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„Ich war ein Teil der Familie. Das war schön.“

„Ich war ein Teil der Familie. Das war schön.“
Annika Storz aus Rietheim-Weilheim feierte Weihnachten 2012 in Columbus (Foto: Privat)

Weihnachten im Ausland. Wie sich das anfühlt, erzählt Annika Sotorz aus Rietheim-Weilheim, die 2012 Weihnachten in den USA verbracht hat.Weihnachten im Ausland. Wie sich das anfühlt, erzählt Annika Sotorz aus Rietheim-Weilheim, die 2012 Weihnachten in den USA verbracht hat.

Hallo Annika.  Vielleicht stellen Sie sich unseren Lesern erst einmal vor, woher Sie stammen, aus welchen Gründen Sie in die USA, gegangen sind und wie Sie Weihnachten in Ihrer Gastfamilie erlebt haben?

Annika Storz: Mein Name ist Annika Storz, ich bin 23 Jahre alt. Ursprünglich komme ich aus Rietheim. Aufgrund meines Studiums wohne ich momentan in Tübingen. Dort studiere ich Englisch und Politikwissenschaften im dritten Semester des Master of Education (Lehramt). Ich habe mich 2011 dazu entschlossen, im Schuljahr 2012/13 eine amerikanische High School zu besuchen. Ab der ersten Klasse war Englisch mein Lieblingsfach und durch das Thema USA, welches wir in der Schule immer wieder behandelten, wuchs meine Faszination für dieses Land. Schnell war dann die Entscheidung getroffen, dass ich mein High School Jahr in den USA verbringen wollte. Dort habe ich dann in der Kleinstadt Columbus, Mississippi (Teil des „Bible Belts“) in einer Gastfamilie mit Vater, Mutter, und zwei Kindern (einem Jungen und einem Mädchen) gelebt. In Caledonia, Mississippi besuchte ich die 10. Klasse einer High School.Thema Weihnachten.

Wie haben Sie Weihnachten in den USA erlebt? Wie liefen die Feiertage ab? Ging es in die Kirche, was gab es kulinarisch, was hat sie verblüfft oder geärgert?  Wie hat sich Weihnachten im Ausland für Sie angefühlt?

Mein Weihnachten in Amerika war das erste Weihnachten ohne meine Familie und auch das erste in einem anderen Land. Ich habe mich in meiner Gastfamilie wohl gefühlt und sie haben mich wie ihr eigenes Kind behandelt.Ich habe an allen Aktivitäten teilgenommen, an denen sie auch teilnahmen und habe genauso viele Geschenke wie meine Gastgeschwister bekommen. Deshalb war es ein sehr schönes Weihnachten, auch wenn ich von meiner Familie getrennt war. Auf den ersten Blick fand ich Weihnachten in den USA ziemlich ähnlich wie in Deutschland. Man verbrachte Zeit mit der Familie, ging in die Kirche, packte Geschenke aus und war den ganzen Tag mit Essen beschäftigt.

Bei den Details hat sich Weihnachten in den beiden Ländern aber doch stärker unterschieden. Der Weihnachtsbaum in den USA haben wir schon vor Thanksgiving (Ende November) aufgebaut. Der Baum stand also sicher sechs Wochen im Wohnzimmer. An Heiligabend gibt es bei den Amerikanern eigentlich keine Geschenke. Allerdings waren wir an dem Abend schon bei meiner Gastgroßeltern eingeladen und bekamen dort deren Geschenke. Um 23 Uhr ging es mit Freunden zu der „Midnight Mass“ einer Katholischen Kirche, um die Geburt Jesu zu feiern. Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, da Geschenke ausgepackt werden mussten. Ich wurde um halb sieben morgens von meinen Gastgeschwistern aus dem Bett gezogen, da sie es nicht erwarten konnten, ihre Geschenke auszupacken.

Es gab die typischen aufgehängten Socken, die mit Süßigkeiten gefüllt waren. Um 9 Uhr kamen alle Großeltern zu uns zum Frühstück. Dort haben wir Familienbilder gemacht. Der Film „A Christmas Story“ lief in einer Endlosschleife 24 Stunden im TV. Meine Gastfamilie gehört zu den Baptisten und deshalb verbrachten wird den Abend des ersten Weihnachtsfeiertages in der Kirche. Dort gab es ein Krippenspiel und ich spielte im Orchester mit. Am zweiten Weihnachtsfeiertag ging es zum Essen zu den anderen Großeltern. Dort gab es Reh zum Essen. Außerdem hatte sie viele „Pies“ gebacken. Weihnachten in den USA, war ein Traum. Ich durfte viel Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen und habe mich wie ein Teil der Familie gefühlt.

Sven Krause