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Fußball vereint Menschen – Ein Jahr Inklusionsgruppe der Stiftung Liebenau

Fußball vereint Menschen – Ein Jahr Inklusionsgruppe der Stiftung Liebenau
Ob mit oder ohne Handicap (Foto: Krause)

„Ich komme jede Woche. Das Team ist super und ich habe Spaß. Hier können wir einfach ungestört kicken“, sagt einer der Teilnehmer der inklusiven Fußballgruppe der Stiftung Liebenau. Die Altersunterschiede innerhalb der Mannschaft stören ihn genauso wenig wie die Tatsache, dass der ein oder andere besser mit dem runden Leder umgehen kann als er. 

Tuttlingen – Was für die 15 angemeldeten Teilnehmer nur zählt ist der Spaß am Fußball und die Freude an der Bewegung oder eine gelungene Aktion, die alle gleich macht, Gleich, ob sie im realen Leben als Menschen mit Handicap oder ohne gelten. Hier sind sie wirklich alles gleich und wir erzählen gerne ihre Geschichte.

Es ist einer dieser regnerischen, kalten und zugigen Novemberabende in Tuttlingen. Eigentlich schreit alles danach daheim zu bleiben, die Heizung hoch zu drehen und es sich mit einem warmen Getränk und einem spannenden Film auf der Couch bequem zu machen.

Doch was für einen Großteil der Tuttlinger an diesem Abend zutreffen mag, das gilt nicht für „Die Wilden Tuttlinger Donaukicker“ der Stiftung Liebenau.Ein gutes Dutzend von Ihnen hat sich an diese Abend im Foyer des Cube, der neuen Sporthalle der Karlschule in Tuttlingen versammelt. Aufgeregt und mit der Sportlern eigenen Vertrautheit plaudern Menschen mit und ohne Handicap über ihre Woche und wie sehr sie sich freue, dass sie gleich wieder lospölen und auf Torejagd gehen können.

„Pass auf Jürgen. Heute haue ich dir mindestens einen rein“, meint Markus zu Jürgen Elni, einem von zwei Betreuern, die zusammen mit Organisatorin Isabell Krichel-Bonstein von der Stiftung Liebenau, und Trainer Thomas Gförer von der TG Tuttlingen dafür sorgen, dass es bei den „Wilden Donaukickern“  nicht zu wild zu geht.Dann geht die Hallentür, die Minis der TG, die auch von Thomas Gförer betreut werden haben Feierabend und die Donaukicker können endlich in die Halle.

Was dann folgt, könnte auch bei jedem Halllentraining einer Hobbymannschaft in Ulm, Bochum oder Spaichingen ablaufen. Schnell in die Hallenschuhe, her mit dem Ball und sich in einem lockeren Kreis die Pille zuspielen. Mal mehr, mal weniger gekonnt. Aber immer mit diesem ganz eigenen Lächeln im Gesicht, das nur sportliche Betätigung in einer  Gemeinschaft einem Menschen auf die Lippen zaubern kann. Diese Mischung aus Begeisterung, Motivation und Zugehörigkeitsgefühl.

Und dass dies auch ihre Männer und Frauen mit Handicap spüren und leben können, dass zaubert wiederum Isabell Krichel-Bonstein ein Lächeln ins Gesicht. „Dass wir dank der Kooperationsbereitschaft der TG und von Thomas Gförer diese Gruppe problemlos installieren konnten, dass bedeutet unserer Betreuten so viel. Sie fühlen sich wieder ein Stückchen mehr als vollwertiger Mensch“, erzählt Projektleiterin Krichel-Bonstein.Ein Sponsor für die schicken roten Shirts wurde mit der Wohnbau auch gefunden.

Doch die werden nun bei der Hälfte der Truppe von gelben Trainingsleibchen überdeckt und zwei Teams gemacht. Dann geht es los und die ersten Schüsse donnern aufs Tor von Elni und seinem Kollegen Rafael Hoch, die sich erst einmal ins Tor stellen. Und der Ball, der läuft mal mehr, mal weniger flüssig durch die Reihen. Beim Team mit den Leibchen etwas flüssiger. Schnell steht es 5:1, 6:1 für die Gelben. „Sollen wir neu mischen“, meint Jürgen Elni. „Nein, kommt es von Markus. Wir kriegen euch noch.“ Der Ehrgeiz ist groß, der Spaß noch größer und als ich mich ein paar Minuten später verabschiede, steht es 4:8 aus Sicht der Roten, Aber das Lächeln, das bleibt.

Sven Krause