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Kleine Unternehmen stärken

Kleine Unternehmen stärken
Zu Besuch: Rainer Egloff (Foto: Medical Mountains)
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Nimmt man die Anzahl an Firmen als Grundlage für die Bezeichnung „Weltzentrum der Medizintechnik“, so machen kleine und kleinste Unternehmen den größten Anteil am internationalen Renommee Tuttlingens aus. Sie sind hochspezialisiert, innovativ, handwerklich versiert – und sie stehen massiv unter Druck. Davon machte sich Gabriele Reich-Gutjahr, wirtschaftspolitische Sprecherin der baden-württembergischen FDP-Landtagsfraktion, jüngst selbst ein Bild.

Tuttlingen – In Begleitung von Julia Steckeler, Geschäftsführerin der MedicalMountains GmbH, und Thomas Albiez, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg, besuchte die Landtagsabgeordnete zwei Unternehmen, die exemplarisch für die aktuelle Situation der Branche stehen. Die Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte, kurz EU-MDR, macht zwar allen zu schaffen, stellt aber besonders Kleinstbetriebe vor existentielle Herausforderungen.

So wie die Manfred Hilzinger Chirurgische Instrumente e.K. in Tuttlingen, eine der zahlreichen Firmen in den MedicalMountains mit weniger als 10 Mitarbeitern. „Uns fehlen die Ressourcen, die umfangreichen Vorgaben allein umsetzen zu können“, erläuterte Geschäftsführer Detlef Schölzel. Externes Know-how müsse teuer „eingekauft“ werden, das ohnehin knappe Personal beschäftige sich immer mehr mit der Dokumentation – Entwicklung und Herstellung, somit also die Lebensgrundlage der Firma, gerieten ins Hintertreffen. Größer und globaler aufgestellt, treiben die Peter Lazic GmbH ganz ähnliche Fragen um. Das Familienunternehmen stellt am Standort Tuttlingen mikrochirurgische Instrumente her.

Sven Lazic gehört der Geschäftsführung an, und ihm bereitet vor allem der unsichere Ausblick Sorgen: „Uns und vielen anderen Unternehmen fehlt die Planungssicherheit.“ Weder die durch die EU-MDR entstehenden Mehrkosten noch die Dauer von Zertifizierungen und Produktzulassungen ließen sich derzeit mit Sicherheit darstellen. Es gebe keine Transparenz, wann beispielsweise die Benannten Stellen in der Lage seien, Technische Dokumentationen nach der EU-MDR zu prüfen.

Ebenso undurchsichtig sei, wie die Benannten Stellen nun ihre Gebühren zusammensetzten. Eine einheitliche Gebührenordnung wäer daher zu begrüßen. Gabriele Reich-Gutjahr sagte zu, die Themen und Anliegen mit nach Stuttgart zu nehmen und dort einmal mehr zur Sprache zu bringen. „Wir sehen es als unsere Pflicht, die Auswirkungen der neuen Medizinprodukteverordnung auf kleine und mittlere Unternehmen auf Landes-, Bundes und EU-Ebene zu positionieren.

pm