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Brückenbau ist Millimeterarbeit

Brückenbau ist Millimeterarbeit
Die neue und die alte Brücke (re.) überspannten am Mittwochnachmittag noch gemeinsam die Obere Argen am Herzmannser Weg. Doch schon zum Ende der Woche war auch das letzte Stahlbrückenteil demontiert (Fotos: Viola Krauss)

Ein ungewöhnliches Bild: Derzeit stehen noch zwei Brücken an der Oberen Argen in Wangen. Parallel zum rund 150 Jahre alten Bauwerk hat die Deutsche Bahn das neue seit Sommer 2019 errichten lassen. Die alte Brücke wird nun Stück für Stück abgebaut, damit die neue, 116-Meter lange, an ihre Stelle verschoben werden kann.

Wangen – Mit den vier Stahlbrückenteilen des alten Bauwerks hat der Abbau am Mittwoch begonnen. Zwei große Autokräne hoben von der Südseite her die bis zu 140 Tonnen schweren Stahlträger aus. Anschließend werden die drei Brückenpfeiler abgetragen. Im nächsten Schritt müssen Bohrpfähle gesetzt und Fundamente für die neuen Wiederlager und Brückenpfeiler errichtet werden. 

Brücke wird millimeterweise verschoben

Anfang März wird es dann soweit sein, dass die neue Brücke millimeterweise verschoben wird – genau an die Stelle, an der bisher das alte Bauwerk stand. (das WOCHENBLATT berichtete bereits mehrfach). Bis Ende März wird die DB neue Gleise auf der Brücke verlegen, die Oberleitung installieren und die Schallschutzmaßnahmen fertigstellen. Denn ab 30. März 2020 soll der Zugverkehr durch Wangen wieder aufgenommen werden. 

Dafür muss alles zeitlich passen, denn an der Trasse selbst kann nur gearbeitet werden, wenn die Strecke gesperrt ist. Bereits 2019 gab es bis in den Oktober der Fall eine Sperrung und ist nun seit vergangen Samstag wieder. Momentan liegt das Großprojekt im geplanten Rahmen – und zwar zeitlich wie finanziell. Die in Sachsen produzierten Stahlträger für die neue Brücke waren im vergangenen Jahr zwar verspätet angeliefert worden. Sie konnten dennoch im Herbst auf die Pfeiler aufgesetzt werden , so dass die Brücke bis zum Jahreswechsel Gestalt angenommen hat.Finanziell geht man derzeit bei der Deutschen Bahn für den Brückenneubau über die Obere Argen von zehn Millionen Euro aus.

Ebenso wie im vergangenen August der Brückenneubau über die Lindauer Straße gehören die momentanen Bauarbeiten an der Oberen Argen, aber auch entlang der Bahntrasse im Stadtgebiet von Wangen  und in der Umgebung zum Ausbau der Allgäubahn. Sie wird elektrifiziert. Damit  soll  der  Zugverkehr zwischen München und Lindau beziehungsweise Zürich verbessert und vor allem beschleunigt werden. Ende 2020 sollen die ersten E-Loks durch die Region rollen.  Aufgrund der Bauarbeiten sind der Kanal- und der Herzmannser Weg zeitweise voll gesperrt.

Viola Krauss