Die seltsame App in der Hosentasche

Die seltsame App in der Hosentasche
Wolfgang Trepper nahm auch die Banker ins Visier Foto: Christina Benz
11. April 2019

Als Gast der Volks- und Raiffeisenbanken kannte Kabarettist Wolfgang Trepper keine Gnade: Auch die App „Hosentaschen-Anlagenberater“ wurde von ihm beim Auftritt in der Mengener Ablachhalle vor 800 Leuten bissig bewertet. Die soll den Kunden mittels weniger Klicks und einem Fragenkatalog über das Symbol einer Glühbirne zu den passenden Anlagemöglichkeit lotsen. „Heute fragt mich eine Glühbirne, wo ich mein Geld anlegen möchte, früher ging man dazu zu Herrn Dittkes. Der saß in der Volksbank von seiner Ausbildung bis zur Rente am gleichen Schalter“. 

Auch der Lapsus von VR-Sprecher Karl Springindschmitten, die Banken haben Steuern in Höhe von sechs Milliarden statt Millionen entrichtet, blieb vom kabarettistischen Freund polteriger Worte nicht unkommentiert: „Sechs Milliarden Euro Steuern? Da hätte man Finanzminister Olaf Scholz zum Würstchenverkauf hier vor der Halle zwingen können.“ 

Spaß mit Kante 

Und weiter ging es mit scharfkantige Pointen. Manche Kinder sind so fett, dass man sie für einen Sitzsack hält.  Und um „Frauen aufzureißen, muss man heute nicht mehr nach Mallorca auf den Ballermann, sondern kann in Hannover an einer roten Ampel warten: Die kommen besoffen vorbeigefahren“. 

Da sei doch früher alles besser gewesen, wurde Trepper, den sonst nur wenige Themen entspannen, nachdenklich: Bei der Hitparade etwa, als man den Kassettenrecorder an den Lautsprecher des Fernsehers hielt, um die Musik aufzunehmen. „Keiner im Wohnzimmer durfte dann auch nur husten“. Trotzdem habe er auf jedem dritten Lied die Stimme des Vaters mitgeschnitten: „Nimmst du gerade auf, Bub?“ „Das war das Download unserer Jugend“. 

Erst zum Schluss kamen die etwas leiseren Töne: Menschenkenntnis habe er von seiner Großmutter erlernt. „Ich schaue einem Menschen in die Augen und weiß, ob er gerade nochmal ganz von vorne beginnen muss, um glücklich zu werden, wie es ihm geht oder ergangen ist.“ Und dafür gebe es eben keine App.

Christina Benz

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