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Mikrokosmos Lebenshilfe organisiert sich

Mikrokosmos Lebenshilfe organisiert sich
Cyra Scharnberger (Bild: Lebenshilfe)

Tuttlingen – Zur aktuellen Situation, wie die Corona-Pandemie eine soziale Einrichtung wie die Lebenshilfe Tuttlingen trifft, und wie diese Problematik einer Ausgangs- und Kontaktsperre innerhalb der Organisation geregelt wird, darüber sprach Lebenshilfe-Pressesprecherin Cyra Scharnberger mit dem Wochenblatt.

Sie haben in der Lebenshilfe einen ganz besonderen Sorgfaltsauftrag ihren Bewohnern gegenüber. Wie können sie diesem gerade gerecht werden?

Seit Ausbruch des Corona-Virus achten wir in unserer Einrichtung verstärkt auf Hygienemaßnahmen, haben Anleitungen zu Verhalten und Hygiene in leichter Sprache, bzw. mit selbsterklärenden Piktogrammen ausgehängt. Zusätzlich haben die Arbeitserzieher in Kleingruppen Schulungen durchgeführt. Die Geschäftsführung hat in Zusammenarbeit mit den Abteilungsleitern einen Maßnahmenplan erarbeitet. Oberste Priorität hat der Schutz unserer Klienten, sowie die Sicherheit und Versorgung der Bewohner unserer Wohnangebote. Aufgrund dieses Vorsorgegedankens und dem Beschluss des Landesministeriums vom 18.03.2020, sind alle Werkstätten bis voraussichtlich 19.04.2020 geschlossen. Dies betrifft alle Standorte der Lebenshilfe Tuttlingen. Für den Wohnbereich gelten besondere Regeln.

Wie stellt sich die Situation für Ihre Angestellten dar? Wie gehen diese damit um und wie müssen Sie als Arbeitgeber agieren?

Der Maßnahmeplan sieht ein rollierendes System vor, um die Versorgung der bei uns lebenden Menschen mit Beeinträchtigungen zu gewährleisten. Überall machen sich Arbeitgeber Sorgen um ihre Mitarbeiter und schicken sie heim – das können wir hier in der Lebenshilfe nur bedingt, da unsere Beschäftigten bei uns zu Hause sind. Die Arbeitserzieher sorgen nach besten Möglichkeiten für die Abarbeitung unserer Aufträge in der Medizintechnik. Alle sind gefragt und unser Geschäftsführer unterstützt uns Mitarbeiter in allen Bereichen. Ungewiss ist die Finanzierungsplanung, formal ist zwar auf die Pflegesätze hingewiesen, die wir erhalten, aber wie es sich für den Werkstattbereich, Berufsbildungsbereich und die Frühförderstelle gestaltet, steht noch in den Sternen…

Mit welchen Aktionen können Sie angesichts dieser Rahmenbedingungen den Alltag für alle im abgeschlossenen Mikrokosmos Lebenshilfe lebenswerter gestalten?

Wir haben unseren Seniorenbereich verlagert und aktuell eine Krankenstation, mit wenn erforderlich, der Möglichkeit zur Kohortenisolation, eingerichtet. Alle Energien fließen gerade in den Wohnbereich, um unsere Bewohner so gut wie möglich vor Corona zu schützen – leider gehört dazu auch, dass Angehörige nicht zu Besuch kommen dürfen. Um den Berufsbildungsbereich aufrecht zu erhalten, bieten wir hier für die Menschen mit psychischer und geistiger Beeinträchtigung, ähnlich der Schulen, Möglichkeiten die Ausbildung über Lernplattformen, E-learning und Telefonkonferenzen fortzuführen. Wie wir die Absage der Feierlichkeiten, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Lebenshilfe, positiv formulieren können, bereitet uns Sorgen, zu groß war die Vorfreude auf dieses Ereignis – aber aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben…