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Zwei Männer für Spaichingen -Die BM-Kandidaten Schuhmacher und Hugger im WOCHENBLATT-Interview

Zwei Männer für Spaichingen -Die BM-Kandidaten Schuhmacher und Hugger im WOCHENBLATT-Interview
Markus Hugger ist der amtierende BM von Immendingen. Hans-Georg Schuhmacher ist der amtierende BM von Spaichingen. (Fotos: Privat)

Der Countdown bis zur Bürgermeisterwahl in Spaichingen läuft. Am 15. März entscheidet sich dann endgültig, ob die wahlberechtigten Bürger eine dritte Amtszeit des amtierenden Bürgermeisterstes Hans-Georg Schuhmacher (parteilos) wollen oder die erste seines Gegenkandidaten Markus Hugger (CDU), der aktuell in zweiter Amtszeit als Bürgermeister von Immendingen ist.

Warum stellen Sie sich noch einmal zur Wahl?

Schuhmacher: Für mich ist das Amt des Bürgermeisters nicht nur ein Job. Es ist eine ungemein spannende Aufgabe, wenn man sich um die unterschiedlichsten Belange von Menschen kümmern darf. Und es ist für mich in den vergangenen Jahren immer ein gutes Gefühl gewesen, wenn ich Anstöße für Veränderungen geben konnte, die – wie ich glaube – auch der Stadt gutgetan haben. Ich bin noch voller Ideen und ich möchte unabhängig und an der Sache orientiert dazu beitragen, dass diese Stadt eine Entwicklung nimmt, die für die Menschen, die hier leben, einen Mehrwert bedeutet.

Wann und wie ist der Gedanke bei Ihnen entstanden sich als amtierender Bürgermeister von Immendingen um das Amt in Spaichingen zu bewerben?

Hugger: Viele von uns kennen die Erfahrung: Früher oder später kommt man an einen Punkt im Leben, an dem sich einem die Frage stellt, ob man sich nochmals einer neuen Aufgabe stellen möchte oder nicht. Dies war bei mir im Herbst 2019 der Fall und wie ich mich entschieden habe, ist ja bekannt. 

Wie haben Sie die Gegenkandidatur aufgenommen?

Schuhmacher: Wenn man sich einer Wahl stellt und um Vertrauen wirbt, muss man damit rechnen, dass andere das gleiche Ziel haben. Ich werbe mit dem, was ich bisher in und für Spaichingen gemacht habe.  Gerade in der heutigen Zeit ist die Wahrung demokratischer Grundsätze wichtiger denn je. Dass die Spaichinger Bürgerinnen und Bürger eine Wahl nach ihrer Überzeugung treffen dürfen, erachte ich vor diesem Hintergrund als wertvoll.

Wie ging es dann weiter?

Hugger: Die Entscheidung für meine Bewerbung haben meine Frau und ich am 1. Januar 2020 getroffen. Spaichingen und den Dreifaltigkeitsberg kenne ich seit meiner Kindheit. So waren wir, insbesondere in der Weihnachtszeit, viel in Spaichingen, auch auf dem Berg, unterwegs. Es ging uns vor allem darum, in Gesprächen die Menschen näher kennen zu lernen. 

Welche Art von Wahlkampf wollen und werden Sie führen?

Schuhmacher: Wahlkampf bedeutet für mich nicht, mich gegen einen anderen Kandidaten zu behaupten, sondern die Wählerinnen und Wähler mit ihren Anliegen in den Fokus zu stellen und sie von meinen Plänen zu überzeugen. Ich möchte mit möglichst vielen Spaichingerinnen und Spaichingern in Kontakt kommen. Viele kennen mich und wissen bereits, wie ich arbeite. Dennoch wünsche ich uns einen noch intensiveren Austausch über Ideen und Visionen. Ich wünsche mir, dass wir sachorientiert über Dinge sprechen, die den Bürgerinnen und Bürgern wichtig sind. Ab nächster Woche biete ich deshalb jedem Interessierten auf meiner Website und in sozialen Netzwerken die Möglichkeit, Fragen oder Anregungen an mich zu richten.

