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Ärzte verzweifelt gesucht

Ärzte verzweifelt gesucht
Noch funktionieren die Herzsportgruppen in Tuttlingen. Doch ohne eine Reform der sehr eng gefassten Rahmenbedingungen steht auch deren zukünftige Funktionalität auf der Kippe. (Bild: Beiswenger)

Tuttlingen – Elke Beiswenger hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur als Initiatorin des Dia-Walk in Tuttlingen einen Namen gemacht. Daneben ist sie auch als engagierte Übungsleiterin und Organisatorin in Sachen Herzsport unterwegs. Doch angesichts der immer schwieriger werdenden Rahmenbedingungen, die sich diesem Bereich des Reha-Sports bieten, ist sie nunmehr auch noch unterwegs, um Politik und Verbände auf Trab zu bringen.

„Wir sitzen in der aktuellen Problematik ja schon seit einigen Jahren fest. Doch inzwischen ist die Situation so schwierig geworden, dass sich an den starren Rahmenbedingungen etwas ändern muss, ansonsten steht der Betrieb vieler Gruppen in absehbarer Zeit auf dem Spiel“, so Elke Beiswenger. Das Problem liegt in starren Richtlinien, die der Gesetzgeber in Berlin zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung, den Behindertensportverbänden als Dachorganisation der Reha-Gruppen und dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen 2011 noch einmal verabschiedet haben. „Wir brauchen etwa immer einen Kardiologen, der während der Übungsstunden anwesend ist, damit er, in dem in meiner fast 20-jährigen Zeit als Übungsleiterin nie eingetroffenen Fall eines Herzanfalls, direkt eingreifen kann. Darüber hinaus gibt es etwa noch die Vorschrift, dass ich pro Teilnehmer fünf Quadratmeter Platz einplanen muss“, erklärt Elke Beiswenger die Problematik.

So kommen die beiden Kardiologen, die die Gruppen von Elke Beiswenger betreuen aus Donaueschingen und Villingen- Schwenningen. Im gesamten Landkreis lassen sich keine Kardiologen fi nden, die neben ihrer sicherlich intensiven Arbeit in Praxen oder Klinikum bereit wären, diese so wichtige Rolle zu übernehmen. Auch eine Initiative von Landrat Stefan Bär, die eine engere Zusammenarbeit mit dem Klinikum zum Ziel hatte, ist gescheitert.

Dank vielfältigster Einfl ussnahme liegt das Thema inzwischen bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf dem Tisch. Der lässt gerade von den Behindertensportverbänden die jeweiligen Bedürfnisse der Gruppen evaluieren. Das Ergebnis soll im Frühjahr 2020 vorliegen. Dies muss dann allerdings noch durch die verschiedenen Arbeitskreise und dann durchs Parlament. Wann mit der dringend erforderlichen Anpassung, etwa dem Einsatz von Rettungssanitätern statt Ärzten oder der Einteilung in Risikound Nichtrisiko-Gruppen zu rechnen ist, das kann aktuell niemand einschätzen.