Rauchen für die Gesundheit
Empfehlung

13. April 2018
Labor-Mitarbeiter Benjamin Ehrlich bestückt die Abrauchmaschine (links). Nach dem vollautomatischen Durchlauf (Mitte) bleibt ein Feststoff-Filterblatt in unschuldigem Orange (Foto rechts). Sein beißender Geruch spricht Bände – und die wahren Gifstroffe im Tabakrauch sind da noch gar nicht drin. Fotos: Uli Landthaler

Die Zigaretten-Rauchmaschine ist der außergewöhnlichste Apparat im Chemischen und Veterinär-Untersuchungsamt in Sigmaringen. Ein Laborbesuch. Sigmaringen – Die Papierscheibe hat eine adrette gelb-orange Farbe. Aber sie riecht wie hundert volle Aschenbecher. „Wenn Sie die jemand unter den Sitz im Auto legen, wird der Verkaufswert null“ witzelt Laborchef Jürgen Hahn. „Das geht nicht mehr raus“.

„Das“ sind die festen Rückstände von 20 Filterzigaretten, die sich in dem kreisrunden Filterpapier gesammelt haben und ihren Geruch verströmen, erzeugt von der Abrauchmaschine des Chemischen Untersuchungsamts in Sigmaringen. Dessen Abrauchlabor ermittelt die Rückstände im Zigarettenqualm, um sie etwa an das Bundesamt für Risikobewertung weiterzureichen. Das erarbeitet mit Hilfe der Daten aus Sigmaringen seine Gesetzesvorschläge. Um die 5000 Substanzen sind im Zigarettenrauch enthalten, weiß Hahn, „wir kümmern uns um die hundert wichtigsten“. Das sind vor allem jene, die im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen.

Hierfür qualmt die Abrauchmaschine unter realistischen Bedingungen ruckzuck eine ganze Schachtel weg: Pro Minute ein zwei Sekunden langer Zug, so sagt es die Prüfnorm. Das schlimmste Gift landet dabei wohlgemerkt nicht als Feststoff im Filter, sondern als Gas im Rauch und wird von den Analysegeräten erfasst.

Wozu ist das Abrauchlabor da? „Um die Konsumenten vor vermeidbaren Gesundheitsgefahren schützen und Druck auf die Hersteller ausüben, ihre Produkte weniger schädlich zu machen“, sagt Hahn. Nikotin, Kondensat, Kohlenmonoxyd – dafür gibt es Höchstgrenzen, deren Einhaltung überprüft wird. Darüber hinaus liefert man dem Gesetzgeber Erkenntnisse über weitere Schadstoffe im Zigarettenrauch. Denn die Vorschriften für Tabakerzeugnisse, eine europäische Richtlinie, werden ständig verschärft. Hahn: „Ohne Filter rauchen geht gar nicht“. Und auch Pfeife und Zigarre seien keineswegs gesünder als Zigaretten – und von „gesund“ könne man beim Rauchen eh nicht sprechen.

Auch Elektro-Zigaretten und Wasserpfeifen bringen aus seiner Sicht keinen Gesundheitsvorteil. „Auch die E-Zigarette enthält Nikotin, und sie wird ja nicht nur als Ausstiegsprodukt genommen, sondern bei jungen Leuten als Einstieg zum Rauchen.“ Ihr Schadstoff-Profil sei anders, aber deswegen nicht harmloser. „Der Hauptbestandteil der E-Zigarette ist zum Beispiel Glyzerin. Kein Mensch kennt die Langzeitwirkung auf Lunge oder Bronchien, wenn Sie das jahrelang inhalieren.“ Auch ein anderer

Raucher-Trend, die Wasserpfeife, wird von Hahn kritisch betrachtet. „Das schenkt sich nichts. Die Schadstoffe bleiben im Rauch. Es ist ein großer Trugschluss, zu glauben, das Wasser filtriert alles heraus. “

Um Leben und Tod geht es nicht immer im Chemischen Untersuchungsamt. Man prüft auch, wieviel Zucker die Marmelade enthält oder ob zuviel künstliches Vanillearoma ins Speiseeis geschmuggelt wurde. Dabei geht es nicht um Gesundheitsgefahren, sondern um die korrekte Deklaration durch die Hersteller.

Manchmal wird es auch wieder ernst. Im Prüflabor türmen sich Packungen mit Nüssen und anderen Lebensmitteln – Stichproben aus Supermärkten, die im Auftrag der Landratsämter routinemäßig auf Kontaminationen wie Schhimelpilzgifte untersucht werden. Meistens, so versichert die Amtsleiterin Mirjam Zeiher, ist alles in Ordnung.

Uli Landthaler

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cockies akzeptieren