Ausstellung: Hilfe für wehrlose Frauen

14. März 2019
Doris Gaißmaier hat mit dem Frauenforum das Veranstaltungsprogramm zur Frauenwoche organisiert Foto: Christina Benz

Die Plakatausstellung „Standpunkte gegen Gewalt“ in der Stadtbücherei Bad Saulgau soll den Sinn der Betrachter für das Thema häusliche Gewalt schärfen. Diplompädagogin Bettina Häberle von der Beratungsstelle für häusliche Gewalt in Sigmaringen kennt das Thema.

Bad Saulgau – „Für viele Frauen sind häusliche Gewalttaten derart traumatisierend, dass sie ein Leben lang psychisch unter den Folgen leiden“, erzählt Bettina Häberle. Es könne Jahre dauern, bis Betroffene fähig sind, ihren Therapeuten und vor allem sich selbst Glauben zu schenken, dass sie nicht unter einer psychischen Erkrankung leiden, sondern der Täter nicht gelernt habe, Konflikte zu lösen.

Häberle: „Neben Depressionen und Panikattacken treten auf Gewalterfahrung häufig auch psychosomatische Folgeleiden auf, wie Magenschmerzen, Rückenschmerzen, Migräne oder Herzrhythmusstörungen.“ 

Kreislauf der Gewalt

Dass es überhaupt so weit kommt, bedarf es einer perfiden Vorarbeit des Täters: „In vielen Fällen überträgt der gewalttätige Partner die Schuld für seine Gewaltausbrüche auf die Frau, die sich in seinen Augen falsch verhalten oder ihn provoziert hat“, so Häberle. Durch diese subtile Beeinflussung begibt sich die Frau in eine Opferhaltung, in der sie seelisch zerbrechen und wehrlos werden kann. „Und zumeist findet dies im gemeinsamen Zuhause statt“, sagt Häberle. Dort, wo man sich eigentlich geschützt und geborgen fühlen sollte.

„Oft beginnt der Gewaltkreislauf über psychische Gewalt“, erklärt Häberle. Psychische Gewalt ist schwer nachzuweisen und oft nach außen nicht sichtbar. Blaue Flecken auf dem Körper sind erkennbar, die blauen Flecken auf der Seele bleiben unsichtbar. Schon an dieser Stelle sollte sich eine betroffene Frau jedoch Hilfe holen: „Es ist wichtig, seinem Bauchgefühl Glauben zu schenken, wenn es einem mitteilt, dass irgendetwas mit dem Mann nicht stimmt“, rät Häberle.

Denn häusliche Gewalt beginne häufig mit Beleidigungen, die zu Demütigungen ausarten. Passive Aggressivität nennt man in der Psychologie eine Handlungsweise, die sich zum Beispiel in tagelangem Anschweigen des Partners schon nach der geringsten alltäglichen Diskussion ausdrückt – und den Partner als konfliktinstabil zeigt. „Bei Gewalt, ob körperlicher oder psychischer, ob Schlagen, Schreien oder passiv-aggressivem Schweigen, geht es immer um Macht und Kontrolle und um das stetige Sinken der Hemmschwelle“, sagt Häberle.

Schutz im Frauenhaus

Häusliche Gewalt hat viele Gesichter und ist nicht weit weg, wie die Ausstellung zeigt. Es liegt nicht lange zurück, dass in Hoßkirch ein Mann seine Frau erwürgt, ihre Leiche auf den Beifahrersitz ihres Autos gesetzt und einen Unfall fingiert hat. Warum hat sich die Frau nicht zuvor Hilfe geholt? Warum hat niemand eingegriffen? „Noch immer ist das Thema ‚häusliche Gewalt‘ schambesetzt“, sagt Bettina  Häberle. Annähernd  90 Frauen wenden sich jährlich an die Sigmaringer Beratungsstelle, aber es gibt auch eine Dunkelziffer. Jede vierte Frau, so die Statistiken, sei schon mit Gewalt in Berührung gekommen oder davon betroffen. Wie reagiert die Beratungsstelle im Ernstfall? „Wir suchen erste Schutzmöglichkeiten für die Frau, bei Verwandten, Freunden oder im Frauenhaus“. Es gebe auch die rechtliche Möglichkeit, den Täter aus dem Haus zu weisen, „sie wird leider nicht häufig genutzt.“

Zuhause könne es helfen, mit Nachbarn ein Notsignal als Aufforderung zum Eingreifen zu verabreden. „Auf jeden Fall sollen Betroffene“, so Häberle, „die körperlichen Übergriffe vom Hausarzt dokumentieren lassen und sich Hilfe suchen.“ 

• Mit der Beratungsstelle für häusliche Gewalt kann unter Tel: 07571 / 73 01 10 Kontakt aufgenommen werden. Unter Tel: 08000/11 60 16 ist das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ rund um die Uhr zu erreichen. Die Telefonnummer des Sigmaringer Frauenhauses lautet 07571 / 68 89 414.

 

Heute Podiumsgespräch

34 Einrichtungen aus dem Landkreis Sigmaringen zeigen mit mehr als 45 selbstentworfenen Plakaten ihre „Standpunkte gegen Gewalt“, eine Kampagne gegen häusliche Gewalt des Caritasverbandes Sigmaringen. Eine Auswahl der Arbeiten stellt die Stadtbibliothek Bad Saulgau bis Ende März aus. Das Frauenforum Bad Saulgau bildet im Rahmen seiner 25. Frauenwoche auf seinem Plakat blumengeschmückte Frauenfüße als „Botschaft der Friedfertigkeit“ ab, wie Doris Gaissmayer vom Frauenforum erklärt. Im Rahmen der Frauenwoche findet am heutigen Donnerstag, 14. März, um 19 Uhr im Katholischen Gemeindehaus ein Podiumsgespräch mit Bettina Häberle und einer betroffenen Frau sowie weiteren Fachleuten  statt. 
Weitere Infos unter www.frauenforum-bad-saulgau.de, unter www.caritas-sigmaringen.de und unter www.landkreis-sigmaringen.de.

Christina Benz

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