Das Hobby mit dem Öko-Faktor

29. August 2019
Imkern ist in: Helmut Fesseler (links) und Werner Eisele betreuen beim Bezirksimkerverein den Nachwuchs der Honig-erzeuger – und haben viel zu tun. Foto: Uli Landthaler

Imker werden ist im Trend. Der Bezirksimkerverband kommt mit dem Ausbilden der HonigErzeuger kaum hinterher. Was erwartet sie? Ein Besuch auf dem Lehrbienenstand.

KREIS BIBERACH – Man darf bloß nicht das Einfl ugloch zustellen. Es reicht ein Schritt zur Seite, dann umkurven einen die Hautfl ügler ziemlich gleichgültig und krabbeln in ihren Bienenstand. Gestochen wird man kaum noch: Die Honigbiene unserer Zeit ist eine Züchtung, die sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt, wie Werner Eisele erläutert. Der Rentner ist Obmann für Honigfragen beim Bezirks-Imkerverein Biberach und erklärt Schülern und angehenden Imkern, wie das so funktioniert mit der Bienenhaltung und der Honigproduktion.

Zum Imkern braucht man Zeit und Gelassenheit. Im Mai und Juni ist Hochsaison im Bienenhaus, mehrwöchige Urlaubsreisen sind da nicht drin. Imkern ist ein Hobby, das sich nach ein paar Jahren rechnen kann durch den Honigverkauf, bis dahin ist es eine Investition in den Naturschutz. Gut geeignet für Rentner und für alle, die die nötige Zeit besitzen und ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben. Für unrastige junge Leute passen besser die ImkerSchulprojekte, die von Eisele und seinen Mitstreitern ebenfalls betreut werden.

Zum Imkern muss man nicht die Schulbank drücken. Das Seminar des Bezirks-Imkervereins Biberach besteht aus einem Theorietag und acht Vor-Ort-Terminen, bei den zwischen März und Oktober der Jahreslauf im Bienenstock in Theorie und Praxis durchgegangen wird.

Der Wald steht bereit

Das Bienenjahr beginnt mit dem Aufsetzen der Honigräume im April. Im Mai ist Schwarmzeit, wenn sich neue Bienenvölker ihren Platz suchen, im Juni und Juli Honigernte. Und ab August werden die Bienenstöcke für den Winter vorbereitet, bevor es im Frühjahr dann wieder losgehen kann: Hat der Imker alles richtig gemacht, legt die Königin dann bis zu 3000 Eier am Tag, nach wenigen Wochen ist ein Bienenvolk mit bis zu 50 000 Tieren herangewachsen. Ein Hobby-Imker besitzt nur eine Handvoll Bienenvölker, die wenigen Profis bewirtschaften bis zu 500.

Platzprobleme haben die Imker nicht, die Behörden stellen ihnen auf Anfrage einen Aufstellplatz im Wald für ihre Bienenkästen zur Verfügung. „Einfach den Förster fragen“, empfi ehlt Vorsitzender Helmut Fesseler vom Bezirks-Imkerverein. Der Lehrbienenstand des Vereins liegt zum Beispiel in einem Waldstück bei Maselheim.

Im Frühjahr gibt es den Blütenhonig aus eigener Produktion, im Sommer dann den Waldhonig, der aber wesentlich seltener vorkommt. Im Frühjahr beginnt auch der nächste JungImker-Lehrgang, der von Fesseler geleitet wird und für den es noch Plätze gibt. 80 Neu-Imker kann der Verein pro Jahr ausbilden, mehr sind ehrenamtlich nicht zu schaffen. „Die Diskussion um das Bienensterben und der Volksentscheid in Bayern treiben uns die Leute zu“, berichtet Eisele. „Sie wollen einfach was für den Naturschutz tun“. Im Grunde gehe es aber weniger um die Honigbienen, sondern vor allem um die Insekten, die in der Natur nicht mehr genug Lebensraum fi nden. „Wenn sie von Biberach nach Riedlingen fahren, sehen Sie an der Bundesstraße fast nur Maisfelder für die Biogasanlagen. Da finden kein Käfer und keine Biene mehr Nahrung“.

Was tun? Honig von heimischen Imkern kaufen, empfehlen Fesseler und Eisele. Und Blühoasen anlegen! Das sind Blumenfelder im Garten, auf dem Balkon, am Straßenrand und neben Ackerfl ächen, die einen gedeckten Tisch für Bienen und Insekten geben. Ein Tropfen auf den heißen Stein, weiß Eisele. Aber viele zusammen haben auch ihre Wirkung.

Uli Landthaler

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