Eine Lobby für die Schlösser

16. Mai 2019
Nicht jedes deutsche Schloss ist so gut in Schuss wie das in Sigmaringen. Das will der Schlösserverein ändern. Foto: Uli Landthaler

Am Wochenende war das Sigmaringer Hohenzollernschloss Zentrum der Schlösser-, Burgen-, Kloster- und Gartenwelt. Unter dem Titel „Vom Nutzen und Wert der Besucherdenkmale“ tagten die 56 Mitglieder des Vereins Schlösser und Gärten in Deutschland gemeinsam mit Partnern aus Verwaltung und Politik zum aktuellen Stand und der Zukunft des bauwerklichen Kulturerbes Deutschlands.

Sigmaringen – Die Schloss-Experten sprachen über die Lage der deutschen Schlösserwelt. Es ging nicht nur die Möglichkeiten zum materiellen Erhalt des Kulturerbes, sondern vor allem um die Öffentlichkeitsarbeit, die aufwendiger  werden soll. „Ihren Wert als Zeitzeugen zeigen unsere Schlösser, Burgen und historische Gärten auch als Orte der Bildung und Forschung“, erklärte Michael Hörmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten in Baden Württemberg. Schlösser wie jenes in Sigmaringen leisten ihren Beitrag zur touristischen Entwicklung und sind „Ankerpunkte des Heimatempfindens“.

Und sie brauchen zahlende Besucher. „Die Besucherzahl bildet sich aus dem Bekanntheitsgrad der Schlösser, Burgen und Gärten sowie deren Akzeptanz in der Gesellschaft“. Um den Kulturdenkmälern nicht gleichgültig gegenüberzutreten, müsse die Öffentlichkeit vertieft über deren Sinn und Nutzen aufgeklärt werden. „Wächst man mit Kulturdenkmälern in der Umgebung auf, ist an den Anblick und ihre Existenz gewohnt, nimmt man diese als solche gar nicht mehr wahr. Sie werden auf erhaltsgefährdende Weise selbstverständlich“, bemerkte Hörmann. 

Allein von privater Seite könne der Verein die Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit allerdings nicht leisten, so Fürst von Sayn-Wittgenstein-Sayn, der stellvertretende Vereinsvorsitzende. Er wies darauf hin, dass ein großer Teil der landesherrschaftlichen Besitztümer nach Abdanken des Schlossherrn in Staatsbesitz übergeleitet worden sei. So seien Zerwürfnisse entstanden, die es erschwert haben, die Objekte auch für die nächsten Generationen zu erhalten oder weiter bekanntzumachen. Um dem entgegenzuwirken, habe der Verein einen Schulterschluss zwischen privaten und öffentlichen Besitzern erreicht. „Und damit wir diese Werte erhalten können, investiert das Land jährlich rund 20 Millionen Euro in die Bau- und Gartendenkmäler“, ergänzte Finanzstaatssekretärin Gisela Splett.

Der Schein trügt 

„Unser Schloss in Sigmaringen, selbst Vereins-Mitgliedsschloss, ist ein Beispiel eines gut erhaltenen Bauwerks“, so Sayn-Wittgenstein-Sayn. „Sigmaringen ist diesbezüglich kein Kleinod, sondern ein Großod“, fügte Hörmann hinzu. 

Bei vielen anderen Schlössern trüge allerdings der Schein, so Hörmann. „Die baulichen Fassaden und damit Möglichkeiten der Erforschung unserer Vergangenheit bröckeln.“ Dies erkenne der Laie mit bloßen Auge nicht. „Zerfallen unsere Schlösser, zerfällt Erkenntnis“, so Hörmann weiter. 

Nicht besser sehe es mit den denkmalwürdigen Gärten aus. Klimawandel und Generationenwechsel im breitflächigen Bereich der Gartenverantwortlichen verlange Veränderungen in der Pflege der Anlagen und entsprechende Schulungen.  

Aus den Ergebnissen soll jetzt ein Sigmaringer Positionspapier erarbeitet werden. Es soll nicht nur die Situation der Bauwerke zusammenfassen, sondern den Startschuss geben, in Deutschland  die Zukunft der Schlösser zu sichern.              

Christina Benz

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren