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Stimmen aus der Wirtschaft und von Minister Wolf zum EU-Einreisetopp in die USA

Stimmen aus der Wirtschaft und von Minister Wolf zum EU-Einreisetopp in die USA
Guido Wolf MdL (Bild: Oliver Hofmann)

Tuttlingen – Es war wieder einer der berüchtigten präsidialen Alleingänge von Donald Trump. Der US-Präsident entschied ohne vorherige Konsultation mit den Entscheidern der Europäischen Union die Grenzen der Vereinigten Staaten für die Bürger der Mitgliedsländer des Schengener Abkommens für 30 Tage zu schließen. Nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie ein weiterer Rückschlag für die Firmen im Landkreis Tuttlingen, von denen viele Dependancen in den USA haben. Daher holte das Wochenblatt bei Vertretern einiger Firmen und bei Europaminister Guido Wolf Stimmen zur aktuellen Entwicklung ein.

Karl Storz: „Zum Schutz unserer Mitarbeiter haben wir bereits seit Ende Februar internationale Reisen und somit auch Reisen in die USA eingestellt. Das aktuelle Reiseverbot der US-Regierung hat somit keine zusätzlichen Auswirkungen für KARL STORZ. Durch einen weiterhin gut funktionierenden Warenverkehr und dank unserer Vertriebsniederlassung in den USA sind wir darüber hinaus gut aufgestellt, Kliniken und Ärzte weiterhin optimal mit unseren Produkten zu versorgen“, so Regina Stern, Leitung KARL STORZ Unternehmenskommunikation.

Aesculap: „Wie Sie wissen, wurden im Unternehmen Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der Mitarbeiterinnen und unserer Gäste getroffen. Aktuell sind keine Dienstreisen zwischen B. Braun-Standorten untereinander oder zu Dritten erlaubt, wenn diese nicht notwendig zum Erhalt der Produktion, der Versorgung von Kunden und Patienten, aus rechtlich/regulatorischen oder Corporate-Governance-Gründen durchgeführt werden müssen. Für die Mobilität unserer Mitarbeiterinnen ergibt sich daher durch den US-Einreisestopp zum jetzigen Zeitpunkt keine Veränderung. Wir nutzen verstärkt virtuelle Meetings, vor allem wenn sie standort- und werksübergreifend sind“, verlautet es aus der Unternehmenkommunikation von B. Braun Aescukap

Anton Häring: „Wir sehen aktuell nur wenige Einschränkungen, die uns durch das Einreiseverbot in die USA entstehen, denn wir sind technisch gut organisiert und können Konferenzen auch online abhalten und durch unser Aus- und Weiterbildungskonzept arbeiten wir nicht mit Expats. Darüber hinaus gilt für unser Internationales Trainee Programm: Beim internationalen Trainee-Programm durchlaufen Mitarbeiter aus den Tochterwerken eine mehrjährige Ausbildung in Deutschland. Dabei verbringen die internationalen Nachwuchskräfte mindestens drei Jahre am Stammsitz in Bubsheim, um die Unternehmensphilosophie und Arbeitsweise kennenzulernen und diese bei ihrer Rückkehr umzusetzen. Die Trainees absolvieren einen Rundgang durch die Akademie und durch verschiedene Abteilungen in der Produktion oder Verwaltung. Dadurch wird nicht nur ein einheitlicher Wissensstand an allen Standorten sichergestellt, es wird auch das Konzept einer autarken und jeweils lokalen Führungsmannschaft ohne Expats an allen Standorten verfolgt. Die Managementsprache im Konzern ist Deutsch, weshalb die Trainees und auch die Mitarbeiter an den Standorten Deutschunterricht durch eigens angestellte Lehrer erhalten“, so Unternehmenssprechern Ramona Leibold.

Guido Wolf. Europaminister Baden-Württembergs:
Wie beurteilen Sie das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump, Einreiseverbote gegen EU-Bürger zu verhängen als Europaminister?
Der Auftritt von Präsident Trump vor der Presse, mit dem er die Entscheidung für einen Einreisestopp für Reisende aus dem Schengenraum verkündet hat, hat bei vielen den Eindruck erweckt, dass es ihm auch darum geht, einen Sündenbock zu finden. Das mag auch dem US-Wahlkampf geschuldet sein, zuvor hat Trump die Coronakrise lange kleingeredet. In dieser Krise von weltweitem Ausmaß sollten alle Regierungen verantwortungsvoll handeln, sich eng miteinander austauschen und auf ihre Wortwahl achten.

Welche Auswirkungen befürchten Sie für die Wirtschaft im Landkreis Tuttlingen, die in vielen Fällen ja auch eigene Standorte in den USA unterhält?
Die Auswirkungen der Corona-Krise insgesamt werden leider zunächst beträchtlich sein. Es wird umfassende Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft benötigen, einerseits um zu überbrücken, aber auch, damit die Wirtschaft sich nach der Krise schnellstmöglich erholt.

Welche Reaktion seitens der EU, seitens der Bundesregierung würden Sie befürworten?
Die Kommissions-Präsidentin von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel haben ja bereits gestern reagiert. Sie kritisierten den Einreisestopp für Reisende aus dem Schengenraum vor allem, weil die US-Entscheidung für ein Reiseverbot ohne Absprache oder vorherige Information der EU erfolgt ist. Sie haben damit für die EU insgesamt gesprochen. Das ist auch gut. Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen, es geht aber nur gemeinsam.