Besuch beim Vere

11. April 2019
In Rommelsried steht noch das vermutliche Geburtshaus des Franz-Xaver Hohenleitner alias Schwarz Vere. Die Bürgermeisterin Silvia Kugelmann und ihr Kollege Ekkehard Stettner (Riedhausen) werben mit den Theatermachern Reinhold Gasser, Verena Landthaler, Klaus Reckmann und Winfried Riegger für die Aufführung. Foto: Herzog

Im Sommer bringt das Theater  Riedhausen den Schwarz Vere  auf die Bühne – der Run auf  die Karten ist schon da.

Altshausen – Gleich in doppelter Hinsicht stimmt die Überschrift: Zum Einen hat sich das WOCHENBLATT bei den Proben für das Freilichtschauspiel in Riedhausen umgesehen; zum Anderen haben die Organisatoren des Schauspiels einen Besuch in Rommelsried bei Augsburg gemacht, der Heimat von Xaver Hohenleitner, wie der Schwarz Vere mit bürgerlichem Namen hieß.

Der Besuch macht deutlich, wie sehr es den Riedhausern auf Authentizität ankommt. Während der gesamten Probe ist das Bemühen der quirligen Regisseurin Jutta Golitsch erkennbar, ihren Schauspielern nicht nur die Szenen genau zu erklären, sie versetzt sie auch in die Zeit von vor 200 Jahren, als der Räuberhauptmann Oberschwaben verunsicherte. Mit seiner Bande, der unter Anderen der „schöne Fritz“, der „Condeer“, der „Bregenzer Seppl“, der „Urle“, der „einäugige Fidele“ und die „drecket Muater“ angehörten, überfiel er vorwiegend Bauernhöfe in der Region.

Aber der Vere war nicht nur der Bandit, der Gangster. Er sei durchaus zur Empathie fähig gewesen, schildert Vere-Darsteller Reinhold Gasser. Natürlich wäre er ein bestimmender Mensch gewesen, war nicht zimperlich und durch und durch ein „Jauner“ – gewiss kein Robin Hood. „Er war halt eine arme Sau, von seiner Zeit arg gebeutelt und ist deswegen zum Verbrecher geworden“, so Gasser.

Was hat diesen Mann dann so berühmt gemacht, dass man ihn selbst 200 Jahre nach seinem Tod noch kennt, dass man ihm Schauspiele, Museen, Narrenzünfte, Jazzbands, Buchhandlungen und Festzugsgruppen widmet? Immerhin gab es vor seiner Zeit viel erfolgreichere Jauner und Vaganten. Wohl deshalb, weil keiner so spektakulär zu Tode kam wie der Vere, als der Blitz in sein Verlies in Biberach schlug. Und vermutlich auch, weil keinem anderen Banditen und seiner Bande so viele Kunstwerke gewidmet wurden.

So viel steht fest: Den Zuschauer der Theateraufführung erwartet ein Erlebnis. Wer hin will, für den ist es Zeit, sich noch eine der Restkarten zu sichern.                               

Uli Herzog

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