Gutes aus der Grille

5. April 2019
Larah Schuhwerk mit ihrem Sortiment aus Grillen-Nudeln. Foto: Christina Benz

Essen aus Insekten: Was wir als Kinder höchstens als Mutprobe betrieben haben, damit verdient Lara Schuhwerk heute Geld. Oder versucht es zumindest: Die 26-jährige Betriebswirtschaftlerin aus Geislingen will den Lebensmittelmarkt mit selbstgemachter Pasta aus zermahlenen Kurzgeflügelgrillen bereichern.

Region – Die Prototypen mit Tomaten- oder Pilzaroma stehen, jetzt braucht es nur noch Abnehmer. „Eine Grillennudel hat einen wesentlich höheren Proteingehalt als herkömmliche Pasta, kommt ohne Weizen und Ei aus, hat ernährungphysiologische Vorteile“, erzählt Lara Schuhwerk. Und eine vorzügliche Ökobilanz. „Vor zwei Jahren habe ich meine Ernährung auf proteinreiche Kost umgestellt: Dreimal am Tag Hähnchen, Fisch, Eier oder Quark. Ich habe über Nachhaltigkeit und Hormonbelastung nachgedacht. Und auch bei Soja sieht es ja düster aus bezüglich des ökologischen Fußabritts.“ 

Schuhwerk suchte nach Alternativen. Während eines Auslandssemesters entdeckte die Studentin auf einem Nachtmarkt in Peking Snacks aus Skorpionen, Bienen und Heuschrecken. „Das Probieren war auch für mich eine Mutprobe“, so die Jungunternehmerin. Zurück in Deutschland stand sie bezüglich Insekten in Supermärkten vor leeren Regalen. „Da war die Idee geboren: Die gesunden Insekten müssen in appetitlicher Form auf den Markt gebracht werden.“

Hilfreich sei der Blick auf die Statistik: Pro Jahr nehme jeder Bundesbürger ohnehin unfreiwillig etwa ein Kilo Insekten zu sich. „Nicht nur auf dem Fahrrad, sondern auch in mancher Fertignahrung. Nur müssen Spuren von Insekten nicht auf der Verpackung deklariert sein“, so Schuhwerk. Bewusst zu Lebensmitteln verarbeiten dürfe man in Europa aber lediglich Mehl- und Buffalowürmer, Heuschrecken und Grillen. Schuhwerk entschied sich für Letztere.

Nach ihrem Abschluss in Betriebswirtschaft und Unternehmensgründung trug sie ihre Idee auf die Zollernalb in ihre Einzimmerwohnung. „Meine inspirierenden Uni-Professoren und visionären Kommilitonen hatte ich leider nicht im Gepäck. Ein richtiger Arbeitplatz sowie ein Netzwerk mussten her, um das Projekt voranzutreiben“.

Fündig wurde sie in ihrer Funktion als Gastdozentin bei der Technologiewerkstatt der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Ihr Konzept überzeugte, sie durfte am Gründerprojekt der Hochschule teilnehmen. Andere Tüftler begannen ihre Karriere in Garagen. Nicht so Lara Schuhwerk, sie startete ihr Vorhaben auf dem Flur der Technologiewerkstatt. „Ein Tisch, ein Stuhl, Regale. Ein Platz im Co-Working-Space, einer Art Großraumbüro, war für mich gerade nicht frei“, sagt sie. Dafür aber Mentoren, die ihr nun als offizielle Gründerin zur Seite stehen.

Aus einer Grille im Kopf konnte so ein handfestes Vorhaben wachsen. „Ich probierte so lange in der Küche aus, bis die Nudelkonsistenz stimmte und die zermahlenen Grillen ohne Beine und Augen im Teig landeten.“ Das brauchte Geduld und mutige Testesser aus Familien- und Freundeskreis. Natürlich werden die Tiere nicht bei lebendigem Leib zu Mehl verarbeitet. „Sie werden als wechselwarme Insekten im Gefrierschrank bei langsam sinkender Temperatur zum Schlafen gebracht, bevor sie bei minus 15 Grad quasi eines natürlichen Todes sterben“. 

Anstelle von Mehl werden dann die feingemahlenen Grillen zur Nudelherstellung verwendet und sollen bald unter dem Geschäftsnamen „Beneto“ Abnehmer finden. „Es setzt sich zusammen aus ‚bene‘ für ‚gut‘ und ‚to‘ von ‚Entomophagie‘, dem griechischen Begriff für das Verzehren von Insekten. Also quasi ‚lecker Insekten‘“.

Die Jungunternehmerin bezieht sie von einer Grillenfarm in Hechingen, an deren Aufbau sie mitgewirkt hat. „So weiß ich, dass die Grillen in erstklassiger Qualität in meinen Nudeln landen.“ Ihr Traum ist ihre eigene Grillenfarm. Hier will sie dann auch Abnehmer für Aufzucht und Verarbeitung von Grillen coachen – auf dass die Grillennudel ihren Siegeszug in unsere Speisepläne antritt.                

Christina Benz

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