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Zentrale Teststelle startet

Zentrale Teststelle startet
In den Räumlichkeiten des DLRG in Tuttlingen hat das CoronaVirus-Testzentrum des Landkreises seinen Raum gefunden. Erscheinen dürfen dort aber nur Bürger, die nach Rücksprache mit ihrem Hausarzt dort angemeldet wurden. (Bild: DLRG)

Tuttlingen – Noch gibt es, stand Redaktionsschluss Dienstag Abend, keinen bestätigten Fall von Corona im Landkreis Tuttlingen. Dennoch hat das Landratsamt bereits einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Mit den handelnden Personen sprach das WOCHENBLATT.

Wie beurteilen Sie stand jetzt die Situation rund um den Corona-Virus im Landkreis Tuttlingen?
Bernd Mager (Sozialdezernent Landratsamt Tuttlingen: Aktuell ist die Situation bei uns im Landkreis Tuttlingen vergleichsweise ruhig. Bis heute haben wir keinen bestätigten Corona-Fall und die von uns initiierten Maßnahmen greifen. Selbstverständlich können wir nicht ausschließen, dass sich die sehr dynamische Lage verschärfen kann.
Bis jetzt gibt es noch keinen einzigen bestätigten Fall. Worauf schließen Sie dies?
Dr. Siegfried Eichin (Leiter Gesundheitsamt): Bei unserer Analyse und Auswertung sind wir sehr gewissenhaft und folgen den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Bevor Patientinnen und Patienten getestet werden gehen dem ausführliche Gespräche voraus. Inzwischen wurden über 100 Personen getestet, davon waren einige Corona-Verdachtsfälle, weitere Testergebnisse befinden sich laufend in der Auswertung. Mit der zentral eingerichteten Corona-Teststelle, die am 10.03. ihren Betrieb aufgenommen hat, können wir nach Bedarf die Testungen erhöhen. Sollten sich die ersten Fälle positiv bestätigen, so sind wir vorbereitet.

Welche Handlungsanweisungen würden Sie dennoch weiterhin an die Bevölkerung geben??
Landrat Stephan Bär: Anweisungen als solche erteilen wir derzeit noch nicht. Grundsätzlich schließen wir uns den Empfehlungen der Bundes- und Landesregierung an und verweisen auf die aktuellen Meldungen. Wir empfehlen, wenn nicht zwingend erforderlich, sich von größeren Menschenansammlungen fern zu halten und sich bei akuten Symptomen umgehend telefonisch an die Haus- und Fachärzte zu wenden. Wir selbst werden eigene Veranstaltungen, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht zwingend notwendig sind, verschieben.

In den letzten Tagen gab es in vielen Läden bereits Engpässe bei Handdesinfektionsmitteln, Handwaschlotionen, Toilettenpapier und einigem weiteren Produkten. Befürchten Sie auch hier im Landkreis Hamsterkäufe und welche Empfehlung geht von Ihnen in Sachen Vorratshaltung an die Bevölkerung?
Landrat Stephan Bär: Es gibt keinen Anlass für Hamsterkäufe. Grundsätzlich gilt wie bei allem ein gesundes Maß walten zu lassen und sich ausreichend, aber nach dem tatsächlichen Bedarf zu bevorraten. Ungeachtet der Corona-Situation ist es ratsam, neben einer angemessenen Bevorratung, seine wichtigsten persönlichen Dokumente zentral griffbereit zu haben.

Um die Arbeit der niedergelassenen Ärzte zu erleichtern wurde nun ein Corona-Testzentrum eingerichtet. Was versprechen Sie sich davon?
Bernd Mager: Seit Dienstag ist das zentrale Corona-Testzentrum im Landkreis Tuttlingen in Betrieb. Vorerst werden in den Räumlichkeiten des DLRG in Tuttlingen zweimal wöchentlich Patienten zentral auf Covid 19 getestet. Dies hat den großen Vorteil, das Arztpraxen entlastet und die Gefahr von Ansteckungen in den Wartezimmern verhindert werden können. Darüber hinaus sind die Ärztinnen und Ärzte angehalten, ressourcenschonend mit der Schutzausrüstung umzugehen. In einem zentralen Testzentrum ist dies der Fall, da bei mehreren Patienten zugleich Proben mit der entsprechenden Schutzausrüstung genommen werden können. Bei Bedarf können wir die Schlagzahl auch erhöhen.

