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Wenn Kunst den Griff zum Telefonhörer viel leichter macht

Wenn Kunst den Griff zum Telefonhörer viel leichter macht
Projektteilnehmerin Martina Höfler im Aesculap-Atelier im Bahnhof inmitten der Werke (Foto: Krause)

Sie kommen aus der Produktion, der Buchhaltung oder der Qualitätskontrolle, sind seit vielen Jahren oder Jahrzehnten schon Kollegen bei Aesculap. Doch einen wirklichen Kontakt gab es zwischen den 18 Teilnehmern des Kunstprojektes „Miteinander – Vielfalt – Gestalten“ nicht. Umso intensiver ist diesser nach der mehrmonatigen kreativen Auseinandersetzung mit sich selbst, seinen Ideen und den Kollegen geworden. „Einige kann ich inzwischen als Freunde bezeichnen“, bringt es Projektkünstlerin Martina Höfler auf den Punkt.

Tuttlingen – Mit 18 Teilnehmern startete der Kurs vor Monaten unter der Leitung von Künstler Tom Leonhardt und Kunsthistorikerin Dr. Anja Rudolf. Die beiden Profis wurden schnell zu Mentoren und engen Vertrauten der Aesculap-Mitarbeitern, als diese in ihrem Atelier im ersten Stock des Bahnhofs nach der Arbeit, in den Pausen und an Wochenenden den nicht immer leichten Weg zum eigenen künstlerischen Ich suchten. „Wir haben uns gerieben, wir haben auch mal gestritten aber wir waren immer füreinander da und haben sehr voneinander profitiert“, erzählt Teilnehmer Franz-Peter Firmbach.

So waren einzelne Kunstnovizen sicherer im Umgang mit Zeichenstift und bei Portraitzeichnungen, andere wiederum deutlich versierter und mutiger im Umgang und Einsatz von Farben. „Das waren einzigartige Erlebnisse, die uns alle intensiv miteinander verbunden haben. Da waren Gänsehautmomente dabei, wenn wir bei einem Werk den entscheidenden Schritt gemacht haben und uns sicher waren – jetzt haben wir es. Dieses tiefe Gefühl der Zufriedenheit, Bestätigung und Sicherheit, das sich dann eingestellt hat – das hat einem so viel gegeben“, erzählt Firmbach weiter.

Dieses Selbstbewusstsein, das alle Teilnehmer aus der intensiven Beschäftigung mit dem Thema „Vielfalt“, mit sich selbst und mit der Vielfalt des künstlerischen Ausdrucks herausgezogen haben, das hat sich auch auf den beruflichen Alltag übertragen. So berichtet Martina Höfler: „Früher habe ich mir lange Gedanken darüber gemacht, ob und wen ich bei einer Problemstellung um Hilfe bitten kann. Heute weiß ich, dass um Hilfe bitten kein Zeichen von Schwäche ist und greife viel leichter zum Telefonhörer und Frage einfach.“

Zum Selbstvertrauen beigetragen hat ohne Frage auch das Lob vieler Kollegen auf die Werke, die schon seit einiger Zeit in der Werkskantine ausgestellt werden. Deren Eindruck fasst Aesculap-Personalchef Dr. Jens von Lackum stellvertretend zusammen. „Ich war überwältigt und begeistert und kann mir gut vorstellen, dass wir das Projekt wiederholen werden.“

Sven Krause