Feuer frei: Eine zündende Idee

7. Februar 2019
Tolle Idee: Alexander Teise und Sabine Stehle machen aus Recycling-Wachs Foto: Privat

 Alexander Teises Rezept für Erfolg hat genau zwei Zutaten: Sägespäne und Wachs-Reste. Beides Abfall-Produkte, die andere loswerden möchten. Für Teise sind sie bares Geld. Er fertigt daraus ökologische Ofen-Anzünder: Feuer-Flott. 

Vogt – Die Naturhobelspäne kommen direkt aus dem Sägewerk. Für die Wachs- und Kerzenreste hat er sein eigenes Sammelnetz aufgebaut: Auf den Wertstoffhöfen der Region darf er seine Tonnen aufstellen. Für die regelmäßige Leerung ist er selbst verantwortlich. 

Produziert wird in Vogt bei Ravensburg in einem ehemaligen Baugeschäfts-Anwesen von 1930. Hier wird das Wachs gesiebt, gefiltert, mit den Spänen vermischt und gepresst. Geschmolzen wird das Wachs stromunabhängig auf holz- und pelletsbetriebenen Öfen. Alles in Handarbeit. Das genaue Rezept bleibt Betriebsgeheimnis.

„Wir bekommen die Rohstoffe umsonst, aber wir haben ja auch die Arbeit damit. Es stinkt, es ist dreckig und kann manchmal eine ganz schöne Schweinerei sein,“ erklärt „Ali“ Teise. Warum er und Lebensgefährtin Sabine Stehle die Arbeit trotzdem auf sich nehmen? Weil es ihnen eine Herzens-Angelegenheit ist. Alexander Teise ist leidenschaftlicher Müll-Sammler, könnte man sagen. Regelmäßig sieht man ihn mit Müllsäcken in der Hand durch Wald und Wiesen stapfen. „Ich habe schon immer gern aufgeräumt und Müll getrennt“, gibt er zu. „Mit Feuer-Flott haben wir auch eine erzieherische Aufgabe. Nämlich Wachs- und Kerzenreste nicht einfach wegzuwerfen. Und das Bewusstsein der Kunden ist da!“ Viele seien froh, ihre Wachs-Reste sinnstiftend abgeben zu können.

Leben können er und Sabine Stehle nicht von dem, was die Anzünder an Gewinn abwerfen. Noch nicht. Aber Feuer-Flott ist auch keine Firma, sondern ein Produkt von Teise Technics. Dies ist Alexander Teises Baustoffhandel und eigentlicher Broterwerb. „Eigentlich“ deswegen, weil lautet eigenen Angaben Feuer-Flott mittlerweile rund 20 Prozent seines Geschäfts ausmachen. Anfangs war Feuer-Flott ein Produkt für den reinen Eigengebrauch.

Suche nach Wachs-Resten

Im ersten Winter wurde noch innerhalb der Verwandtschaft nach Wachs-Resten gesucht. Mit einem einzigen Markttag fing 2011 alles an. Heute sind es 20 und das „nur“, weil trotz Anfragen für mehr einfach keine Zeit ist. 

20 Händler in der Region Oberschwaben/Allgäu verkaufen seine Anzünder - und das, ohne dass er groß Werbung für sein Produkt machen musste. Alles Mund-zu-Mund-Propaganda.  „Fast jeder Neukunde wird zum Stammkunden“, behauptet Teise. Viele fahren etliche Kilometer um in seinem Hofladen einzukaufen.

„Im Moment können wir uns gegen das Wachstum kaum wehren, im positiven Sinn“; sagt er. Das war nicht immer so. In den ersten zwei, drei Jahren haben er und seine Lebensgefährtin viel Lehrgeld bezahlen müssen und „viel Murks produziert.“ 

Fünf Tonnen Anzünderpro Jahr

Heute verkauft er rund fünf Tonnen seiner Anzünder pro Jahr. Gerade gingen fünf Paletten nach Frankreich, eines von sieben europäischen Ländern, aus dem seine Kunden stammen. So kommt er auf einen Jahres-Umsatz von knapp40 000 Euro. Fast alles wird wieder investiert.

Kommt ein Großauftrag, wird rund um die Uhr geschafft. Zur Not mit Unterstützung der ganzen Familie. Denn Teises Motto ist: „Es gibt nichts Schlimmeres als einen Kaufmann, der nicht liefern kann.“

15 bis 20 Minuten Brenndauer

Ofen-Anzünder gibt es etliche auf dem Markt.  „Unseres Wissens nach macht das in Deutschland niemand so wie wir, „sagt Alexander Teise. „Nämlich aus Recycling-Wachs. Natürlich gibt es günstigere Anzünder, aber die brennen nicht so lang.“ 15 bis 20 Minuten Brenndauer verspricht er und bis auf Asche-Rückstände eine restlose Verbrennung.

Mittlerweile kommen die Kunden auf den Märkten nicht nur zum Anzünder kaufen, sondern auch um Wachs abzugeben. „Manchmal fahren wir von Märkten mit mehr Ware zurück als wir hingekommen sind“, lacht Alexander Teise. Aus ganz Deutschland schicken ihm Menschen ihre Reste. Ab 25 Kilo übernimmt Teise das Porto. 

Wenn er selbst auf Tour geht um seine Tonnen auf den umliegenden Wertstoffhöfen zu leeren, kommen schnell 150 Kilo Wachs zusammen. „Nach Weihnachten und Ostern ist es besonders viel“, sagt er. Eine ehrenamtliche Sammlerin unterstützt den Familien-Betrieb. Sie bekommt eine Aufwands-Entschädigung, die sie an ein Kinder-Hospiz spendet.

Großer Traum

Für seine kleinen Anzünder hat Alexander Teise einen großen Traum: Eine neue Produktionshalle. Solarbetrieben. Mit solarbetriebener Wachsschmelzerei und Spänebunker. Seine Lebensgefährtin schmunzelt ein wenig, wenn er von seinen Plänen erzählt, aber Alexander Teise ist überzeugt: „Mit dem richtigen Investor könnten wir daraus einen Millionen-Betrieb machen.“ Für sein Produkt ist er eben Feuer und Flamme.

Mit der Oldtimer-Feuerwehr zum Verkauf

Seit 2008 gibt es Feuer-Flott. 2011 verkauften Alexander Teise und seine Lebensgefährtin Sabine Stehle ihre Öko-Anzünder erstmals auf einem Adventsmarkt. 2018 waren es 20 Markttage. Ein Opel Blitz-Feuerwehrauto Baujahr 1973 dient als Marktstand: 80 PS, 27.000 Kilometer und für Teises Zwecke umgebaut. Eine Tankfüllung reicht für alle Fahrten zu den Märkten. Viele Kunden wollen nicht nur Anzünder, sondern auch gleich den Oldtimer erwerben. Ein Ford Transit Baujahr 1960 ist demnächst bereit für Markteinsätze.

Mehr Infos gibt es unter www.feuerflott.com 

Julia Rizzolo

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