Das erste grüne Kreuz im Landkreis steht

Das erste grüne Kreuz im Landkreis steht
Den meisten Landwirten geht es über den wirtschaftlichen Aspekt hinaus auch darum, ihren Kindern ein gesichertes, nachhaltiges Gut weitergeben zu können, das auch in Zukunft Bestand hat. Foto: Laura Hummler
24. September 2019

Die Welle der grünen Kreuze hat nun auch den Landkreis Biberach erreicht. Momentan stellen Landwirte aus ganz Deutschland sie als Mahnmale an ihren Feldern auf, um auf eine große Sorge hinzuweisen: sie sehen sich massiv in ihrer Existenz bedroht.

Achstetten – Zum 24. September startet das Volksbegehren „Pro Biene“ mit dem verlockenden Slogan „Rettet die Bienen“. Die Initiatoren fordern darin unter anderem bis 2025 eine Halbierung aller Flächen, auf denen Pestizide verwendet werden. Ferner soll bis 2035 auf 50 Prozent Ökolandbau umgestellt werden. Auf Naturschutzflächen soll überhaupt nicht mehr gespritzt werden dürfen – zum Schutz der Artenvielfalt. Das stellt vor allem die Landwirte, die eine konventionelle Landwirtschaft betreiben, vor eine große Hürde.

In Baden-Württemberg werden laut Landesbauernverband mehr als 600.000 Hektar Land bewirtschaftet. Im Landkreis Biberach wären laut dem Kreisbauernverband Biberach-Sigmaringen rund 35 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen von einem neuen Pflanzenschutzmittelgesetz betroffen. Ein Grund, der den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln für die Landwirte essenziell macht, ist die ständige Bedrohung ihrer Ernte durch Schädlinge. „Schon allein am Bodenseekreis würden, ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, viele Sonderkulturen Schädlingen zum Opfer fallen“, sorgt sich Gerhard Glaser, Kreisobmann des Kreisbauernverbands.

Wenn die konventionellen Betriebe nun auf Bio umstellen würden, entstünde laut ihm einserseits ein Mehrangebot, aber ein nicht gleichzeitig wachsender Nachfrageschub andererseits, was die Bio-Preise nach unten treibe. „Dann müssen auch 50 Prozent Verbrauch angeordnet werden – erst so gäbe es wieder auskömmliche Preise.“ Außerdem sei laut Erfahrung vieler Landwirte, darunter auch Martina Magg-Riedesser aus Achstetten, der Absatzmarkt für beispielsweise Bio-Schweinefleisch oder Bio-Milch „ohnehin gesättigt“.

Sie empfindet die Situation, in der sie sich aktuell befindet, als eine einzige Schizophrenie. „Einerseits werden wir konventionellen Landwirte für das Artensterben verantwortlich gemacht. Aber wenn ich dann Leute zu mir auf den Hof einlade, um zu zeigen, auf welche verschiedenen Weisen wir bereits seit Jahren dagegen vorgehen, dann kommt keiner“, meint sie. Gleichzeitig verlange jeder nach Bio, kaufe im Supermarkt aber nur die allerschönsten Äpfel. Deshalb sieht sie sich auch nicht in der Lage, auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Ware, die bereits kleine Dellen oder Löcher aufweist, kaufe einfach keiner. Und das ist nur eines der Probleme, die kommen werden, wenn das Volksbegehren an den Landtag geht und somit Gesetzeslage wird. 

Martina Magg-Riedesser ist somit mehr als besorgt, auch um den Nachwuchs. „Wenn das alles so kommt, werde ich wohl aufhören müssen und habe nichts, das ich an meine Kinder weitergeben kann.“ Dann werde auch alles, was nicht mehr hier angebaut wird, im Ausland angebaut, wo noch intensiver gespritzt wird, so Gerhard Glaser. Er ist der Meinung, dass das Pflanzenschutzproblem nicht allein von Deutschland bewältigt werden könne: „Es braucht EU-Richtlinien.“ „Oder bald Saturdays for Agriculture“, schlägt Magg-Riedesser vor.

Laura Hummler

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