Schwarz Vere: großes Theater

25. Juli 2019
Wie in echt: Der Räuberhauptmann instruiert seine Bande. Foto: Uli Herzog

Welch ein Spektakel! Die Schwarz-Vere-Aufführung in Riedhausen verbuchte das Publikum als Riesenerfolg: tosender Applaus, ausverkauft und besetzt bis auf den letzten Tribünenplatz. Unter der Regie von Jutta Golitsch, die auch für das Skript verantwortlich ist, entwickelten sich spannende und unterhaltsame Stunden.

RIEDHAUSEN – Obwohl es schon seine Zeit dauerte, um die Geschichte des Xaver Hohenleiter alias Schwarz Vere möglichst authentisch darzustellen, blieb das Publikum aufmerksam bis zum letzten Augenblick. Rund 800 zahlende Zuschauer interessierten sich für das Schwarz Vere-Theater – Riedhausens Störche nicht mitgerechnet, die dem Schauspiel aus luftiger Höhe zusahen.

Komödie und Krimi

Dieses Freilicht-Schauspiel war Vieles: Es war eine historische Aufführung, es war eine Komödie, es war eine Revue, es war ein Tatort-Krimi: Unterhaltung in allerbester Manier. Zur Genauigkeit und Authentizität, mit der Jutta Golitsch dieses Stück inzenierte, kam die großartige schauspielerische Leistung der Laienschauspieler, allen voran Reinhold Gasser, der mit rollendem „R“ den Ganoven aus Rommelsried hervorragend darstellte. Ihn alleine hervorzuheben, wäre aber der grandiosen Leistung der anderen Akteure nicht gerecht. Stellvertretend und keinesfalls wertend seien hier noch Frank Gasser als der schöne Fritz, Heinz Schlagenhauf als der einäugige Fidele, Manuela Gasser als „Sephe“ und Winfried Riegger als „Edler von Riedhausen“ genannt. Die Stimme von Siegmar Gasser in verschiedenen Singrollen verdient ebenfalls allerhöchstes Lob.

Eine ganze Heerschar an Schauspielern mit und ohne Sprechrollen war nötig, um diese opulente Schauspiel zur Vorführung zu bringen. Pferde, Reiter, eine wundervolle Chaise; all das begeisterte das Publikum ein ums andere Mal.

Lebendiges Bühnenbild

Das Bühnenbild war so realistisch, dass man zwischendurch Angst hatte, es würde sich wieder ins Gemälde von Johann Baptist Pflug zurückziehen und stehen bleiben. Die Kostüme wirkten nicht nur originell; nein sie wirkten wie jedes Original. Alles war so lebensnah, dass man am Ende der Vorstellung wirklich einen Schalter umlegen musste: Wir schreiben nicht mehr 1819, sondern 2019. Der Regie-Gag mit den in Riedhausen auftauchenden Nachfahren des Vere war freilich sehr hilfreich dabei.

Ein netter Vere

Besonders eindrucksvoll war das Ende des Jauners im Siechen- oder Ehinger Tor zu Biberach. Am Abend des 20. Juli 1819 schlug der Blitz in das Tor und tötete den an Ketten gefesselten Vere. Es war ein „Gottesurteil“, meinten die Menschen. Ganz so schlimm hätte es der Vere aber nicht verdient gehabt, denn er war vielmehr ein armer, von der Zeit gebeutelter Kerl, denn ein Schwerverbrecher. Aber als solchen hat man ihn in diesem Stück auch gar nicht dargestellt.

Das Siechentor

Das Siechen-, oder Ehingertor diente der Justizverwaltung als eines von mehreren Gefängnissen in Biberach, wo man zu dieser Zeit mehr als 70 Jauner, oder Malefi zen unterbringen musste, was für die damals noch nicht einmal zehntausend Einwohner zählende Stadt eine riesige Belastung darstellte. Es hieß ursprünglich Siechentor, wurde aber vermutlich wie alle anderen Stadttore vom Volksmund nach Einführung der Postkutschen in die Stadttore umbenannt, in welche Richtung die Postkutschen fuhren. Im Falle des Siechentors: In Richtung Ehingen.

Uli Herzog

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