Das Campus-Training

Das Campus-Training
Ein Korb für den Minister – und der gab Lob zurück: Mario Angelo Marani überreichte Manne Lucha, Landrätin Stefanie Bürkle und Meßkircher Bürgermeister Arne Zwick ein selbstgemachtes Gastgeschenk Christina Benz
23. August 2018

Seit 30 Jahren hilft der Pfullendorfer Verein „Werkstättle“ Menschen, die von Ausgrenzung betroffenen sind. Es gibt  eine hauseigenen Druckerei und die Klosterbaustelle Campus Galli mit außergewöhnlichen Arbeitsplätzen.Im Meßkircher Campus Galli bauen in den nächsten 100 Jahren Ehrenamtliche und Handwerker mit den Möglichkeiten des 9. Jahrhunderts eine Klosterstadt auf. Unter dem Motto „Hilfe, die passt“, setzt Rüdiger Semet, Vorsitzender des Werkstättle-Vereins, einige seiner Klienten auf der mittelalterlichen Baustelle ein. „Wo sonst erlernt jemand auf diesem Wege mittelalterliche Fähigkeiten und wird später sogar vielleicht noch übernommen?“Die Arbeitsplätze im Campus Galli sind auf sechs bis zwölf Monate ausgelegt und vom Europäischen Sozialfonds und der Arbeitsagentur gefördert. Es sei ein besonderer Arbeitsplatz, der zu außergewöhnlichen Charakteren passe, sagt Semet, der die Leute etwa beim Korbflechten, der Schindelherstellung oder als Steinmetz einsetzt. „Das sind Menschen, die durch gesundheitlichen Probleme, psychische oder physische Belastungen oder Schicksalsschläge aus dem Arbeitsalltag herausgefallen sind“. Jürgen Mädler etwa hat in den vergangenen sechs Jahren auf der Baustelle als Schindelmacher fast 50 000 der hölzernen Platten per Hand hergestellt. Und der ehemalige Gipser und Stukkateur Mario Angelo Marani, der krankheitsbedingt auf Hartz IV angewiesen war, kam ebenfalls über das Werkstättle zum Campus Galli. Heute ist er als Korbmacher und für andere Aufgaben aus seinem Grundberuf tätig. „Ich wollte nicht untätig zu Hause herumhocken“, erzählt er. „Hier wird man gebraucht, tauscht sich aus und pflegt soziale Kontakte.“ Und während die Steinmetze Jens Lautenschlager und Philipp Dreyer Steine für den Obstgarten und Friedhof herstellen, verputzen hinter der Werkstatt Freiwillige eine Mauer. Auch der Austausch mit Besuchern, die sich für die Arbeit der Handwerker interessieren, bringt neues Selbstbewusstsein. Das Campus Galli-Training bringt eine  Anschlussperspektive im Berufsleben. „Manche arbeiten sich tatsächlich vom Arbeiter zum Leiter ihrer eigenen Werkstatt hoch. Das ist auch für uns ein Erfolgserlebnis. Bei anderen geht der Knopf einfach nicht auf, das gibt es auch“, berichtet Semet, der jüngst dem baden-württembergischen Sozialminister  Manne Lucha das Werkstättle vorstellte. Und Lucha lobte: „Ich bin beeindruckt, auf welche Weise Menschen hier Fuß gefasst haben. Das Ganze ist komplex im Denken und einfach in der Umsetzung“. Kein Wunder, das Werkstättle schwang schon den Hammer, als gerade der Grundstein gelegt war: „Wir waren unfreiwillige Geburtshelfer der Baustelle“, erinnert sich Semet. „Die Genehmigung war noch nicht unterzeichnet, da begannen wir hier schon zu bauen und hielten Campus Galli ein Jahr die Fahne hoch, bis alles offiziell war. Wir gehören zum Urgestein.“ Das soll auch 2019 so bleiben.                       Christina Benz

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