Der arme böse Schwarze Vere

Der arme böse Schwarze Vere
Ob Vere oder Veri: Gerhard Fetscher aus Ostrach ist mit der größte Kenner des legendären Räuperhauptmanns. In seinem Heimatort hat er die Vere-Austellung gestaltet Foto: Uli Herzog
28. Februar 2019

Er hatte es nicht leicht in seinem kurzen Leben: Xaver Hohenleitner, der schwarze Veri (oder Vere), war eine gespaltene Persönlichkeit. Sein Tod durch Blitzschlag 1819 im Gefängnis im Ehinger Tor in Biberach machte ihn zum Mythos. War er wirklich der bösartige Räuber oder nur eine arme, bedauernswerte Kreatur, der von der Zeit übel mitgespielt wurde? Wir fragten  den Veri-Experten  Gerhard Fetscher, Gestalter der Schwarz Veri Ausstellung im Ostracher Heimatmuseum.

Herr Fetscher, war Xaver Hohenleiter ein Räuber, gar ein Mörder?

Gerhard Fetscher: Die Bewaffnung der Bande des Schwarzen Veri war eher bescheiden: Jeder besaß den obligaten Knotenstock, der unten mit Blei ausgegossen war. Der Condeer Joseph Anton Jung hatte ein verrostetes Gewehr, Fidelis Sohm ein Terzerol, Friedrich Klump eine Pistole und Ulrich Hohenleiter noch dazu ein Stilett. Innerhalb der Bande herrschte ein strenges Regiment: Es durfte nur auf Befehl des Schwarzen Veri geschossen werden, und zwar nur zur Abschreckung bei einer Verfolgung und nur auf die Füße. Damit ist klar, dass sich in der Bande des Schwarzen Vere keine Mörder befanden.

Aber: Am 4. April 1819, also am Palmsonntag, sind der Schwarze Vere, der Condeer, Fidelis Sohm, der Urle Ulrich Hohenleiter und Friedrich Klump im Hof Argenhardt bei Tettnang eingebrochen und haben die 55-jährige Witwe Schmid schwer misshandelt und gefesselt im Keller zurück gelassen, weil die Räuber bei ihr einen Geldbetrag von 500 fl (heute etwa 20 000 Euro) vermutet haben. Körperlich gezeichnet und traumatisiert stirbt die Frau drei Monate später. 

War Hohenleitner in seinem Verlies in Biberach schon verurteilt oder saß er noch in Untersuchungshaft? 

Am 16. April 1819 nahm der gräflich Königseggsche Forstpraktikant Heinrich Langen mit weiteren Helfern den Schwarzen Veri Xaver Hohenleitner und den Schönen Fritz Friedrich Klump in der Nähe der Laubbacher Mühle fest. Nach einer Nacht in Königseggwald wurden die beiden am nächsten Tag im Oberamtsgericht in Saulgau einem ersten Verhör unterzogen und dann zur Untersuchungshaft nach Biberach überstellt. Die Untersuchung von 73 in Biberach inhaftierten Räubern begann am 22. Mai 1819 und dauerte volle zwei Jahre. Im Mai und Juni 1921 wurden die Verurteilten an ihre Straforte geschafft. Damit ist klar, dass sich der Schwarze Veri bei seinem legendären Tod noch in U-Haft befand.

Wie hieß er nun, Veri oder Vere?

Meine älteste Quelle ist der „Steckbrief des dahier in Verhaft befindlichen Xaver Hohenleitner vulgo Schwarzer Veri von Rommelsried k. b. Landgerichts Zußmarshausen … ausgezogen aus den Akten den 3. Juni 1819“. Johann Baptist Pflug (1785-1866), ein Zeitgenosse des Räubers, bezeichnet ihn auf den Bildtiteln seiner in den 1820er Jahren gemalten Bildern ebenfalls als „Schwarzer Veri“. Auch für Max Planck, der sich in seinem Buch „Die letzten Räuberbanden in Oberschwaben in den Jahren 1818-19“ von 1866 auf Gerichtsakten und Aufzeichnungen von Pflug bezieht, ist er der „Schwarze Veri“. Die Aktenlage ist also eindeutig und auch verständlich, da sein Geburtsort in Bayern liegt. Da seine Aktivitäten sich im Wesentlichen in Oberschwaben abgespielt haben und sein bevorzugter Ruheplatz sich auf der Gemarkung Ostrach befand, haben wir in Ostrach uns entschieden, die schwäbische Abkürzung für Xaver, nämlich Vere zu wählen. Für uns ist er der „Schwarze Vere“.

• Das Heimatmuseum im Alten  Amtshaus in der Rentamtstraße 1 in Ostrach hat jeden ersten Sonntag im Montag von 14-17 Uhr (und nach Vereinbarung unter Tel: 07585 300-44) geöffnet. www.ostrach.de/museen                                               

Uli Herzog

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