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Einfach ein bisschen Wärme – Ein Blick hinter die Kulissen der AWO-Wärmestube in Tuttlingen

Einfach ein bisschen Wärme – Ein Blick hinter die Kulissen der AWO-Wärmestube in Tuttlingen
Ein warmes Plätzchen zu haben (Foto: AWO)

Weihnachten, speziell die Vorweihnachtszeit, ist für den Großteil der Menschen hier im Landkreis die Zeit im Jahr, sich mehr Zeit für die Familie zu nehmen. Kulinarisch ist es die Zeit, um die ein oder andere besondere Köstlichkeit auf den Tisch zu bringen. Doch immer mehr Menschen können sich diese für viele selbstverständliche Momente nicht mehr leisten. Wir haben uns deshalb die Wärmestube der AWO in Tuttlingen besucht, mit Leiterin Doris Mehren-Greuter und ihrem Team geplaudert und musste feststellen, dass immer mehr Menschen auch in unserem reichen Landkreis Hilfe brauchen.

Drei Stufen sind es, die die Menschen aus dem Landkreis, die in der Wärmestube der AWO-Rottweil in Tuttlingen wollen, erklimmen müssen. Dann ums Eck, durch zwei Türen und dann tut es sich auf – für viele das Stückchen Zuhause, das ihnen geblieben ist. Doch die innere Überwindung, diesen Schritt zu gehen, damit innerlich zuzugeben, dass man es nicht mehr alleine schafft und durchs soziale Netz des Landkreises gefallen ist, die ist für viele Menschen viel, viel größer.

Doris Mehren-Greuter, Leiterin der Wärmestube, erzählt: „Unsere Klientel hat sich in vielerlei Hinsicht sehr verändert. Es sind meistens immer noch Männer, die kommen. Aber waren es früher vor allem Durchreisende, die einen erlernten Beruf hatten und durch private Schicksalsschläge den Halt verloren haben, sind es aktuell vor allem junge Männer aus dem Landkreis, die bei uns Unterstützung, Halt und oftmals eine warme Mahlzeit suchen.“

Viele dieser jungen Menschen haben keinen Schulabschluss und keine Familie. Sie sind oftmals im Alltag überfordert, ein Gang zu einer Behörde, um Hilfe zu beantragen ist für sie oftmals ein unüberwindliches Hindernis. Und bevor sie dabei wieder scheitern, gehen sie lieber gar nicht erst hin.

Doch so wird der Berg der Probleme, der für sie ein – nach unserem Maßstäben – geregeltes Leben ermöglichen würde, immer größer. Doris Mehren-Greuther zeigt dabei eine bedrückende Entwicklung auf. „1995 hatten wir rund 45 000 Auszahlungen von staatlicher Hilfe im Jahr. Heute sind aktuell über 100 000 Auszahlungen. Dazu kommt, dass es keinen Wohnungsmarkt gibt, auf dem wir für diejenigen, die es schaffen wollen und können, wirklich suchen könnten.“

Zudem kommen immer mehr Rentner oder Geringverdiener morgens oder mittags in die Wärmestube, um für 75 Cent zu frühstücken oder für 1,25 Euro ein warmes Mittagessen zu bekommen. „Viele von Ihnen haben, trotz einer enorm sparsamen Lebensweise, ab dem 22. oder 23. eigentlich kein Geld mehr und sind froh, dass wir hier keine Fragen stellen und sie hier essen können.“ Dieses „so sein, wie sie sind“ ist für viele Menschen ein weiterer Grund zu kommen.

„Wir schauen sie nicht schräg an oder versuchen sie zu belehren. Wenn einer reden möchte, dann sind wir da. Ansonsten dürfen sie auch bei einer Tasse Kaffee hier einfach nur stundenlang sitzen und sie selbst sein.“ Für viele der Menschen in der Wärmestube ist alleine diese Möglichkeit zu haben schon ein großes Geschenk. Viel mehr noch als finanzielle Spenden brauchen die Macher der Wärmestube ehrenamtliche Helfer. Menschen, die bereit sind an einem Sonntag selber in der Küche zu stehen und zu kochen oder einem helfenden Hobbykoch unterstützend zur Seite zu stehen.

Und, genau so wichtig, auf einer für uns normalen Ebene mit den Menschen hier kommunizieren oder ihnen einfach nur mal zuhören. Oder aber als Mitglied im Förderverein die Arbeithier finanziell oder durch Sachspenden zu unterstützen. Wer weitere Informationen benötigt oder direkt helfen möchte, der wendet sich per E-Mail unter mehren-greuter@fbw-tut.de an Doris Mehren-Greuter.

Sven Krause