Anstoß im Roten Ochsen

19. Juni 2019
Otto-Karl Linder an der Vitrine: Auch die WM-Schuhe von 1954 haben etwas mit Mengen zu tun – die Stollen. Foto: Christina Benz

Zum 100-jährigen Bestehen taucht der FC Mengen mit einer Ausstellung in die bewegte Fußballgeschichte der Stadt ein. Vorsitzender Otto-Karl Linder und seine Mitstreiter kramten in Archiven und auf Dachböden und lieferten spannende Highlights für die Vitrinen des Stadtmuseums Alte Posthalterei. Am Samstag ist Jubiläumsspiel gegen Zweitligist Heidenheim.

Mengen – Ein Jahrhundert ist vergangen, seit Fußballbegeisterte Mengener im damaligen Gasthof Hirsch den Entschluss fassten, einen Fußballverein zu gründen. Am 13. Juni 1919 wurde unter dem Gründervater Gottfried Beller der Fußballclub FC Mengen aus der Taufe gehoben.

„Seither ist viel passiert, nicht nur in sportlicher Hinsicht“, so Vorsitzender Otto-Karl Linder zur Geschichte des FC Mengen, die Wände, Tische und Vitrinen der Alten Posthalterei bestückt.

„Mit Hilfe von Ehemaligen, Sammlern und dem Fundus des Fußballclubs konnten wir eine Fülle an Fotos, Anekdoten, Fanpost, Dankesschreiben und Dokumenten aus allen Epochen zusammentragen“, freut er sich.

Vereinslokal ist wichtig

Bei der Führung durch die Ausstellung erzählt Linder etwa, dass der „Hirsch“ das Gründungslokal, der „Rote Ochse“ aber das Vereinslokal gewesen sei. „Und darauf legte der damalige Wirt Karl Blank wert“. So sehr, dass er das Beibehalten des Vereinslokals zur Bedingung machte, dem FC Mengen zu einem Preis von 6000 Reichsmark ein Grundstück für einen Sportplatz zu verkaufen, berichtet Linder.

Solche Geschichten entdeckte Linder bei seiner Suche nach geeigneten Exponaten – und noch weitere: Wie eine Krise den Verein beinahe zerbrochen hatte, der dann durch Karl Bleicher doch noch gerettet werden konnte, den zweideutigen Brief einer lebenslustigen Spielerfrau, aber auch Dachbodenfunde wie alte Pokale. „Ein Juwel der Ausstellung ist das Protokollbuch von 1919, in dem der erste Schriftführer des Vereins die Gründungsversammlung dokumentiert und bis 1939 jede einzelne weitere Versammlung akribisch beschrieben hat“. In Sütterlinschrift liegen Seitenkopien daraus neben dem Originalbuch unter Glas. „Es ist zu kostbar, um darin blättern zu lassen“.

Die Ausstellung führt weiter vorbei an Fahnen und Trikots, dem Spielerpass von Xaver Fruh, der bebilderten Vereinskarriere von Karl Bleicher und Liederbüchern mit selbstgedichteten Gesangsstücken und der Hymne des Vereins bis zum nächsten Highlight in einer Vitrine. „Das sind die schraubbaren Stollen für Fußballschuhe, entstanden aus dem gemeinsamen Erfi ndungsreichtum von Adidas-Gründer Adi Dassler und dem damaligen Geschäftsführer der Firma Schlösser“, so Linder. „Durch die Ausrüstung der Fußballschuhe mit den Stollen konnte die deutsche Nationalmannschaft 1954 in Bern die Weltmeisterschaft trittsicher gewinnen“, so Linder stolz. Das sogenannte „Wunder von Bern“ fi ndet seinen Ursprung also auch in Mengen.

Die Ausstellung ist bis zum 23. Juni, jeweils Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Infos unter www.mengen.de

• Am Samstag, 22. Juni, kommt Zweitligist FC Heidenheim zum Freundschaftsspiel nach Mengen. Anstoß ist um 16 Uhr. Mehr auf unserer Sonderseite.

Christina Benz

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