Ausgaben

Ekkehard Rist: "Es war eine geile Zeit"

Ekkehard Rist: "Es war eine geile Zeit"
Da saß noch Ekkehard Rist (l.) an seinem Schreibtisch (Foto: Sven Krause)

Wenn Sie diese Geschichte an diesem Freitag, Samstag oder vielleicht auch erst Sonntag lesen, dann ist das Wirken, Schaffen, Kämpfen, Träumen, Bewegen und Gestalten von Ekkehard Rist nach 48 Jahren bei Aesculap, davon gut 20 Jahre als Betriebsratsvorsitzender, bereits beendet. Der Mann, der den Aufstieg der Medizinprodukteschmiede in Tuttlingen zum prägenden Teil der B Braun-Tochter Aesculap miterlebte und gestaltete, schob am Donnerstag, 6. Februar, seine letzte Schicht.

Tuttlingen – Dann endete das, was er selber in unserem Gespräch zu seinem Abschied als „eine geile Zeit“ beschrieb, nicht ganz so still und leise, wie er es sich vielleicht vorgestellt hatte. Doch um einfach so zu verschwinden, dafür hat er vor allem in den drei Jahrzehnten als freigestellter Betriebsrat viel zu tiefe Spuren hinterlassen. Dafür hat er zu vielen Kollegen immer ein offenes Ohr geschenkt und einen passenden Rat oder den richtigen Tipp in oftmals nicht einfachen Situationen noch dazu.

„Ich habe mir immer das Unmögliche als Ziel gesetzt, um das Bestmögliche zu erreichen.“Die Ära dieses Satzes und des nicht immer von allen Kollegen geschätzten Wirkens von Ekkehard Rist im Betriebsrat beginnt für den Mahlstettener 1981. „Bereits damals haben sich viele von mir gewünscht, dass ich mit wehenden Fahnen durchs Unternehmen renne und die Geschäftsführung, den Vorstand als Feind bezeichnete und auch so handelte. Doch wenn ich das getan hätte, dann hätten wir zusammen wohl kaum so viel erreicht“, erinnert sich Ekkehard Rist. Sagt einer, der nicht nur Betriebsrats-Chef war in einer Epoche, in der aus 1 500 Mitarbeitern 3 650 wurden, sondern der auch Suchtberater war und der sich um die Wiedereingliederung von Kollegen gekümmert hat.

„Mir war immer wichtig, allen, sei es dem Vorstandsvorsitzenden oder dem Kollegen aus der Fertigung, auf Augenhöhe zu begegnen. Und mir immer für denjenigen, der mir gerade gegenüber saß, die Zeit zu nehmen, die er gebraucht hat.“Zeit für sich selber hat er sich in all den Jahren eigentlich erst nach seinem Herzinfakt genommen. Als er schmerzlich merken musste, dass er doch nicht unverwundbar war und er in diesen Wochen und Monaten als er nicht in „meinem Büro“ sitzen konnte, sondern im Krankenhaus lag und in der Reha und daheim um seine Gesundheit gekämpft hat.

„Da ist bei mir die Erkenntnis gereift, dass ich neben all der Arbeit, vor allem auch auf meine Gesundheit achten muss.“So reifte in dieser Zeit auch in vielen langen Gesprächen mit seiner Frau Luzia, mit Kindern und Enkelkindern, die Gewissheit, dass auch er eher aufhören wolle. Mit diesem Gedanken begann dann auch die Suche nach einem Nachfolger als Betriebsratschef bei Aesculap. Und Ekkehard Rist wäre jetzt nicht mit einem Lächeln in den Ruhestand gegangen, wenn er nicht von seinem Nachfolger vollkommen überzeugt gewesen wäre. Den hat er in Lars Elmenthaler gefunden.

Der wird nunmehr in Zukunft nicht nur den Taktstock als Leiter und Dirigent der Werkskapelle von Aesculap schwingen, sondern auch die Zukunft aller Mitarbeiter von Aesculap gestalten. Wie er diese gestalten, ausfüllen, prägen, bewegen und in ihr wirken will, das wird eine andere Geschichte in ein paar Ausgaben an dieser Stelle. Hier ging es einzig um die Zeit zwischen dem 2. September 1972 und dem 6. Februar 2020. Um die „geile Zeit“ von Ekkehard Rist bei Aesculap.

Sven Krause