Bienenstockluftschnüffeln als Therapie

13. August 2019
Gar nicht so schlimm: Die Bienen bleiben in ihrem Stock, die Autorin entspannt Foto: CB

Vor zehn Jahren wurde die Idee irgendwo im Oberschwäbischen geboren: Sich eine Atemmaske aufsetzen, einen Schlauch mit einer Bienenkiste verbinden und Bienenstockluftschnüffeln – das soll gesund sein. Seither haben sich immer mehr biozertifizierte Imker angeschlossen, die diesen Teil der Apitherapie anbieten. Franz Jung ist einer von ihnen. Das WOCHENBLATT hat‘s ausprobiert.

Fronhofen – Ob Honig, Pollen, Propolis oder Bienengift, die Produkte von Bienen gelten als natürliche Heilmittel. Befürworter sprechen von der Apitherapie. Apis ist der griechische Begriff für Biene. Nun soll selbst die Luft der Insekten heilsam sein. 

Gesundes Schnüffeln

Imker Franz Jung aus Fronhofen bietet das „Stockluftschnüffeln“ an. Bei der Behandlung atmet der Patient über eine Maske die etwa 35 Grad feuchtwarme Luft aus dem Bienenstock ein. „Die darin enthaltenen ätherischen Öle und Pflanzenstoffe wirken antibakteriell und beruhigend auf die oberen Atemwege“, so Jung.

Die Gesamtluft macht‘s

Es sei die Gesamtzusammenstellung im Stock, die ihre Wirkung entfalte. „Deshalb wirkt die Therapie besonders bei Patienten mit Bronchialerkrankungen, Pollenallergiekern oder zur Entspannung. Jung sieht die Sache auch kritisch: „Einerseits sind es die Inhaltsstoffe, die wirken, vor allem die Entspannung in ländlicher Umgebung.“ Aber auch die Biene muss sich als geflügelter Therapeut wohlfühlen: „Im Mai entströmt den Stöcken ein beinahe erhabener Geruch“. Es stimmt: Mein tiefer Atemzug durch die Maske transportiert Erinnerungen an Kindheits-Weihnachten, Wärme von Mutters Brustwickeln bei Erkältungen oder auch ein Gefühl von unberührter Natur. Ich lehne mich auf dem Holzstuhl zurück, genieße die dämmerige Sommerwärme der Holzhütte. In ihren Kästen geben die summenden Miniärzte sich alle Mühe. Ein großer, von Jung applizierter Ventilator hilft mit, die Stockluft zirkulieren zu lassen.

Luft, nicht Bienen einatmen

Zwar ist der Bienenkasten zum Nutzer hin ein geschlossenes System, eine Restanspannung bleibt: „Kann man die Bienen aus Versehen einatmen?“, frage ich. „Nein, der Schlauch ist durch Gitter gesichert“, versichert er. 25 Minuten Inhalation sind die Regel, fünf Sitzungen kosten 30 Euro. Das Schnupperangebot von 10 Minuten ist gratis. Auch Jung fühlt sich mit seinem Angebot wohl: „Es entstehen Dialoge und Bekanntschaften.“ Mehr wissenschaftliche Begleitung wünsche er sich denooch. Aber dafür fehlen wohl die Gelder“, so Jung. Weitere Infos gbit es unter www.biolandimkerei-altewerkstatt.de

Christina Benz

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren