Graben im Kulturerbe

1. Februar 2019
Die Fünf von der Grabungs-Baustelle: Außen die Archäologinnen Dr. Julia Goldhammer und dann von links Grabungsleiter Wolfgang Hohl sowie Gebäudemanager Guido Klaiber und Geschäftsführer Walter Hummler vom Gesundheitszentrum Federsee und Dr. Renate Ebersbach Foto: Uli Landthaler

Es wird mal wieder gegraben in Bad Buchau. Das Gesundheitszentrum modernisiert und erweitert sich, und das heißt Arbeit für die Archäologen. In den  Baugruben der künftigen Seniorenwohnanlage und des Pflegeheims suchen sie nach Spuren der Federsee-Ureinwohner. 

Bad Buchau – Touristisch wäre  es eine tolle Sache, wenn Buchau noch eine Insel wäre. Aber das ist etliche Jahrhunderte her, der Federsee seitdem mächtig geschrumpft. Im Untergrund finden sich die Zeugnisse aus der Zeit, in der das Treibholz ans Ufer der Insel Buchau gespült wurde und sich dort sammelte. Man stößt auf sie, sobald man eine Baugrube aushebt – und ruft damit die Archäologen auf den Plan.

Das Gesundheitszentrum Federsee  baut gerade:  Bis in drei Jahren bekommt die Therme einen neuen Eingangsbereich, damit die Badegäste nicht mehr den Zutritt zur Kurklinik benutzen müssen. Es entsteht ein neues Pflegeheim, das Haus Irmengardis mit 60 Plätzen. Und dazu eine Seniorenwohnanlage mit 15 Wohnungen, Betreuungsangeboten und direktem Zugang zur Therme. Die Bagger sind  aufgefahren – und machen an einer Stelle schon wieder Pause. „Rettungsgrabung“ nennt man es, wenn Grabungsmitarbeiter mit kleinen Kellen den Boden durchsuchen, angeleitet von Archäologen des Landesdenkmalamts. Im weißen Grabungszelt kratzen sie sich, wettergeschützt und vom Heizstrahler gewärmt, durch die Kulturschichten. Holzreste und  Scherben aus der Bronzezeit, konserviert im Torfboden, dokumentieren die frühe menschliche Besiedlung seit 4 300 vor Christus – Buchau gehört zu den ältesten Moorsiedlungen, die es gibt, wie Archäologin Dr. Renate Ebersbach unterstreicht, die Fundstellen sind  Weltkulturerbe.

Was an Funden zu erwarten ist, sei nicht klar, es ist aber vieles möglich. Vielleicht weitere Bretter aus dem bronzezeitlichen Bohlenweg, der in der Nähe verlief, wie Grabungsleiter  Wolfgang Hohl erläutert. Oder Gebrauchskeramik von damals. 

Eigentlich sind die Forscher gar nicht wild darauf, die Zeitdokumente auszugraben, wie Archäologin Dr. Julia Goldhammer erläutert. „Es wäre besser, alles drin zu lassen, bis vielleicht bessere Untersuchungsmethoden entwickelt werden.“ Weil sich aber das Gesundheitszentrum weiterentwickeln will und Bad Buchau ein neues Pflegeheim braucht, hat man sich mit den Baufirmen und dem Gesundheitszentrum auf einen Zeitplan geeinigt. Dessen Geschäftsführer Walter Hummler ist auch im Förderverein des Federseemuseums aktiv. Die interessantesten Stücke, so sich welche finden, landen dort.

UIi Landthaler

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