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Demut vor der Wahl – Landrat Stefan Bär spricht über seine Schwerpunkte

Landrat Stefan Bär stellt sich am 30. Januar zur Wiederwahl. Einen Gegenkandidaten gibt es diesmal nicht. (Foto: Landratsamt)

Zum Auftakt des Wahljahres 2020 geht es um den Posten des Landrats. Als einziger Bewerber stellt sich Amtsinhaber Stefan Bär dem Votum der Kreisräte. Im Interview mit dem Wochenblatt nutzte er die Chance über aktuelle und richtungsweisende Themen zu sprechen.

Sie sagten im Rahmen Ihres Grußwortes auf dem Neujahrsempfang von ProTuT in der Stadthalle Tuttlingen, dass jedem Politiker vor einer Wahl Demut zu Gesicht stehen würde. Wie fühlen Sie sich also?

Stefan Bär: Ich freue mich zunächst darüber, dass die Fraktionen nicht auf Kandidatensuche  gegangen sind. Das nehme ich als Bestätigung meiner Arbeit und auch als Auftrag, den Landkreis und die dazugehörige Verwaltung weiter zu führen.  

Ganz aktuell hat uns die Nachricht erreicht, dass Sascha Sartor um Auflösung seines Vertrags als Geschäftsführer des Klinikum Tuttlingens gebeten. Wie haben Sie von der Entscheidung erfahren und wie beurteilen Sie sie?

Überrascht war ich schon, aber ich kann die von Herrn Sartor genannten Gründe nachvollziehen und respektiere seine Entscheidung. Neben familiären Gründen bietet sich für Herrn Sartor beruflich eine reizvolle Aufgabe. Ich wünsche ihm für seine berufliche Zukunft alles Gute.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Zeitpunkt jetzt ist natürlich nicht optimal. Aber wann gibt es schon den perfekten Zeitpunkt? Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Nachfolgeregelung bis April. Wann dann das Eintrittsdatum des neuen Geschäftsführers sein wird, hängt auch von dessen persönlichen Verpflichtungen ab. Auch wenn wir mit einem Interimsgeschäftsführer arbeiten müssten, bin ich mir sicher, dass wir das erfolgreich hinbekommen.

Was erwartet uns in Spaichingen und am Klinikum in Tuttlingen?

Zunächst einmal sollte klar sein, dass sich an der getroffenen Entscheidung für Spaichingen nichts ändert. Wir arbeiten aktuell an der Zusammenführung der Akutstationen in Tuttlingen und wollen darüber hinaus noch mit Herrn Sartor das Architektenverfahren für die Erweiterung des Klinikum Tuttlingens in Auftrag geben. Parallel arbeiten wir an der Nachnutzung des Standortes Spaichingen, hier liegt unser Fokus.

Und darüber hinaus?

Der Kreistag hat uns einen klaren Arbeitsauftrag gegeben. Dieser betrifft das Gesundheitszentrum Spaichingen sowie die Kurzzeitpflege. Daneben wollen wir mit einem externen Projektentwickler das Paket weiter abrunden. In der Kreistagssitzung am 12. März wollen wir die ausgearbeiteten Pläne für das Intersektorale Gesundheitszentrum und die Kurzzeitpflege vorlegen. Den vorgeschlagenen Dialog mit der Bürgerschaft und der Stadt wollen wir erst nach der bevorstehenden Bürgermeisterwahl aufnehmen, weil wir die Gefahr sehen, dass dieses wichtige Thema sonst zum Spielball des Wahlkampfes wird und eine sachliche und konstruktive Auseinandersetzung erschwert wird.

Intensiv fortsetzen muss sich auch die Entwicklung im Bereich Glasfaserausbau und Ausbau des Mobilfunknetzes, Was ist ein realistisches Ziel?

Fangen wir mit dem Ausbau des Glasfasernetzes, des Backbone, im Landkreis an. Nach zwei Jahren haben wir dort die Hälfte geschafft und es gilt das klare Ziel, dass wir in den kommenden drei Jahren alle weiteren Gemeinden erschlossen haben werden. Der Ausbau in den Gemeinden liegt in deren Händen. Uns ist es wichtig, dass die Gewerbegebiete und Schulen direkt angeschlossen werden. 

Und beim Mobilfunk?

Das ist ein komplexes Thema und auch da sind wir mit einer anderen Strategie unterwegs. Beim Backbone wollten wir u. a. kommunales Eigentum schaffen, beim Mobilfunk geht es eher um die Gestaltung idealer Rahmenbedingungen und darum, als größere Einheit aufzutreten und gegenüber den Anbietern Druck für Verbesserungen aufzubauen. Mobilfunk geht aber letztlich nur mit einer Bürgerbeteiligung einher. Aber auch darauf sind wir eingestellt und wollen in Zusammenarbeit mit der Verwaltungsschule Kehl den Gemeinden Handlungsempfehlungen an die Hand gegeben wie diese Prozesse vor Ort gestaltet werden können.

Ein wichtiges Thema im Landkreis ist Bildung. Was muss man tun, damit der Landkreis hier weiter innovativ und wettbewerbsfähig bleibt?

Ich sehe Potenziale zur Verbesserung. Den Unternehmen im Landkreis geht es im Grunde genommen gut und wir benötigen Fach- und Führungskräfte, die hier in der Region leben und arbeiten wollen. Dazu müssen wir unsere Qualität und unser Know-how stärker sichtbar machen. Wir sind zwar froh, dass Tuttlingen als Weltzentrum der Medizintechnik weit über seine regionalen Grenzen hinaus bekannt ist, aber der Landkreis Tuttlingen hat weit mehr zu bieten. Wir haben – gerade auf dem Heuberg – auch andere Weltmarktführer. Eine weitere Aufgabe wird sein, die weichen Faktoren herauszuarbeiten. Es muss uns gelingen Tuttlingen und den Heuberg zu einer gemeinsamen Marke zu entwickeln.

Um nochmal auf das Thema Bildung zurückzukommen . . .

In der Tat ist die Hochschule zu einem Erfolgsmodell geworden. Bestens ergänzt durch das IFC durch dort ansässige Unternehmensgründungen und die Möglichkeit für Forschung und Entwicklung. Primär sind wir als Landkreis aber für die berufsbildenden Schulen verantwortlich. Diese müssen wir für eine sich verändernde berufliche Welt, gerade im Hinblick auf die kommenden digitalen Herausforderungen, bestmöglich rüsten.

Was gibt es da zu tun?

Einige Berufsbilder von heute wird es in ein paar Jahren vermutlich nicht mehr geben. Daher müssen wir uns konzeptionell aber auch in der Infrastruktur neu aufstellen. Wir dürfen nicht alles nur unter dem Aspekt des technologischen Fortschritts sehen, sondern dürfen auch die traditionellen Handwerksberufe, die Landwirtschaft und Pflegeberufe nicht vergessen. Auf diesen Spagat müssen wir uns einstellen. Deshalb muss es uns gelingen für unsere Schulen in Spaichingen und Tuttlingen die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Sven Krause