Darf dort jeder bei eigenen Bedenken bezüglich einer Infektion hin und sich testen lassen?
Siegfried Eichin: Nein, es ist nicht vorgesehen, dass Bürgerinnen und Bürger eigeninitiativ vor Ort erscheinen. Der in allen Landkreisen vorgegebene, strukturierte Prozess dient der Einschätzung und Priorisierung. Es ist unsere dringende Bitte, dass das bislang erfolgreich praktizierte Prozedere eingehalten wird. Wer sich in einem Risikogebiet aufgehalten oder Kontakt zu möglich Infizierten hatte und/oder über grippeähnliche Symptome verfügt, möge sich direkt an seinen Hausarzt wenden oder am Abend und an den Wochenenden an die 116 117. Ist es ganz akut, so ist der Klinikbesuch unabdingbar. Zudem besteht überdies die Möglichkeit telefonisch Kontakt mit unserem Gesundheitsamt über unsere zusätzliche Service-Hotline 07461 926 9999 aufzunehmen. Hier beraten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und vergeben die Termine im Einzelfall.

Wie schnell liegt so ein Testergebnis vor?
Siegfried Eichin: Ein Testergebnis kann in der Regel innerhalb von 48 Stunden vorliegen. Aufgrund der hohen Dichte an Testverfahren muss man aber sicherlich Verständnis haben, dass die Labore derzeit unter einem enormen Druck stehen. Ergebnisse können auch später eintreffen. So gibt es zusätzlich die Sicherheitsschleife der häuslichen Quarantäne.

Nun stehen in den kommenden Tagen und Wochen einige Messen und weitere Großereignisse an. Viele dieser Veranstaltungen, die hier auch sehr lokal begrenzt sind was das Publikum angeht, wurden in Nachbarlandkreisen trotz keinerlei bestätigtem Fall abgesagt. Welchen Rat geben Sie in dieser Hinsicht an die Veranstalter und an die Besucher?
Julia Hager (Pressesprecherin Landratsamt): Grundsätzlich gilt, dass Veranstaltungen vom Veranstalter abgesagt werden müssen. Jeder Veranstalter handelt hier eigenverantwortlich. Wir schließen uns auch hier der Bundes- und Landesregierung an und empfehlen, falls die Veranstaltung nicht zwingend erforderlich und damit verschiebbar ist, auf eine Durchführung zu verzichten. Wenn wir das Ansteckungsrisiko minimieren wollen kommen wir daran nicht vorbei, auf solche Veranstaltungen zu verzichten.

Viele Firmen hier im Landkreis agieren international. Welche Handlungsempfehlung geben Sie diesen?
Stephan Bär: Die gleichen wie jedem Bürger, aber wegen der internationalen Kontakte und Verflechtungen der Firmen mit einer besonderen Sensibilität. In der Tat teilen wir die Sorgen der Unternehmen in unserem Landkreis. Nicht zuletzt, weil der Landkreis Tuttlingen als Wirtschaftsstandort von einer gut funktionierenden Wirtschaft abhängig ist. Bis heute haben wir seitens der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern jedoch noch keine Unterstützungsanfragen erhalten. Wir gehen davon aus, dass die Kammern und Fachverbände hier im Schulterschluss mit ihren Betrieben nach geeigneten Lösungen suchen. Einzelne Betriebe wurden durch unser Gesundheitsamt beraten.

Sollte sich das Corona-Virus flächendeckend hier im Landkreis ausbreiten, welche Hilfestellung kann das Landratsamt den Firmen im Landkreis geben?
Stephan Bär: Die Entwicklung ist nach wie vor extrem dynamisch, fast jeden Tag kommen neue Empfehlungen und Maßnahmen. Wir tun sicher gut daran, uns auf weitere Einschränkungen vor zu bereiten. Wenn bestätigte Patienten, deren Kontaktpersonen oder auch weitere Verdachtsfälle isoliert oder zuhause bleiben müssen hat das natürlich auf das öffentliche Leben aber auch auf die Firmen Auswirkungen. Das wird sich nicht vermeiden lassen.