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Fabrik für Innovation – „werk_39“ von B. Braun und Aesculap ist mehrfach preisgekrönt

Fabrik für Innovation – „werk_39“ von B. Braun und Aesculap ist mehrfach preisgekrönt
Eine kleine aber schlagkräftige Belegschaft hat das ausgezeichnete „werk_39“ mit Sören Lauinger (3. von links) und Prof. Boris Hofmann (4. von links) (Foto: WDB)

Platz zwei hinter Audi, noch vor Daimler. Das „werk_39“ von B. Braun in Tuttlingen wurde im Sommer als eines der besten Innovationslabore Deutschlands ausgezeichnet.

TUTTLINGEN – Sie sind nah am Kunden. Aber sie entwickeln keine neuen Scheren, verbessern nicht Produkte von B. Braun und Aesculap. Sondern sie, die Leute vom „werk_39“, fi nden Lösungen, die den Kunden, also überwiegend Krankenhäusern, ein Stück Weg in die Digitalisierung weisen.

Also nicht das Produkt ist Gegenstand der Innovation, sondern „noch etwas obendrauf“, wie Sören Lauinger, Vice President Intrapreneurship & Co-Creation von werk_39, beschrieb: Service, digitale Lösungen, Geschäftsmodelle. Zunächst muss ein Handlungsbedarf erkannt werden. Das kann vom Kunden ausgehen, vom Vertrieb, von der Logistik. Als Beispiel nannten Lauinger und Prof. Boris Hofmann, Senior Vice President B. Braun Innovation Hub & Digital Innovation, Zentral-Sterilisatoren in Kliniken, wo Tools künftig die dicken Handbücher ersetzen sollen. Ist der Bedarf erkannt, der über den Einzelfall hinausgehen sollte, geht es ans Werk.

Dabei sind es nicht die elf Angestellten des (vom restlichen Konzern nicht nur räumlich getrennten) werk_39, die sich im stillen Kämmerlein zusammensetzen und die Lösung erarbeiten. Sondern es werden Spezialisten aus dem (Aesculap-) Stammwerk hinzugezogen, je nach Problemstellung – Logistiker, Techniker, Vertriebsleute, „Mitarbeiter, die normalerweise eine andere Tätigkeit haben“, sagte Lauinger.

Da ergibt sich eine kreative Atmosphäre, reger Austausch, „ein Teil des kulturellen Wandels“. Ist eine Lösung gefunden, muss sie auch ins System der Kunden passen, sonst taugt sie nichts. Bedarf ist da, betont Lauinger: „Uns geht die Arbeit nicht aus!“

Wobei der Ehrgeiz nicht darauf liegt, auf Biegen und Brechen selbst etwas Neues zu erfi nden: Wenn es schon irgendwo gute Lösungen gibt, wird eine Zusammenarbeit mit dem Anbieter, oft ein Start-up, gesucht. Das kann dann bis zu einer Beteiligung an dem Anbieter gehen.

Zum Stammteam des werk_39 gehört übrigens kein Medizintechniker. Es sind Informatiker, Betriebswirtschaftler – „Diversität ist wichtig“, sagte Hofmann. Und zunehmend spielen auch Designer eine Rolle.

Die Prämierung durch die Zeitschrift Capital und die Managementberatung Infront sieht Lauinger als Bestätigung dafür, dass die Arbeit des Labors „mit Hand und Fuß ausgestattet“ ist. Und Thomas Sindemann, Gründer und Geschäftsführer von Infront, wird so zitiert: „Fernab der sonst für Digitallabore üblichen Großstädte hat sich im beschaulichen Tuttlingen zwischenzeitlich eine schlagkräftige Einheit etabliert.“

Öffentlicher Vortrag

Jener Unternehmensberater Thomas Sindemann wird übrigens am Dienstag, 8. Oktober, ab 18.30 Uhr im werk_39 einen Vortrag halten: „Unternehmen auf den Spuren von Start-ups?“ Der Eintritt ist frei, Anmeldung ist aber erforderlich bis 1. Oktober unter www.werk39.com/event_registration.

Wolf-Dieter Bojus