Ausgaben

Landrat Stefan Bär appelliert an die Bevölkerung das „Social Distancing“ nicht in Frage zu stellen – „Dafür ist es noch viel zu früh“

Landrat Stefan Bär appelliert an die Bevölkerung das „Social Distancing“ nicht in Frage zu stellen – „Dafür ist es noch viel zu früh“
Landrat Stefan Bär (Bild: Sven Krause)

Tuttlingen – Angesichts der ersten beiden Todesfälle in Folge einer Corona-Erkrankung in Tuttlingen machte Landrat Stephan Bär in der aktuellsten Telefon-Konferenz mit der versammelten Journaille aus dem Landkreis sein Unverständnis darüber deutlich, dass viele Einwohner nach einer guten Woche eingeschränktes Kontaktverbot dieses bereits in Frage stellen oder aber die Maßnahme des Landkreises die zentrale Entsorgungsmöglichkeiten von Grünabfällen zu schließen, scharf kritisieren.

Doch zunächst einmal die aktuellen Zahlen aus dem Landkreis. Bei 82 Menschen wurde der Corona-Virus nachgewiesen. Fünf davon befinden sich aktuell in stationärer Behandlung, einer wird künstlich beatmet. Zwei der schwer erkrankten sind in den vergangenen Tagen verstorben. Zuletzt eine über 80-jährige Frau mit diversen schweren Vorerkrankungen. Von einer scheinbaren Tatsache sollten sich die Menschen im Landkreis nach Aussage von Landrat Bär allerdings verabschieden, dass Corona nur die alten Menschen trifft. „Der Altersdurchschnitt aller bisher erkrankten hier im Landkreis liegt bei 47 Jahren. Die ältesten Betroffenen sind über 80, der jüngste ist fünf Jahre alt. Angesichts dieser Zahlen und der immer noch deutlich steigenden Anzahl an positiven Testungen in den vergangenen Tagen sollte allen klar sein, dass es noch viel zu früh ist, um die Isolation daheim und die drastische Beschränkung von sozialen Kontakten außerhalb der eigenen Familie aufzugeben“, brachte Landrat Stefan Bär seine aktuelle Einschätzung der Situation noch einmal sehr deutlich auf den Punkt.

Einer der größten Kritikpunkte aus Teilen der Bevölkerung war die Schließung der zentralen Abfallentsorgungshöfe. So türme sich bei manchem Hausbesitzer aktuell der Grünschnitt aus dem eigenen Garten und eine legale Entsorgung sei nicht möglich. Das ginge doch gar nicht. Das schnelle Entsorgen auf dem Wertstoffhof sei doch kein Problem. Angesichts der steigenden Fallzahlen und der in dieser Forderung enthaltenen Ignoranz gegenüber den Mitmenschen platzte dem sonst so kontrollierten Landrat verständlicherweise fast der Kragen. „Wir erwarten von Händler, Gastronomen und Selbstständigen, dass sie zum Schutze der Allgemeinheit ihre Läden schließen und ihre finanzielle Existenz aufs Spiel setzen, wollen aber, dass wir trotzdem wie immer unsere Grünabfälle entsorgen? Da kann ich nur den Kopf schütteln. Mal ganz abgesehen von der Gefahr, in die ich meine Mitarbeiter vom Bauhof bringen würde, geht so was gerade gar nicht“, äußerte sich Landrat Stefan Bär in diesem Punkt sehr konkret.

Positiv aus seiner Sicht ist aktuell die gute Arbeit in der zentralen Corona-Stelle in der Fritz-Erler-Schule in Tuttlingen zu bewerten. In zwei Schichten stehen dort ein Arzt, zwei medizinische Hilfskräfte und fünf Mitarbeiter des Landratsamtes alles Personen zur Verfügung, bei denen auf Anraten des jeweiligen Hausarztes eine Testung auf das Corona-Virus vorgenommen werden soll oder bei dem im Nachklang an die Testung eine direkte medizinische Beratung oder auch Versorgung notwendig ist. „Aktuell sind es rund 80 Personen, die wir dort täglich auf den unterschiedlichsten eben betreuen und versorgen. Für den reibungslosen Ablauf kann ich den niedergelassenen Ärzten und allen dort tätigen Helfern gar nicht genug danken“, so Bär.

Medizinische Unterstützung hat auch das Team an der Corona-Hotline des Landratsamtes bekommen. Ein gutes dutzend an Medizinern, die eigentlich im Rentenalter sind, unterstützen jetzt an jedem Nachmittag die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes an der Hotline Nummer und können dort so die drängendsten medizinischen Fragen gleich mit einem fachlichen Rat klären.