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Interview mit Georg Schwarz, Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums

Interview mit Georg Schwarz, Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums
Georg Schwarz, Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums in Tuttlingen. (Bild: privat)

Tuttlingen – Es ist klar, dass es zumindest für die Schüler der jeweiligen Abschlussklassen der verschiedenen Schulformen zurück in einen regulären Unterricht geht. Wie auch immer dieser Neustart in der Realität unter Beibehaltung der Sicherheitsbestimmung aussehen kann. Über dieses Thema und über die vergangenen Wochen sprach das Wochenblatt mit Georg Schwarz, Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums in Tuttlingen.

Wie ist der aktuelle Stand in den von Ihnen verantworteten Schulen/Schulformen? Sowohl gesundheitlich als auch vom Lehrstoff?

Wir sind soweit zufrieden. Es gibt keine Fälle erkrankter Lehrer. Auch bei den Schülern ist uns bis dato nichts bekannt. Die Unterrichtsinhalte und zu erreichenden Bildungsstandards können natürlich nicht im selben Umfang vermittelt werden wie unter Normalbedingungen. Das ist völlig klar.

Wie haben Sie die vergangenen Wochen in der Quarantäne verbracht, wurden die Schüler mit Lehrstoff versorgt und wenn ja, wie?


Wir haben in den drei Wochen vor den Osterferien die Schüler mit Unterrichtsmaterial und Arbeitsaufträgen versorgt – alles digital. Dabei sind neben den herkömmlichen Wegen (Mail, Telefon) auch neue digitale Instrumente zur Anwendung gekommen (OHG-Cloud, Videokonferenzen, Messenger,…). Auch hier sprangen wir alle ins kalte Wasser und mussten lernen, wie wir am besten klarkommen, Eltern, Schüler und Lehrkräfte. Nicht alles hat geklappt, aber insgesamt war die Zufriedenheit sehr hoch. Insgesamt waren alle beteiligten deutlich stärker gefordert als im Normalbetrieb. Die Lehrer waren äußerst engagiert bei der Sache.

Kommende Woche starten die Studenten in ein Online-Semester, es gibt Überlegungen zunächst an den Gymnasien mit den Abiturienten und den Schülern der jeweiligen Abschlussjahrgänge in einen Schulalltag zurück zu kehren. Wie stehen Sie zu den Überlegungen?

Diese scheinen mir vernünftig. Eine Rückkehr zur Schulnormalität mit allen Klassen würde alle bisherigen Bemühungen, die Infektionsrate zu senken, auf einen Schlag zunichte machen. Deshalb in kleinen Schritten. Die Abschlussklassen sind bei uns immer noch ca. 200 Schülerinnen und Schüler. Dies zu organisieren unter Beachtung aller Sicherheits- und Hygienevorschriften ist erstmal eine große Herausforderung. Aber mit älteren Schülern / Erwachsenen klappt dies sicherlich deutlich leichter.

Welches Zeitfenster würden Sie für eine Rückkehr in einen wie auch immer geregelten Schulalltag bevorzugen und welche praktischen Probleme erwarten/befürchten Sie?

Das ist einzig und allein von der weiteren Entwicklung der Infektionszahlen abhängig. Ob diese Rückkehr mit allen Klassen bis zum Ende des Schuljahres gelingen wird, ist fraglich. Die praktischen Probleme sind klar: Die Einhaltung der Abstandsregel erfordert die Teilung der Unterrichtsgruppen. Da entsteht schnell der doppelte Raumbedarf, so dass schon deshalb nicht alle Klassen gleichzeitig da sein können. Kann überhaupt ein normaler Sportunterricht stattfinden? Sollen sich Schüler in den Pausenzeiten begegnen? Sehr viele offene Fragen, die noch geklärt werden müssen. Wir warten auf die versprochenen Vorgaben der Kultusministerkonferenz zur Umsetzung.

Wie sieht es mit Prüfungen, Klausuren, Projektarbeiten aus. Gibt es andere Zeitfenster, muss einiges wegfallen?

Abschlussprüfungen in diesem und im nächsten Schuljahr sollen Priorität haben. Deshalb unterrichten wir erstmal die Abiturienten, die kurz vor der schriftlichen Prüfung stehen und die Kursstufe 1 (Abitur 2021). Inwieweit Klassenarbeiten, Tests, Jahresarbeiten unter den jetzigen Rahmenbedingungen durchgeführt werden können, muss man abwarten.

Wie stehen Sie zu einer Verkürzung der Sommerferien, um den ausgefallenen Stoff zeitnah nachzuarbeiten?

Ich bin für die Beibehaltung der Sommerferien. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten auch zuhause sehr viel und werden die kommenden Wochen weiterhin unterrichtet, zwar nicht wie ansonsten, aber sicherlich seriös und umfänglich. Über die Sommerferien könnten vielleicht Angebote an diejenigen gemacht werden, die sich eher schwertun, um entstandene Defizite aufzuarbeiten.