Die neue alte Schule
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17. Mai 2018
Die jetzige Schulleiter-Generation Anika Raendchen und Olivier Schlegel kennt die „alte“ Pflugschule nur aus Bildern. FOTO: ULI LANDTHALER

Pflugschule: So macht man Schulhäuser modern

Die Biberacher Pflug-Förderschule ist fertig saniert und stellt sich am Freitag beim Tag der offenen Tür vor: Es war richtig, das alte Schulhaus nicht aufzugeben.

BIBERACH - Aufgeben und in einen Neubau umziehen – oder behutsam sanieren? Diese Frage stellt sich bei immer mehr Häusern in der historischen Biberacher Innenstadt. Bei der Pflugschule hatte man sich nach jahrelangem Überlegen dazu entschieden, das Schulhaus aus dem Jahr 1906 in bester Stadtlage in der Wielandstraße zu erhalten.

Das hat sich als richtige Entscheidung erwiesen. Der unter Regie von Architekt Florian Scheytt modernisierte denkmalgeschützte Bau ist ein gelungenes Beispiel, wie man aus einem 110 Jahre alten Schulhaus eine moderne Lernstätte macht, wo Kinder sich wohl fühlen – in einer Fördereinrichtung wie der Pfl ugschule elementare Voraussetzung für den Lernerfolg.

Die historischen Terrazzo-Bodenbeläge wurden freigekratzt, ein neuer Aufzug sorgt jetzt für barrierefreien Zugang. Das Denkmalamt ist zufrieden. Die neue alte Pfl ugschule kann man am Freitag von 12.30 bis 14.30 Uhr besichtigen.

Was macht eigentlich die Pflugschule in Biberach? Das Rektoren- Duo Anika Raendchen und Olivier Schlegel beantwortet die wichtigsten Fragen.

Für wen ist die Pflugschule da?

Für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf, die dem Lerntempo und dem Lernumfang der Grundschule beziehungsweise der Werkrealschule nicht folgen können. Viele haben Ängste und Versagenserfahrungen.

Was passiert in der Pflugschule?

Leitgedanke ist die Entwicklung und Stärkung der Persönlichkeit. Die Schüler werden auf ein Leben in Selbstbestimmung mit Familie und Arbeit vorbereitet.

Wie macht man das?

Mit der Stärkung der kreativen und praktischen Kompetenzen. Es gibt ein Angebot zum kreativen Malen, Backen und Kochen. Es gibt Kurse wie „Schulhausgestaltung“, „Body-Styling“ oder „Fitness-Training“. Und auch das soziale Lernen steht im Mittelpunkt. Es gibt viele gemeinsame Veranstaltungen. Gemeinsame Jahresthemen wie auch jahreszeitlich angelegte Veranstaltungen, etwa der Sternmarsch im Herbst und das Adventssingen tragen zum Miteinander bei. Feste und Feiern, die alle gemeinsam planen und ausrichten, fördern Einfühlungsvermögen und Rücksichtnahme.

Wie sieht der Unterricht aus?

Er ist auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse der Schüler ausgerichtet – Ballast wird weggelassen. Im Musikunterricht wird nicht komponiert und es werden keine Partituren gelesen, es werden Lieder gesungen und die Freude an der Musik entwickelt. In Mathematik geht es um die Grundrechenarten, die man später für einen Handwerksberuf benötigt: Zum Beispiel Mengen und Größen berechnen. Und in Deutsch ist eher Kochbuch statt Goethe angesagt. Und emotional berührende Jugendbücher.

Wie lange bleiben die Kinder in der Pflugschule?

Unterrichtet werden die Klassen 1 bis 9, aber die wenigsten durchlaufen den ganzen Weg. Viele wechseln nach zwei, drei Jahren wieder an eine Regelschule.

Welchen Schulabschuss gibt es?

Möglich sind der Förderschulabschluss und danach im Vorqualifizierungsjahr der Berufsschule ein dem Hauptschulabschluss gleichwertiger Bildungsstand.

Wie groß sind die Klassen?

Pro Klasse sind es 10 bis 13 Schüler.

Welche Ausbildung haben die Lehrer?

Es sind studierte Sonderpädagogen.

Sind die Pflugschüler auch beim Schützenfest dabei?

Aber natürlich, beim Bunten Umzug.

www.pflugschule-biberach.de

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