Gruseliges Oberland
Empfehlung

14. Juni 2018
Gruseln auf Bestellung: Buchautor und Führer Paul Sägmüller. Foto: Christina Benz

Es gibt sie tatsächlich: Orte in Oberschwaben, an denen man sich gruseln kann. Paul Sägmüller kennt sie. Den Lesern seiner Bücher und den Gästen seiner Führungen in Bergatreute läuft es eiskalt den Rücken herunter.

Bergatreute – Paul Sägmüller bietet Dorf- und Landschaftsführungen der unheimlichen Art. Die Gäste seiner Rundtouren leitet er an Häusern vorbei, in denen Bewohner von Geistern in den Tod getrieben wurden. Oder in denen sogenannte Schrättele noch heute ihr Unwesen treiben – Gestalten, die den Menschen im Schlaf auf der Brust sitzend die Atemluft rauben.

Wer mit dem Heimatforscher spazieren geht, lernt nicht nur viel über alte Sagen und Bräuche aus der Region, sondern auch das Fürchten. Auf dem Friedhof erfahren die Teilnehmer, dass sie sich nun inmitten jener Gestalten befinden, vor denen man sich durch die Friedhofsmauer von außen schützen wolle. Lediglich eine Wenderkette, ein mit Talismanen behängtes Band, könne Abhilfe bieten. „Ich erzähle Geschichten, die in Bergatreute ngeblich geschehen sind und besuche mit meinen Gästen die Schauplätze des Spuks“, erzählt Sägmüller.

Vom Friedhof aus führt der Spaziergang zu einem Bauernhaus, in dem sich der ehemalige Besitzer erhängt hat. „Im Stall war es, wo der Geist ihn erwischt hatte“. Etliche Male habe man den Bauern beobachtet, wie er mit der Mistgabel oder der  Sense auf eine unsichtbare Person losgegangen ist. „Gang weg, Lass me en Ruah“, habe man ihn schreien gehört. „Und irgendwann hat der Geist ihn eben nicht mehr in Ruhe gelassen.“ Vom Friedhof aus führt der Spaziergang zu einem Bauernhaus, in dem sich der ehemalige Besitzer erhängt hat. „Im Stall war es, wo der Geist ihn erwischt hatte“. Etliche Male habe man den Bauern beobachtet, wie er mit der Mistgabel oder der  Sense auf eine unsichtbare Person losgegangen ist. „Gang weg, Lass me en Ruah“, habe man ihn schreien gehört. „Und irgendwann hat der Geist ihn eben nicht mehr in Ruhe gelassen.“ 

Aus dem Inventar des Landwirts ersteigerte ein anderer Bauer einen Kasten, den er zu Hause bei sich aufstellte. Bereits in der ersten Nacht sei er aus dem Bett gefahren, weil sich die Kastentüren öffneten und schlossen. „Er ließ dann eine Messe lesen. Dann hörte es auf“, erzählt Sägmüller.Es sind nicht nur Geschichten aus der Vergangenheit.

„Es ist noch nicht lange her, dass ein Mann an seinem Schlafzimmerfenster einen zitternden Geist gesehen habe. Der sei in Richtung Speicher geschwebt und durch den Türschlitz verschwunden. Seither hört die Familie ihn des Nachts umhergehen.“

Oder er hört von blauen Blitzen, die im Haus die Bewohner in Angst und Schrecken versetzen. Wenn sich ein Mensch täglich mit Grusel und Aberglaube befasst, ergreift ihn dann nicht selbst die Angst oder gar ein Geist? „Nein, ich glaube nicht an meiner Aberglauben“, behauptet Sägmüller. „Auf meinen Vorträgen rate ich meinem Publikum, sich mit dem Übersinnlichen zu beschäftigen, aber von praktischen Versuchen die Finger zu lassen.“

Manchmal werde er angefragt, ob er in Spukhäusern Abhilfe schaffen könne. „Zum Geisterjäger bin ich nicht geschaffen“, sagt Sägmüller. Er höre lediglich Geschichten, schreibe sie auf und recherchiere weiter. Aber er hat auch ein Sammelsurium an Glücksbringern und Beschützer-Utensilien, die  ganze Schlösser von Geistern befreien könnten: Maulwurfspfoten, Marderpenisknochen, Vogelkrallen, Neidfeigen und schützende Heiligenbrevets. Zu jedem hat er eine  Geschichte parat, eine haarsträubender als die andere.

Das nächste mal kann man ihm beim Sommerferienprogramms durch die Spukhäuser und über den Friedhof vom gruseligen Bergatreute folgen.

Christina Benz

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren