land. Das sei aber dringend nötig, um die Qualität des Studiums zu halten, mahnt die Hochschulleitung in einer Stellungnahme.   

Ein Beispiel ist die Digitalisierung: Der Service für Studierende und Lehrkräfte leidet, wenn hier nicht investiert werden kann. Und wenn es mehr Studierende gibt, müsste es eigentlich auch mehr Lehrpersonal geben. Den wenn sich ein Professor um immer mehr Studierende kümmern muss, ist immer weniger individuelle Betreuung möglich. 

Ebenfalls in Gefahr: Das Qualifizierungsprogramm, das den Studierenden Unterstützung in den Fächern Chemie und Mathematik gibt – was den Studienerfolg merklich fördert. Die Hochschulen haben klare Vorstellungen von ihrem Finanzbedarf. „Gemeinsam mit allen Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg fordern wir eine Erhöhung um 1000 Euro pro Studierenden und pro Jahr, also rund 2,4 Millionen für die Hochschule Biberach jährlich“, so Kanzler Thomas Schwäble.

Der momentane Jahresetat der Hochschule Biberach liegt bei etwa 20 Millionen Euro jährlich inklusive Drittmitteln. Derzeit wird in Stuttgart mit den zuständigen Ministerien über die künftige Hochschulfinanzierung im Land verhandelt, am 24. Oktober macht die Hochschule Biberach eine Podiumsdiskussion über das Thema. Einig sei man sich noch lange nicht: „Trotz der schmerzhaften Unterfinanzierung fordert das Finanzministerium Einsparungen im Wissenschafts- und Hochschulbereich“.  

„Die Studienangebote der Hochschule Biberach sind alle auf Zukunftsfähigkeit ausgerichtet – die Unternehmen erwarten von uns bestens ausgebildete Absolventen, etwa im Bereich Digitalisierung“, sagt Schwäble und nennt ein Beispiel: Im BIM-Labor lernen  Studierende den Umgang mit digitalen Tools zur mehrdimensionalen, virtuellen Darstellung von Bauprojekten. „Eine wichtige Kompetenz und ein spannendes Zukunftsthema“.Das BIM-Labor der Hochschule Biberach sei mit Hilfe eines Förderprogramms gegründet und ausgestattet worden. „Fallen diese Fördergelder künftig weg, dann fehlen Personalstellen – und auch die kontinuierlich notwendigen technischen Updates wären nicht möglich“, so der Kanzler.

Eine schlechte Finanzausstattung würde aber auch die langfristige Entwicklung der Hochschule Biberach beeinträchtigen. „Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Interdisziplinarität, transferorientierte Forschung könnten ohne die geforderten Mittel nicht angegangen werden“. Und das ausgerechnet in Biberach, wo man erstklassige Partner für diese Disziplinen an der Hand hätte: Das geplante Innovations- und Technologietransferzentrum am Campus Aspach sowie der Hochschulverbund „InnoSÜD“, den man mit den Hochschulen Neu-Ulm und Ulm sowie der Universität Ulm gegründet habe.

Uli Landthaler

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