Traum-Karriere: Vom Flohmarkt zum schicken Showroom

Traum-Karriere: Vom Flohmarkt zum schicken Showroom
Füller-Baron Michael Rheinländer Foto: Julia Rizzolo
19. Juni 2019

Michael Rheinländer handelt mit gebrauchten Füllern. Sammlerstücken. Das klingt erst dann so richtig spektakulär, wenn man erfährt, dass er damit einen Millionen-Umsatz macht. Oder, dass er der Kripo half, einen Hehler hochgehen zu lassen.

Ravensburg – Alles fing damit an, dass der 15-jährige Michael sein Taschengeld zusammenkratzte, um sich einen Montblanc-Füller zu kaufen. Heimlich, ohne das Wissen seiner Eltern. Kosten: 400 D-Mark. Es war der Startschuss für eine unerwartete Karriere. Heute ist Michael Rheinländer 34 Jahre alt und hat im Jahr 2018 einen geschätzten Umsatz von 2,5 Mio. Euro erwirtschaftet. Er handelt mit Füllern – natürlich von Montblanc. „Der Mythos Montblanc hat mich schon früh gefangen genommen“, erzählt Michael Rheinländer und erklärt: „So eine Monopol-Stellung gibt es in kaum einer anderen Branche.“ Bei Schreibgeräten über 200 Euro liegt der weltweite Marktanteil von Montblanc bei mehr als 70 Prozent.

Flohmarkt-Schätze

Für die ersten Objekte seiner Begierde stöberte der Ravensburger auf Flohmärkten und stellte fest: Beim Wiederverkauf gibt es richtig gutes Geld dafür. Noch während seiner Zeit als Industriekaufmann-Azubi verdiente Michael Rheinländer mehr mit dem Verkauf gebrauchter Füller als mit seiner Lehre. Sein Plan war es, im Monat etwa 500 bis 1000 Euro zu verdienen, um sorgenfrei BWL studieren zu können. Dazu kam es aber nicht. Denn das Füllergeschäft lief einfach zu gut.

An seinem Geschäftsprinzip hat sich in all den Jahren nichts geändert: Er kauft Füller, bereitet sie wenn nötig auf und verkauft sie wieder. „Allerdings ist die Gewinnspanne bei Füllern unter 1000 Euro recht dünn“, sagt er. Rheinländers Spezialgebiet: High-End-Ware mit Preisen im fünfstelligen Bereich. Das teuerste Stück verkaufte der Ravensburger für mehr als 100 000 Euro. In diesem Segment muss der Füller-Baron nach eigener Aussage kaum Konkurrenz fürchten. Es gilt das Prinzip: Je günstiger der Preis, desto mehr Mitstreiter gibt es. Klingt fast ein bisschen märchenhaft, doch Rheinländer sagt: „Von nichts kommt nichts. Ich kenne es nicht, nur acht Stunden am Tag zu arbeiten. Ein normaler Arbeitstags betrug für mich schon immer eher zwölf Stunden.“ Manchmal war er einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort und lernte die richtigen Leute kennen. Das meiste hat er sich erarbeitet, „das Glück des Tüchtigen“ nennt er es.

Als nicht-lizensierter Händler macht er den größten Umsatz auf dem so genannten Sekundärmarkt: „Für mich wird der Ankauf eigentlich erst dann interessant, wenn so ein Schreibgerät ein zweites Mal verkauft wird.“ Meistens sind es streng limitierte Editionen in Originalverpackung, die er aufkauft – oft ganze Sammlungen, die er dann von Montblanc auf Echtheit überprüfen lässt. Seine Kunden kommen aus der ganzen Welt. „Wir verkaufen auf Online-Plattformen wie Amazon, Hood oder Ebay, aber der größte Marktplatz ist mein Netzwerk,“ sagt Rheinländer.

Ein spannendes Geschäft

Schon häufiger wurde ihm Hehlerware angeboten. Einmal ging er in Absprache mit Montblanc zum Schein auf den Deal ein. Die Kripo wurde eingeschaltet. Rheinländer vereinbarte ein Treffen mit dem Hehler. Doch statt ihm tauchte ein Kriminalbeamter auf – und die Handschellen klickten. Geschichten wie diese hat er viele zu erzählen. Zum Beispiel die, als er aus Versehen mehrere tausend Euro unterm Hotelbett vergessen hat. Oder die: In Paris traf er sich mit einem Kunden in dessen Luxus-Suite. Dieser war so begeistert, dass er seinen Kauf groß feiern wollte – mit ein paar „leichten Mädchen“ und Koks. Rheinländer lehnte dankend ab.

Einer wie keiner

Heute hat er eine komfortable Position. Seine Erfahrungen und sein Know-how stehen in keinem Buch. Dass der Markt für Luxus-Füller irgendwann einbricht oder gesättigt ist, glaubt er nicht. Trotzdem sei es wichtig, die Augen offen zu halten – ein Großteil seiner Arbeit besteht aus Markt-Beobachtung: „Montblanc hat tausende verschiedene Produkte. Ich muss mich mit jedem auskennen, um zu wissen: Was bringt das im Verkauf, wie lange liegt das bei mir auf Lager, gibt das meine Liquidität her, wem könnte ich das verkaufen und so weiter.“ Etwa 700 bis 800 Füllfederhalter hat er immer vorrätig. Deren Gesamtwert bewegt sich im Millionen-Bereich. Deswegen lagern sie fast ausschließlich im Bankschließfach.

Finanzielle Ziele hat Michael Rheinländer kaum noch welche. Seinen ersten Porsche hat er sich vor Jahren gekauft. Vor kurzem spielte ihm der Zufall ein Auto zu: Einen Mercedes G500 4x42. Wert rund 250 000 Euro. Gekostet hat ihn das Fahrzeug aber kein Geld, sondern einen Füller. Eine 1 von 1 – nur ein einziges Mal hergestellt. Die edle Feder wanderte zum vorherigen Auto-Besitzer und der Mercedes zu Rheinländer. Der verkaufte das Offroad-Monstrum direkt weiter. Eine außergewöhnliche Aktion, selbst für einen Geschäftsmann wie Rheinländer.

Julia Rizzolo

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