Gegen die Becher-Flut

Gegen die Becher-Flut
Tragbarer Kaffeegenuss: Frank Förster vom Abfallwirtschaftsbetrieb zeigt den mintgrünen Recup-Pfandbecher, Landrat Schmid eine Variante der Thermobecher zum Kaufen. Foto: Uli Landthaler
19. Juni 2019

Der Landkreis hat den umweltfeindlichen Einweg-Kaffeebechern den Kampf angesagt. Das Mehrweg-System Recup wird Händlern bei einem InfoAbend am 8. Juli vorgestellt.

Kreis Biberach – Die Müllfl ut rollt auch im Landkreis: Pro Minute gehen hier 13 EinwegKaffeebecher über die Verkaufstheke, hat das Landsratsamt ausgerechnet – das macht 780 pro Tag und sieben Millionen pro Jahr. Eine unglaubliche Zahl, herausgerechnet aus einer deutschlandweiten Studie des Bundesumweltamtes. Die Becher aus Pappe mit oder ohne Kunststoffbeschichtung landen überwiegend in öffentlichen Abfallbehältern, manche auch in der Landschaft. Das heißt: Der Landkreis und damit die Bürger über die Müllgebühr zahlen die Entsorgung.

Um diesen Irrsinn zu beenden, hat der Landkreis schon vergangenes Jahr eine Initiative zur Einführung eines MehrwegSystems für Kaffeebecher gestartet. Nun wird es ernst: Der Landkreis will fl ächendeckend auf freiwilliger Basis das System Recup (auf deutsch: Tasse zurück) etablieren. Im Prinzip ist das wie die Glühweintasse auf dem Weihnachtsmarkt. Man zahlt einen Euro Pfand und gibt den Kunststoff-Becher an einer beliebigen Recup-Verkaufsstelle wieder zurück. Dort wird er in der Gastronomie-Spülmaschine vorschriftsmäßig gereinigt und wieder befüllt. Bis zu 500 Befüllungen halten die Polypropylen-Becher aus, spätestens ab der 26. ist man in der ökologischen Gewinnzone.

Wie das für die Händler genau geht, darüber informiert das Landratsamt bei einer Veranstaltung am Montag, 8. Juli, ab 17 Uhr im großen Sitzungssaal des Landratsamts. Eingeladen wurden alle Betreiber von Stehcafés, Bäckereien, Backshops, Kiosken, Tankstellen und anderen Einrichtungen, die Kaffee zum Mitnehmen anbieten. Für sie würden im Recup-System um die 30 Euro Beteiligungskosten pro Monat anfallen.

Und wie sehen die Becher aus? Einerseits sollen sie ja von Flensburg bis Freiburg einheitlich und austauschbar sein, sagt das Recup-Konzept. Andererseits stellt das Unternehmen auf seiner Internetseite selbst lokale Varianten seiner mintgrünen Kunststoffbecher vor: Die 0,25, 0,3 und 0,4-Liter Gefäße gibt es auch im Ravensburgund Bodensee-Look mit dezenter Aufschrift und stilisiertem Ravensburger Mehlsack-Turm und Friedrichshafener Stiftskirche. Das zeigt, wie viele andere Regionen schon auf den RecupZug aufgesprungen sind.

Das Recup-System soll aber kein Zwang sein, betonte Landrat Heiko Schmid bei der Vorstellung des Konzepts. Die Behörde könne es den Händlern und Kunden nicht verordnen. Man könne auch andere Gefäße verwenden, „Hauptsache Mehrweg“. Das beste seien sowieso die Thermo-Kaffeebecher: Mit Isolierung, Deckel, Gummileiste für den guten Griff und poppiger Farbgebung zur Dauernutzung. Die muss man dann halt dabei haben.

Uli Landthaler

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren