Heimat für Naturkinder
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9. Mai 2019
Am 1. September wird der Waldkindergarten starten Foto: Christina Benz

Bad Saulgau erhält einen Waldkindergarten. In der Umgebung des Schönen Moos, den Naturlehrpfaden nahegelegen, können ab September Kindergartenkinder ganztags in der Natur spielen und lernen. Die Fläche wird jetzt vorbereitet und der Bauwagen aufgestellt.

Bad Saulgau – Am Waldrand neben dem Naturthemenpark soll er entstehen. „Ein perfekter Platz für eine solche Einrichtung, ein geradezu paradiesischer Ort für die zukünftigen Waldkinder“, schwärmte Bürgermeisterin Doris Schröter bereits am Neujahrsempfang bei der Ankündigung des geplanten Projekts. In unmittelbarer Nähe zu den Naturlehrpfaden und umrahmt von Bäumen, Wald, Wasser und Wiese, haben diesen Standort auch die Träger Stadtverwaltung und Johanniter-Unfallhilfe als optimal befunden. Jetzt geht es an den Aufbau, die Fläche muss vorbereitet, der Bauwagen aufgestellt und eingerichtet und Naturspielmaterialien zusammengetragen werden. Am 1. September soll der Waldkindergarten für die ersten Kinder bereitstehen.

„Es sind zwei Gruppen vorgesehen“, berichtet Silke Schuh, Johanniter-Sachgebietsleiterin Kindertagesstätten Oberschwaben - Bodensee. „In der Gruppe für Kinder unter drei Jahren, der U3, sollen 10 Kinder Platz haben, in der Gruppe für jene über drei Jahren, der Ü3, 20 Kinder“, erzählt sie weiter. Die Anmeldungen laufen bereits, Plätze seien noch genug vorhanden. „Allerdings können nicht alle Kinder sofort am 1. September den Waldkindergarten besuchen“, wirft die städtische Fachbereichsleiterin der Kindertageseinrichtungen Birgit Luib ein. Denn zunächst soll sich eine kleine Gruppe an Waldkindern mit den Regeln für das Lernen und Erleben in freier Natur in Ruhe vertraut machen können. „Dann werden wir die Kinderzahl sukzessive erhöhen“, so Luib. 

Weil die Johanniter mit insgesamt 14 Waldgruppen in der Region auf fast zehnjährige Erfahrungswerte zurückgreifen können, weiß Silke Schuh auch um die Herausforderungen, mit denen die Pädagogen beim Aufbau eines Waldkindergartens konfrontiert sein können und plädiert deshalb ebenfalls für Gemächlichkeit: „Zwar wirken die Johanniter als Träger in der Gründungsphase mit, die Wald-Kita soll aber in aller Ruhe ihr eigenes Profil ausbilden. Das braucht Zeit, vor allem für die Pädagogen. Und diese wollen wir ihnen geben“, so Schuh. „Als Ansprechpartner und Unterstützung bei aufkommenden Unklarheiten, stehen wir aber auch nach der Gründungsphase noch zu Verfügung.“ Und das gestalte den Unterschied zwischen Waldkindergärten, der etwa von einer Elterninitiative gegründet werden und einer Natur-Kita unter Trägerschaft. 

Eine weitere Abweichung: Die Kinder besuchen den Waldkindergarten nicht stundenweise und gehen dann wieder zurück in einen Hauskindergarten, sondern halten sich über das ganze Jahr hinweg ganztägig im Freien auf. „Außer dem üblichen Bauwagen wird es natürlich auch noch einen Ausweichraum für sehr ungemütliches Wetter geben. Aber grundsätzlich ist die U3 an drei Tagen pro Woche vierdreiviertel Stunden draußen, die Ü3 an fünf Tagen sechs Stunden im Wald“, so Luib, die sich generell über dieses Projekt freut: „Es passt einfach zu uns als Biodiversitätsstadt!“ Außerdem stelle ein Waldkindergarten eine optimale Alternative bereits für die Kleinsten zur schnelllebigen Gesellschaft dar, sagt Schuh: „Kinder, die unserem gesellschaftstypischen ‚Höher, Schneller, Weiter‘ nicht folgen müssen, entwickeln eine starke Sozialkompetenz, können sich in der Schule besser an Regeln halten, zeigen eine gelassene Persönlichkeit, wollen Verantwortung übernehmen, etwa als Klassensprecher. Diese Rückmeldungen erhalten wir aus den weiterführenden Schulen.“ 

Diese Wohltat für Kinderseelen hat allerdings auch ihren Preis. Mit knapp 80.000 Euro pro Gruppe rechnen die Träger für Geländeaufbereitung, Bauwagen und Kindergartenausrüstung. „Bei diesem Betrag handelt es sich allerdings nur um den Bruchteil des Aufwandes für einen Hauskindergarten“, so Schuh. Der Aufwand für Instandhaltung, TÜV und Energie sei wesentlich geringer. Was jetzt noch gebraucht werde, seien weitere Fach- und Ergänzungskräfte für die Waldgruppen. Interessenten dürfen sich gerne bei der Johanniter-Unfallhilfe melden. Anmeldungen von Kindern erfolgen über die städtische Website.

Weitere Infos: www.bad-saulgau.de oder www.johanniter.de/oberschwaben-bodensee

Christina Benz

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