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FDP-Landtagsabgeordnete Gabriele Reich-Gutjahr besucht Klein- und Kleinstunternehmen in den MedicalMountains

FDP-Landtagsabgeordnete Gabriele Reich-Gutjahr besucht Klein- und Kleinstunternehmen in den MedicalMountains
Zu Besuch bei einem der vielen Kleinsunternehmen in den MedicalMountains (von links): Rainer Egloff (Bild: MedicalMountains)
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Nimmt man die Anzahl an Firmen als Grundlage für die Bezeichnung „Weltzentrum der Medizintechnik“, so machen kleine und kleinste Unternehmen den größten Anteil am internationalen Renommee Tuttlingens aus. Sie sind hochspezialisiert, innovativ, handwerklich versiert – und sie stehen massiv unter Druck. Davon machte sich Gabriele Reich-Gutjahr, wirtschaftspolitische Sprecherin der baden-württembergischen FDP-Landtagsfraktion, jüngst selbst ein Bild.

In Begleitung von Julia Steckeler, Geschäftsführerin der MedicalMountains GmbH, und Thomas Albiez, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg, besuchte die Landtagsabgeordnete zwei Unternehmen, die exemplarisch für die aktuelle Situation der Branche stehen. Die Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte, kurz EU-MDR, macht zwar allen zu schaffen, stellt aber besonders Kleinstbetriebe vor existentielle Herausforderungen. So wie die Manfred Hilzinger Chirurgische Instrumente e.K. in Tuttlingen, eine der zahlreichen Firmen in den MedicalMountains mit weniger als 10 Mitarbeitern. „Uns fehlen die Ressourcen, die umfangreichen Vorgaben allein umsetzen zu können“, erläuterte Geschäftsführer Detlef Schölzel. Externes Know-how müsse teuer „eingekauft“ werden, das ohnehin knappe Personal beschäftige sich immer mehr mit der Dokumentation – Entwicklung und Herstellung, somit also die Lebensgrundlage der Firma, gerieten ins Hintertreffen. Das befürchten auch Jan Benz, Beauftragter für Innovation und Technologie der Handwerkskammer Konstanz, und Hans-Thomas Volzer von der Landesinnung Chirurgiemechanik. „Nicht wenige denken ans Aufhören“, erinnerte Hans-Thomas Volzer. Damit drohten handwerkliches Knowhow und Erfindergeist, aber auch bewährte Lieferketten verloren zu gehen. Letzteres würde zum Beispiel die Bühler-Instrumente-Medizintechnik GmbH treffen. „Die Verflechtungen sind sehr eng“, sagte Geschäftsführer Boris Bühler gegenüber der Landtagsabgeordneten, „daher kann und darf es uns nicht gleichgültig sein, was mit den kleinen Unternehmen passiert.“

Größer und globaler aufgestellt, treiben die Peter Lazic GmbH ganz ähnliche Fragen um. Das Familienunternehmen stellt am Standort Tuttlingen mikrochirurgische Instrumente her. Sven Lazic gehört der Geschäftsführung an, und ihm bereitet vor allem der unsichere Ausblick Sorgen: „Uns und vielen anderen Unternehmen fehlt die Planungssicherheit.“ Weder die durch die EU-MDR entstehenden Mehrkosten noch die Dauer von Zertifizierungen und Produktzulassungen ließen sich derzeit mit Sicherheit darstellen. Es gebe keine Transparenz, wann beispielsweise die Benannten Stellen in der Lage seien, Technische Dokumentationen nach der EU-MDR zu prüfen. Ebenso undurchsichtig sei, wie die Benannten Stellen nun ihre Gebühren zusammensetzten. Eine einheitliche Gebührenordnung wäer daher zu begrüßen.

Gabriele Reich-Gutjahr sagte zu, die Themen und Anliegen mit nach Stuttgart zu nehmen und dort einmal mehr zur Sprache zu bringen. „Wir sehen es als unsere Pflicht, die Auswirkungen der neuen Medizinprodukteverordnung auf kleine und mittlere Unternehmen auf Landes-, Bundes und EU-Ebene zu positionieren und auch bei den letzten Zweiflern für mehr Bewusstsein zu sorgen“, betonte Gabriele Reich-Gutjahr. „Ungeachtet dessen wird es einer klugen Zusammenarbeit der KMUs bei der Umsetzung der EU-MDR vor Ort bedürfen.“

„Eine wichtige Säule des Mittelstands leidet und die Folgen sind gravierend“, machte Thomas Albiez deutlich. Er begrüßte, dass die Landesregierung mit dem MDR-Soforthilfe-Programm reagiert habe. Wie Julia Steckeler erläuterte, böten die in diesem Rahmen angebotenen Maßnahmen wertvolle Unterstützung: „Wir können die Last zwar nicht komplett abnehmen, aber zumindest an manchen Stellen gezielte Erleichterungen verschaffen.“

Und Kleinstunternehmen bleiben weiter im Blick: Um sie dreht sich eine gemeinsame Veranstaltung der MedicalMountains GmbH und der Stadt Tuttlingen am 28. November in der Tuttlinger Stadthalle. Eingeladen sind ausschließlich Firmen mit bis zu 15 Mitarbeitern. Nach Impulsreferaten zur EU-MDR ist ein offener Austausch zwischen Experten und Unternehmen vorgesehen, bei dem spezifische Fragen von Kleinstunternehmen beleuchtet werden. Weitere Informationen unter www.medicalmountains.de/kleinstunternehmen.