Die Welt morgens um sieben
Empfehlung

14. März 2019
Das anrührende Klinik-Protokoll von Margit Singer (rechts) und Sylvia Vögele-Kopp gibt es als Buch Foto: PR

2015 erkrankte die Apothekerin Margit Singer aus Datthausen an Krebs. Während des sechsmonatigen Klinikaufenthaltes telefonierte sie täglich mit Sylvia Vögele-Kopp, die sie als Coach begleitete. Die dabei gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse haben die beiden  Frauen in einem spannenden Buch festgehalten.

Riedlingen – Begonnen hatte alles mit der Krebserkrankung (Burkitt-Lymphom) von Margit Singer. „Ich sehe Krankheiten als ‚Hinkebein‘, das für die Probleme im Leben steht, hier konkret ihre Krebserkrankung“, so Vögele-Kopp. Während des monatelangen Klinikaufenthaltes telefonierten die Frauen jeden Morgen, immer um 7 Uhr. Ihr Gesprächsthema war nicht die Krankheit, sondern das Gesundwerden und die Heilung.

Liebe statt Wut

„Dazu ist es wichtig, die eigenen Baustellen und Stolpersteine des Lebens anzuschauen. So habe ich herausgefunden, dass Stress einer Heilung entgegensteht. Also war mein Ziel, den inneren Stress zu beseitigen, um in eine innere Ruhe zu finden, die eine Heilung ermöglicht“, beschreibt Singer eine ihrer Erkenntnisse in dieser Zeit. Vögele-Kopp forderte in den Gesprächen von Singer viel, sie überwand dabei auch deren Widerstände. „Die verständlichen Emotionen meiner Freundin habe ich nicht angenommen, sondern eine klare Sicht bewahrt“, beschreibt Vögele-Kopp schwierige Momente des täglichen Austauschs. Singer wollte nicht in die Opferrolle versinken: „Mir wurde bewusst, dass ich eine Eigenverantwortung für mein Denken, Fühlen und Empfinden übernehmen und einen Plan für mich selber entwickeln muss.“ 

Sie räumt ein, dass sie sich einigen Mut abringen musste, um die eigenen Baustellen anzuschauen: „Negative Dinge wie Verzweiflung und Wut sind schädlich, sie müssen durch Freude und Liebe positiv ersetzt werden. Viele definieren sich nur durch Leistung, haben aber vergessen, was ihnen in der Kindheit wirklich Spaß gemacht hat. Zu dieser Lebensfreude zurückzufinden, ist ein großartiges Geschenk, das die innere Kraft stärkt und schließlich zur Macht wird.“ 

Singer lag nahezu sechs Monate isoliert in der Klinik in Tübingen. Ein kleines, aber gut funktionierendes Netzwerk stand ihr zur Seite. So konnte sie sich ausschließlich um sich selbst kümmern. In dieser Zeit entstand die Idee zum Buch, denn Singer wollte die lange Zeit in der Klinik positiv nutzen.

Im November 2015 kehrte Singer nach Hause zurück. Dort fiel der endgültige Entschluss, über die Zeit in der Klinik ein Buch zu schreiben: „Mit dem Buch wollen wir den ‚Hinkenden‘ eine Hilfestellung an die Hand geben. Es zeigt auch, wie wertvoll Coaching ist und was dadurch positiv bewirkt werden kann.“

„Morgens um Sieben – und die Welt ist in Ordnng“ heißt  das in kurze Kapitel gehaltene Buch, es ist in Fragen von Vögele-Kopp, die schon rein optisch Platz für Antworten lassen, und Reflektionen von Singer gegliedert. Ein sichtbarer roter Faden führt durch das Buch, das Einblicke in die Gefühlswelt und Erkenntnisse von Singer vermittelt.

„Wenn wir mit dem Buch auch nur einem Kranken helfen, Mut zu fassen, hat sich das Projekt schon gelohnt“, sind sich die beiden Freundinnen einig. Das Buch wird in den Riedlinger Apotheken verkauft oder kann bei Sylvia Vögele-Kopp bezogen werden (Tel: 07373/915200). Den Erlös spenden Singer und Vögele-Kopp an das Projekt Valentina (www.stiftungvalentina.de). Damit wird das Palliativteam für Kinder und Jugendliche Ulm/Ravensburg (PalliKJUR) der Universitätsklinik Ulm unterstützt. Es ermöglicht sterbenskranken Kindern, bei voller medizinischer Versorgung die letzte Lebenszeit zu Hause zu verbringen.             

Maximilian Kohler

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