Trialog: Wenn die Seele krank wird

Trialog: Wenn die Seele krank wird
Aufklären und unterstützen: Eugen Herb, Andreas Pfeffer, Sandra Scheffold, Marlene Jäggle und Petra Schall vom Trialog Sigmaringen. Foto: Trialog
20. November 2019

Der „Trialog“ ist weitläufig als Psychoseminar bekannt. Tatsächlich handelt es sich um eine Möglichkeit des Austauschs für Menschen, die von einer psychischen Erkrankung betroffen sind, deren Angehörige und im psychiatrischen Bereich professionell Tätige.

Sigmaringen – „Werden Sie ein eigener Experte für sich selbst.“ Diese Grundlage der achtsamen Aufmerksamkeit in umständlichen bis schwierigen Lebenssituationen hören Menschen immer wieder, die eine Psychotherapie wahrnehmen. „Im Trialog wird jeder Anwesende als Experte seiner eigenen Erfahrungen wahrgenommen, nicht nur die anwesenden Profis. Jeder findet Gehör und wird ernstgenommen, wenn er darüber berichten möchte. Sowohl als Betroffener als auch als Angehöriger“, sagt Marlene Jäggle. Die Sozialarbeiterin, im psychiatrischen Sozialdienst Tätige und Mitarbeiterin der Caritas hat das Projekt mitinitiiert, in dem sich Angehörige und Betroffene zusammensetzen und sich offen im Austausch mit der seelischen Erkrankung auseinandersetzen.

Angehörige und Betroffene

„Nicht nur für die Patienten ist ihre Erkrankung belastend, sondern auch für die Familienmitglieder“, so Jäggle. Während in der Öffentlichkeit psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, Borderline und sogar die mittlerweile als ‚Volkskrankheit‘ deklarierte Depression noch immer weitgehend schambehaftet verschwiegen werden, sei es dem Trialog ein einerseits ein Anliegen, Vorurteile durch Aufklärungsarbeit aufzulösen. „Diese Distanz hat zumeist mit Angst zu tun“, meint Marlene Jäggle. Und die komme auch in Angehörigen auf, wenn die Symptome des Betroffenen etwa plötzlich auftreten oder nicht einzuordnen sind. „Der Betroffene kann oft nicht verdeutlichen, was während einer akuten Episode in ihm vorgeht, so dass ein Umgang mit der Situation gefunden werden kann“, sagt sie. Eine beängstigende, eher traurige Entwicklung sei es für jene, die mit professionellem Hintergrund helfen könnten, aus Schamhaltung, Bagatellisierung der Symptome oder Angst vor Stigmatisierung die Leistung nicht möglich sei. 

Unentdeckt Leidende

„Es gibt viele unentdeckt Leidende in der Gesellschaft“. Daher möchte der Trialog jetzt vermehrt auf sich aufmerksam machen. „Wir sind eine Plattform, in der außerhalb eines Therapieraumes und der Psychiatrie einerseits professionell im Gesprächskreis Beratung eingeholt werden und andererseits in ungezwungener und offener Atmosphäre Austausch gefunden werden kann“, beschreibt sie die Termine, die jeweils mit einem Thema belegt sind. 

Ungezwungen und diskret

Am kommenden Dienstag, 26. November startet die Kunsttherapiereihe. Kunsttherapeutin  Kirsten Kleind wird bereits am nächsten Treffen im Evangelischen Gemeindehaus berichten, ob diese kreative Therapieform Menschen aus einer Krise heraus wieder ins Tun bringen kann. „Oft entstehen im Anschluss an die Vorträge lockere Gesprächsrunden, in der auch andere Fragen geklärt werden können, etwa ob weitere Ansprechpartner hilfreich sein können oder ob der Angehörige zu seiner Stabilisierung in dieser belastenden Situation selbst eine Therapie wahrnehmen möchte, eine Haushaltsunterstützung benötigt, wo wir für den Betroffenen oder Angehörigen weitere Ressourcen schaffen können“, sagt Jäggle.

Hauptsächlich gehe es aber um den Erfahrungsaustausch untereinander. „Es sind ergebnisreiche Gespräche, in der sich die Teilnehmer viel Hilfe zur Selbsthilfe geben“, so Jäggle.

Weitere Termine: 26. November, 18 Uhr,  Karlstraße 24, Sigmaringen. 2020: 28. Januar, 28. April, 15. September und 24. November  Kunsttherapie. Rückfragen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Christina Benz

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