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Einfach heimelig in der Herrgottsecke

Einfach heimelig in der Herrgottsecke
Männer unter sich. Regelmäßig am ersten Weihnachtstag fährt Minister Guido Wolf (r.) nach Lenzkirch (Foto: Privat)

Weihnachten. Für viele Menschen deswegen eine besondere Zeit, weil ihnen gelebte Rituale ein gutes Gefühl und Abstand vom Alltag geben. Da macht ein Minister keine Ausnahme. So ist die Fahrt von BaWü-Justizminister Guido Wolf nach Lenzkirch am ersten Weihnachtstag inzwischen eine gelebte und liebgewonnene Tradition.

Lenzkirch? In der kleinen Gemeinde zwischen Schluch- und Titisee hat Hans Bahn einen Dauercamper stehen und feiert dort regelmäßig mit seiner Frau Cornelia den Heiligen Abend. Und am ersten Weihnachtstag wird der Fahrer von Minister Guido Wolf auch in diesem Jahr Besuch vom Menschen Guido Wolf bekommen.

„Es ist jetzt rund drei Jahre her, da hat er mich zum ersten Mal zu sich nach Leutkirch eingeladen. Einfach ein paar Stunden sein Gast sein, fernab von jedem offiziellen Protokoll und mit dem Menschen, mit dem ich im Jahr so viel Zeit verbringe wie wohl mit niemand anderem, privat zusammen sitzen“, erinnert sich Guido Wolf.

Spontan habe er damals zugesagt und sich am ersten Weihnachtstag 2016 zum ersten Mal auf den Weg gemacht und das erste Mal in die wunderschöne Winterlandschaft am Rande des Feldbergs gemacht. Dort haben sich Hans und Corinna Bahn mit einem geräumigen Wohnwagen und einem passenden Vorzelt ihre eigene, kleine Ferienwelt aufgebaut, in der auch der Minister inzwischen gerne eintaucht und Kraft tankt. „Corinna Bahn hat ein tolles Händchen für Deko und zaubert immer eine stimmungsvolle Atmosphäre“, erzählt Wolf.

Kaffee und Gebäck zur Begrüßung folgt ein traditioneller Glühwein und viele Gespräche, die die Beiden während des Jahres und der rund 100 000 Kilometer, die Minister und Fahrer während des Jahres zusammen im Auto verbringen, doch nicht führen können. „Hans Bahn ist mir etwa in meiner Funktion als Tourismus-Minister ein Ratgeber und Experte in Sachen Camping und Campingplätze hier in Baden-Württemberg geworden, Bei ihm weiß ich, dass ich mich auf seine Meinung verlassen kann“, so Wolf.

Im Vorzelt in Lenzkirch hat der Mensch Wolf etwa erfahren, dass Cornelia Bahn Deutsche Meisterin im Tontaubenschießen ist und dass auch sein Fahrer erstaunlich treffsicher daher kommt. In der entspannten Atmosphäre vergehen oftmals Stunden in gefühlten Minuten. Vor allem wenn sich beide Männer das Essen auf dem Grill selbst zubereiten oder sich auch mal von Cornelia Bahn und deren Kochkünsten verwöhnen lassen. „Für mich sind die Stunden bei den Bahns zu einer Oase der Ruhe geworden, wo ich sein kann wie ich bin. Und das ist für einen Minister sehr, sehr schön und ich möchte diese Momente dort an Weihnachten nicht mehr missen“, stellt Wolf fest.

Überhaupt steht an den Heiligen Tagen der Mensch Guido Wolf, seine Familie und Freunde im Mittelpunkt. „Ich bin ein Großteil des Jahres komplett durchgetaktet. Da genieße ich es aufzuwachen und dann erst zu überlegen, was wir machen. Vor allem mit den Menschen Zeit zu verbringen, wo ich einfach Guido Wolf sein kann  und nicht der Justizminister“ erzählt er. Und wenn neben Familie und Freunden Zeit bleibt, dann schwingt er sich auch gerne auf die Skier, geht wandern oder spazieren und tankt draußen in der Natur Kraft für die politisch oftmals entscheidenden Tage zu Beginn eines neuen Jahres.

Und wenn da der Stress gleich mal zu groß wird, dann plaudern Fahrer und Minister über den Kaffee in der Hergoztsecke, Tontaubenschießen und vieles andere mehr. Zeit genug haben sie ja auf den ersten Kilometern von gut 100 000 in 2020.

Sven Krause