Zwischen Biber und Bauer

Zwischen Biber und Bauer
Manchmal müssen Biber auch gepäppelt werden. Foto: PR
18. April 2019

Der Biberbeauftragte Karl Zachmann kümmert sich im östlichen Landkreis ehrenamtlich um die geliebt-gehassten Nagetiere. Er versteht sich weder als Biber-Rechtsanwalt noch als Naturromantiker, sondern als Vermittler zwischen Tier und Landwirt. Dafür gab es jetzt den Landesnaturschutzpreis.

Bad Saulgau – Rund 50 Biberreviere betreut der Berufssoldat im Ruhestand. Jeden Tag fährt er sie ab: Bad Saulgau, Mengen, Herbertingen, Hohentengen und Scheer. Er schaut nach, wie es den Bibern geht und was sie anstellen. Dazu hat er die Biberbevölkerung im östlichen Landkreis Sigmaringen kartiert.

„Ich kenne alle unsere Biberfamilien, vor allem die Problembiber stehen unter meiner Beobachtung“, erklärt Karl Zachmann. Und genau diese Problembiber sind Mittelpunkt der Diskussion, wenn sie wieder einmal landwirtschaftliche Flächen vernässt und Fraßschäden verursacht haben. Oder wenn landwirtschaftliche Fahrzeuge in Biberröhren eingebrochen sind. „Dann rufen mich die Landwirte hoffentlich auf den Plan, statt selbst initiativ zu werden, um unantastbare Biberburgen zu zerstören oder das bei uns streng geschützte Tier gar zu töten. Wenn ich komme, können solche Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten verhindert werden.“

Dann zieht Zachmann, der den Landwirten so gut wie möglich helfen will, diverse Hilfsmittel aus seinem „Wunderköfferle“, wie er es nennt. „Wir können Elektrozäune errichten, Dammdrainagen in Biberdämme einlegen,  Dämme absenken oder in schlimmen Fällen nach Rücksprache mit dem Regierungspräsidium ganz entfernen“. 

Hilfe kostet nichts

Das kostet den Landwirt nichts, aber er müsse das Gespräch mit dem Biberberater suchen. Dann leistet Zachmann Aufklärungsarbeit, informiert über das mögliche Vorgehen und  räumt mit Vorurteilen und falschen Befürchtungen auf. 

Seine Vorschläge an die Politik: Schadensausgleichsfonds oder Flächentauschprogramme. Oder Landschaftspflegeverträge mit geschädigten Landwirten. „Der Landwirt erhielte  Geld dafür, dass er seine Flächen im  Biberrevier lediglich zwei Mal pro Jahr mäht.

Der Biber sei nämlich ein Landschaftsingenieur, der Biotope für  Amphibien, Reptilien, Vögel und Insekten schafft und dem Artensterben Einhalt gebietet. Das sei günstiger, als mit riesigem Arbeits- und Geldaufwand Flächen wie unsere oberschwäbischen Moore wiederzuvernässen. „Der Biber macht das kostenlos.  

„Die Landesregierung hält Geld bereit, um landwirtschaftliche Flächen aufzukaufen, die vom Biber betroffen sind. Aber wegen des Flächenbedarfs für den Anbau von Energiepflanzen sind nur wenige Bauern bereit dazu“, bedauert Zachmann.

Zur Arbeit eines Biberberaters gehört noch mehr. „Einmal im Jahr kommen junge Biber zur Welt“, erklärt er. „Damit es im Bau nicht zu eng wird, schicken die Eltern die zweijährigen Tiere auf Reisen“. Diese Wanderbiber suchen sich einen Platz, um selbst eine Familie zu gründen und schwimmen so lange, bis sie fündig werden. Aber auch die einheimischen Biber leiden unter Wohnungsnot. „Oberschwaben ist in Baden-Württemberg ein Hauptsiedlungsgebiet von Bibern. Ein bibertaugliches Revier zu finden, das noch nicht von einer Familie besetzt ist, bringt den Jungbiber in große Not“, erklärt Zachmann. So kann es sein, dass der Biber sich in einer Kanalisation einnistet. Die sei kein gutes Umfeld. Dann kommt Zachmann und holt die Familie aus ihrem Unterschlupf. 

Zum Aufpäppeln

Nur mit einer Ausnahmegenehmigung durch das Regierungspräsidium in Tübingen können Biber lebend gefangen werden. Diese Biber werden dann in der Donau ausgesetzt, wo sie sich gegen ihre Artgenossen durchsetzen müssen. Nicht selten ende dies mit dem Tod. „Einzelne Problembiber zu entnehmen und zu töten, wie das in Bayern praktiziert wird, ist in Baden-Württemberg nicht erlaubt“. Hin und wieder kommt es vor, dass Biber mit Bisswunden oder anderen Verletzungen gefunden werden. Sie werden Zachmann gemeldet, der eigens für sie ein Gehege hat, wo er die oft traumatisierten und unterernährten Tiere aufpäppeln kann, bevor sie wieder ausgesetzt werden. 

Sein Preisgeld, das er für seine Leistungen im Bibermanagement erhalten hat, wird er für die Anschaffung von weiteren Wildtierkameras verwenden. Der Rest geht an  Naturschutzprojekte.               

Christina Benz

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