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„Kalt erwischt beim Thema Gänsäcker“

„Kalt erwischt beim Thema Gänsäcker“
Viele wichtige Projekte standen im 2019 vor dem Abschluss oder wurden wie die Fußgängerzone abgeschlossen (Foto: Stadt Tuttlingen)

Neues Jahr, neues Glück auch für die Stadt Tuttlingen und ihren frisch wiedergewählten Oberbürgermeister Michael Beck. Im Gespräch mit dem Wochenblatt blickte dieser auf 2019 zurück und schon ein wenig voraus.

Wie hat sich die Stadt im abgelaufenen Jahr verändert?

Michael Beck: Am auffälligsten war sicher die Sanierung der Fußgängerzone. Die Mitte unserer Stadt hat eine ganz neue Ausstrahlung, und das tut ihr gut. Aber auch sonst tut sich einiges, zum Beispiel im privaten Wohnungsbau. Rechnet man alle Projekte zusammen, die frisch fertiggestellt wurden, gerade in Bau oder konkreter Planung sind, kommt man auf über 500 Wohneinheiten.  

Worüber haben Sie sich im abgelaufenen Jahr in ihrer Funktion als Oberbürgermeister am meisten gefreut? 

Dass wir im Gemeinderat ein sehr gutes und harmonisches Klima haben. Dass wir auch den Beschluss zur „Seebrücke“ einstimmig  gefasst haben, war das deutlichste Zeichen dafür.

Worüber haben Sie sich geärgert? 

Dass viele Dinge so endlos dauern und bei den Bürgerinnen und Bürger das Vertrauen in  die Politik untergraben. Nur ein Beispiel:  Die Gäubahn, bei der es offenbar nicht einmal möglich ist, innerhalb von einem Jahrzehnt ein paar Kilometer Gleis zu verlegen – von einem kompletten zweigleisigen Ausbau ganz zu schweigen.

Gibt es etwas, das besser lief als erwartet?

Obwohl immer wieder gesagt wird, die Tuttlinger seien nicht fürs Fahrradfahren zu gewinnen, kamen wie beim Stadtradeln – in der Kategorie der Städte bis 40 000 Einwohner – auf Platz zwei – und zwar bundesweit.

Gibt es etwas, das eher schief gelaufen ist?

Kalt erwischt wurden wir bei Gänsäcker: Dass die archäologischen Untersuchungen hier deutlich umfangreicher sind, bringt unseren Terminplan ins Wanken. Abgesehen davon halte ich die Tatsache, dass wir die Grabungen komplett allein bezahlen müssen, für fragwürdig, zumal eventuelle Fundstücke ja direkt nach Stuttgart wandern.

Was kann der Landrat für Sie und die Stadt tun? 

Uns beim Ausbau des ÖPNV unterstützen – wir brauchen ein dichteres, übersichtlicheres und günstigeres Angebot, wenn wir unsere Verkehrsprobleme in den Griff bekommen wollen

Was könnte der Ministerpräsident für die Stadt/Gemeinde tun?

Sich dafür einsetzen, dass Kommunen bei großen Projekten für die Bildung besser unterstützt werden. Mit den Gymnasien sanieren wir zwei Schulen, die zu knapp 50 Prozent von Auswärtigen besucht werden, finanzieren müssen wir das aber zu über 80 Prozent mit Tuttlinger Geldern.

Was steht 2020 Wichtiges an?  

Der Bau der Gymnasien wird sicher eines der größten Projekte – und dann stehen einiges in Sachen Verkehr an. Vor allem hoffe ich, dass wir beim Bahnhof endlich einen Knopf dran kriegen.

Sven Krause