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Bahn kappt Direktverbindung – Stuttgarter Norden soll für die Gäubahn Endstation sein

Bahn kappt Direktverbindung – Stuttgarter Norden soll für die Gäubahn Endstation sein
Der direkte Anschluss an den HBF in Stuttgart wird für die Gäubahn wohl für fünf Jahre gekappt (Foto: Deutsche Bahn)

Den Erhalt der Gäubahn bis zur vollständigen Fertigstellung des Bahnprojektes Stuttgart 21 auch am Flughafen war eines der zentralen Versprechen und Forderungen rund um die Fertigstellung von Stuttgart 21. 

Tuttlingen – Nach den neuesten Plänen der Deutschen Bahn sieht es so aus, dass die Gäubahn fünf Jahre lang bereits im Norden von Stuttgart endet und alle Reisenden massive  Einschränkungen hinnehmen müssen. Daher fordern nicht nur der Fahrgastbeirat Baden-Württemberg, sondern auch Gäubahn-Interessengemeinschaftschef Guido Wolf, dass sich die Deutsche Bahn an ihre Zusagen aus der Frühphase des Volksentscheids zu Stuttgart 21 hält.

Die dauerhafte direkte Anbindung der Gäubahn an den Stuttgarter Hauptbahnhof während der gesamten Bauzeit von Stuttgart21 war eines der zentralen Versprechen der Deutschen Bahn an die Bewohner auch im Landkreis Tuttlingen. Nun aber planen die Verantwortlichen eine Kappung der Direktverbindung im Stuttgarter Norden für rund fünf Jahre. So lange wird es, nach den Vorstellungen der Verantwortlichen der Deutschen Bahn, keine Direktverbindung mehr aus dem Landkreis in die Landeshauptstadt geben.

Den Erhalt der Gäubahn bis zur vollständigen Fertigstellung des Bahnprojektes Stuttgart 21 auch am Flughafen fordert der Fahrgastbeirates für den vom Land bestellten Schienenpersonennahverkehr (FGB-BW) zusammen mit dem VVS-Fahrgastbeirat von der Stadt Stuttgart. Deshalb haben sich die beiden Fahrgastbeiräte mit einem Brief an die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart gewandt und auf die Bedeutung des Eisenbahnknotens Stuttgart für ganz Württemberg und Südbaden hingewiesen.

„Die Funktion des zentralen Eisenbahnknotens muss auch während der Bauzeit von Stuttgart 21 erhalten bleiben und darf nicht einseitig den städtebaulichen Interessen der Stadt Stuttgart geopfert werden“, erklärt Matthias Lieb, Vorsitzender des FGB-BW. Die Projektpartner von Stuttgart 21 verwiesen in ihren Stellungnahmen zur Gäubahnunterbrechung jeweils auf die berechtigten städtebaulichen Interessen der Stadt Stuttgart. Hintergrund seien die Absicht der DB, die mit Blick auf die Inbetriebnahme des Tiefbahnhofes erforderliche baubedingte Unterbrechung der Gäubahnstrecke auf der Höhe des Stuttgarter Nordbahnhofes nicht wieder rückgängig zu machen.

Dies würde dann dazu führen, dass für vermutlich fünf Jahre keine direkten Zugverbindungen mehr von Stuttgart Richtung Horb, Freudenstadt, Rottweil, Tuttlingen, Singen und in die Schweiz bestehen, beklagt Lieb. Diese Streckenunterbrechung der Gäubahn, die wegen des Anschlusses der S-Bahn-Station Mittnachtstraße an das S-Bahn-Netz geplant sei, könne durch ein geändertes Bauverfahren vermieden werden, erklärt Matthias Lieb und fordert eine entsprechende Änderung der Planungen. Anderenfalls würden die Fahrgäste der Gäubahn beim Umsteigen in Stuttgart in die Fernzüge bis zu einer Stunde Reisezeitverlängerung erleiden und müssten nach den Plänen der Stadt mehrfach Umsteigen (entweder in Stuttgart-Vaihingen oder in Stuttgart-Nordbahnhof).

Dies sei den Fahrgästen nicht zumutbar und würde vielmehr den Umstieg von der Bahn ins Auto befördern, während die Politik ja gerade das Gegenteil propagiere, so Lieb. Angesichts der geringen Mehrkosten für den Erhalt der Gäubahn sei es im Interesse der Fahrgäste geboten, die Baumaßnahme unter Aufrechterhaltung des Bahnbetriebs umzusetzen, so Lieb.Auch BaWü-Justizminister und Vorsitzender des Gäubahn-Interessenverbandes Guido Wolf sieht die Deutsche Bahn in der Pflicht und sagt auf Anfrage des WOCHENBLATTs.

„Die Bahn muss alles unternehmen, um die Beeinträchtigungen für die Gäubahnanlieger so gering wie möglich zu halten. Was diesen seit Jahren zugemutet wird, ist erschreckend. Es darf nichts geschehen, was die spätere der Führung der Gäubahnzüge über Flughafen und Messe gefährdet. Die Führung der Gäubahnzüge über Flughafen und Messe zur Schaffung schneller und umsteigefreier Verbindungen in die anliegenden Regionen ist für uns ein unverzichtbarer Bestandteil des Projektes S 21.“

Seitens der Sprecher des Projektes Stuttgart21 gab es folgende Stellungnahme: „Im Rahmen der Realisierung des Gemeinschaftsprojekts Stuttgart 21 sieht das bestandskräftige und vollziehbare Planrecht den Rückbau des Bahndamms der Gäubahn zur Anschwenkung der S-Bahn zwischen Nordbahnhof und Mittnachtstraße vor (Planfeststellungsbeschluss im PFA 1.5), zu dem aus Sicht der DB auch weiterhin keine sinnvolle Alternative besteht.“ Weiter heißt es: „Die Gäubahn wird nach heutigem Planungsstand von Mitte 2025 an bis zur Inbetriebnahme des Planfeststellungsabschnitts Rahmen des Bahnprojekts Stuttgart 21 über den Regionalhalt in Stuttgart-Vaihingen an die Landeshauptstadt Stuttgart angebunden sein.

Die Führung der Gäubahn bis zum Hauptbahnhof wird wegen der Vorbereitung der Anschwenkung der S-Bahn über die Station Mittnachtstraße von Mitte 2025 an nicht mehr möglich sein.Für viele Gäubahn-Nutzer, insbesondere für viele Berufspendler, die nicht im direkten Umfeld des Stuttgarter Hauptbahnhofs arbeiten, wird die neue Umstiegsmöglichkeit am Regionalhalt in Stuttgart-Vaihingen mit einem Reisezeitgewinn verbunden sein.

Anders als heute können Pendler dann am Regionalhalt in Stuttgart-Vaihingen auf die S-Bahn oder die Stadtbahn umsteigen und in direkter Nähe ihres Arbeitsplatzes aussteigen. Reisezeitverlängerungen für Fernreisende und Pendler unter den Gäubahn-Nutzern, die ihr Reiseziel über den Stuttgarter HBF ansteuern, werden sich infolge des Umstiegs am Regionalhalt in Stuttgart-Vaihingen nicht vermeiden lassen.“

Sven Krause