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Zur Lage der Gastronomie – Interview mit Michael Steiger

Zur Lage der Gastronomie – Interview mit Michael Steiger
Michael Steiger, Themenmanager bei der IHK Schwarzwald-Baar. (Bild: IHK)

Nahezu alle Wirtschaftsbereiche leiden derzeit unter der Corona-Pandemie, so natürlich auch die Gastronomiebetriebe. Daher fragte das Wochenblatt bei Michael Steiger, zuständiger Themenmanager bei der IHK Schwarzwald-Baar, zu dem Thema nach.Wie ist ihre ehrliche Bestandsaufnahme der Situation der Betriebe im Tourismus und der Gastronomie im Donaubergland und im Landkreis Tuttlingen?

1. Wie ist ihre ehrliche Bestandsaufnahme der Situation der Betriebe im Tourismus und der Gastronomie im Donaubergland und im Landkreis Tuttlingen?

Die angeordnete und sicherlich auch notwendige Schließung von Betrieben hat zu massiven Verwerfungen im Tourismus und in der Gastronomie geführt. Das Ostergeschäft ist de facto komplett ausgefallen, Die Folge: Keine Einnahmen und massive Liquiditätsprobleme, stornierte Reservierungen und Bestellungen. Gut ist, dass die Sofort-Hilfe vom Land an den meisten Stellen sehr schnell geflossen ist. Gut ist ebenso, dass viele Gewerbevereine lokal vor Ort zusammengehalten und Liefer- und Abholservices initiiert haben.Was muss für Sie schnellstmöglich als Hilfe seitens der Landes- und der Bundesregierung geschehen?

2. Was muss für Sie schnellstmöglich als Hilfe seitens der Landes- und der Bundesregierung geschehen?

Das Wiederanfahren der Wirtschaft muss jetzt langsam in Gang kommen. So sollte Gastronomie und Hotellerie sukzessive und kontrolliert wieder aufmachen dürfen. Für die Tourismusbetriebe sollte die geplante Kundenentschädigung mit Gutscheinen vom Bund erlaubt werden, Betriebsausfallversicherungen müssen greifen. Außerdem sollten neben den Zuschüssen die Fördermittel durch die Banken auch kostengünstig kleineren Betrieben (unter 10 Mitarbeitern) ankommen. Das ist der Großteil der lokalen Gastronomen. Denn man muss auch die weiteren Folgen im Blick haben. Ohne eine finanziell stabile Gastronomie gibt es keine Ausbildung und somit schlechtere Chancen auf eine gute Nachfolgeregelung.Was ist für Sie ein realistisches Zeitfenster, dass der Inlandstourismus in der Region wieder anlaufen kann und unter welchen Rahmenbedingungen?

3. Was ist für Sie ein realistisches Zeitfenster, dass der Inlandstourismus in der Region wieder anlaufen kann und unter welchen Rahmenbedingungen?

Ich glaube, der Inlandstourismus wird mittelfristig einen absoluten Aufschwung erleben. Die Lust auf Fern-Reisen wird momentan bei vielen Bürgern aufgrund der Coronaausbreitung eher gering ausgeprägt sein. Wichtig ist, dass es bis dahin aber noch lokale Gastronomen und Betreiber von Freizeiteinrichtungen gibt. Dafür brauchen unsere Unternehmen nun eine echte Perspektive. Gleiches gilt beim Geschäftsreiseverkehr – eine ganz starke Säule der Gastwirtschaft im Landkreis Tuttlingen. Wenn sich die Lieferketten der Industrie wieder stärker regionalisieren, können lokale Gastronomen und Hoteliers vielleicht sogar davon profitieren.