Die Butterbrezel ohne Stau
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1. Februar 2019
Wochenblatt-Autorin Christina Benz ließ sich von Brezel-Fachfrau Bettina Hecht auf dem Wochenmarkt in die Butterbrezel-Spritzmaschine einweisen Foto: Christina Benz

Auf dem Sigmaringer Wochenmarkt gibt es die Innovation der schwäbischen Backkultur zu besichtigen: Die Butterbrezel-Spritzmaschine. Wir haben sie getestet. 

Sigmaringen – „Wenn man morgens um sieben Uhr nach fünf Butterbrezeln fragt, stresst man nicht nur die Bäckereiverkäuferin und die Menschen in der Warteschlange hinter einem. Es ist einem auch selbst peinlich“, erzählt Dieter Obertautsch. So tüftelte der Elektromeister aus dem Rems-Murr-Kreis mit seinem Kollegen, dem Maschinenbautechniker Michael Feil an einer Konstruktion gegen den morgendlichen Butterbrezelstau. Heraus kam die Butterbrezel-Spritzmaschine, die auch am Stand von Bäcker Unger auf dem Sigmaringer Wochenmarkt im Einsatz ist. Das Prinzip: Mit anderthalb Tonnen Druck spritzt die Maschine gekühlte und portionierte Butter in des Schwaben heiligstes Gebäck. Für ein gleichmäßiges Befüllen sorgen elf feine Nadeldüsen, auf die die unaufgeschnittene Brezel gesteckt wird. Zehn Jahre haben die beiden Techniker an der Perfektionierung ihrer Erfindung gefeilt und arbeiten an ihre Weiterentwicklung. „Der erste Prototyp war fertig, als geschmacklich kein Unterschied zwischen einer gespritzten und einer gestrichenen Butterbrezel mehr war“, erläutert Obertautsch: „Mit ausreichend Butter gefüllt, das Gebäck ofenwarm, die Butter kühlschrankkalt. Auf der„Südback“-Messe in Stuttgart beeindruckte man damit die Bäckerzunft. Aber handelt es sich wirklich noch um das schwäbische Traditionsgebäck, wenn gespritzt und nicht gestrichen wird?  „Zur Zeit ihrer Erfindung gab es einfach noch keine solche  Maschine. Sonst hätte man sie damals schon gespritzt“, überlegt Michael Feil. 

Satter Preis

Die WOCHENBLATT-Brezelredaktion machte den Test auf dem Wochenmarkt und überraschte die beiden Mitarbeiterinnen der Bäckerei Unger an ihrem Stand. Inhaber Oliver Unger hat gleich zwei Maschinen erworben: eine fürs Geschäft, die andere für den Markt. „Im Wettbewerb Mensch gegen Maschine benötigen wir etwa 25 Sekunden, um eine Butterbrezel zu bestreichen. Die Maschine nur zehn“, erzählt er. In einer Stunde buttere das Gerät fast 360 Brezeln. „In Handarbeit schaffen wir gerade etwa die Hälfte.“ Das wollten wir testen und ließen die Bäckereimitarbeiterinnen gegen die Maschine Brezeln streichen. Ergebnis: Gleichstand. Und während die Autorin die Maschine bediente, die Brezel auf die Düsen steckte, den Knopf drückte und Butter einspritzen ließ, die gespritzte Brezel wieder abnahm und in eine Tüte verpackte, schaffte die Bäckereimitarbeiterin zwei handgestrichene und aufgeschnittene Brezeln. „Sie sind nur ein wenig ungeübt“, so die Verteidigung der Mitarbeiterinnen gegenüber der Maschine. Denn diese sei sehr hilfreich, vor allem in Stoßzeiten und für große Mengen. „Außerdem ist die Gefahr eingedämmt, sich in den Finger zu schneiden“. Fehlen noch der Geschmacks- und Handhabungstest: Keine butterigen Hände oder Servietten, weil Brezel unaufgeschnitten bleibt. Und das Wichtigste: Sie schmeckt tatsächlich gleich.Daheim wäre so etwas doch  auch ganz praktisch. „Das wollen Sie nicht wirklich“, antwortet Dieter Obertautsch. „Denken Sie mal, wieviele Brezeln Sie essen müssten, um den Preis von 3 999 Euro zu rechtfertigen.“

Auch für Leberwurst

Aber die Technik bietet ganz neue Optionen. Die Butterbrezelspritzmaschine endet nicht bei der Butterbrezel. Mit allem, was durch die elf Düsen passt, kann die Spritzmaschine das Laugengebäck veredeln: Die Welt wartet auf die Nutella-Brezel, die Leberwurstbrezel, die Frischkäsebrezel, die Grillsaucenbrezel und die Joghurtbrezel. Und vielleicht gibt‘s zur Fasnet die schwäbische Alternative zum Krapfen/Berliner: die Marmeladenbrezel. Oder gar die Senfbrezel als Scherzartikel.

Christina Benz

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