Sie sind sehr erfolgreich in Ihrer zweiten Amtszeit in Immendingen. Warum wollen Sie dieses erfolgreiche Projekt verlassen?

Hugger: Eine Gemeinde oder Stadt ist niemals fertig entwickelt. Eine Kommune wird ständig mit den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen konfrontiert und muss diesen auch angepasst werden. So hat auch Immendingen in den letzten acht Jahren einen starken Wandel erlebt. Das Technologie- und Prüfzentrum ist in großen Teilen in Betrieb, die Gemeinde Immendingen steht gut da, viele Projekte wie die Schulsanierung oder der Bau eines neuen Feuerwehrhauses sind eingesteuert und finanziert. Ein Wechsel an der Verwaltungsspitze ist somit gut zu vereinbaren.

Wenn Sie auf die abgelaufene Amtszeit blicken, auf welche umgesetzten Projekte sind Sie besonders stolz?

Schuhmacher: Da gibt es vieles. Ich bin überzeugt, dass ein Gemeinwesen nur dann funktioniert, wenn viele Faktoren wie Zahnräder eines Räderwerks in harmonischer Geschwindigkeit ineinanderlaufen. Aus der Erfahrung heraus weiß ich, dass Menschen sich an einem Ort erst dann wirklich wohlfühlen, wenn Leben, Arbeiten und Wohnen im Dreiklang gelingen.

Was macht Spaichingen für Sie so attraktiv?

Hugger: Ich bin in dieser Region verwurzelt und Spaichingen liegt sehr reizvoll am Dreifaltigkeitsberg, mit dem meine persönliche Geschichte verknüpft ist. Das vielfältige bürgerschaftliche Engagement der Menschen in Spaichingen macht die Stadt sehr lebenswert. Wirtschaftlich ist Spaichingen solide aufgestellt und als drittgrößte Stadt im Landkreis hat sie mit der Verwaltungsgemeinschaft viel Potenzial.

Könnten Sie das noch einmal anhand von einigen Beispielen konkretisieren?

Schuhmacher: Ich habe mit meinem Team in den vergangenen Jahren einen Schwerpunkt auf die Entwicklung unserer gewerblichen und industriellen Wirtschaft gelegt. Viele Betriebe haben ihr Unternehmen dank unseres wirtschaftsfördernden Engagements erweitert und Arbeitsplätze geschaffen. Nicht wenige sind neu nach Spaichingen gekommen und haben hier Gründungen vollzogen. Mit dem Einsatz der Unterneh-merinnen und Unternehmer und der Beteiligung der in den Betrieben Beschäftigten haben wir unsere Stadt trotz hoher Investitionen finanziell sehr gut aufgestellt. Dank dieser finanziellen Stärke konnten wir in den letzten Jahren in etliche Projekte investieren, die unsere Stadt voranbringen.

Welches sind für Sie die Themen in Spaichingen?

Hugger: Wichtig für mich ist es, den Bürgerinnen und Bürgern Transparenz, frühzeitige Informationen und Mitspracherechte bei allen Themen zu ermöglichen. Die Sicherstellung einer bestmöglichen medizinischen Versorgung; die Umgehungsstraße; Förderung von Familien; eine partnerschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft; eine offene, transparente und gleichberechtigte Zusammenarbeit mit allen Ehrenamtlichen (wie mit Vereinen, Kirchen, Feuerwehr, DRK….) sowie die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der Stadt sind nur einige der Themen, welche die Menschen derzeit bewegen.

Was hätten Sie darüber hinaus gerne noch verwirklicht?

Schuhmacher: Ich hätte gerne dazu beigetragen, dass die Kreistagsentscheidung zur Veränderung des Klinikstandorts Spaichingen nicht in Windeseile vollzogen wird, denn ich habe Verständnis dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger verärgert darüber sind, dass die klinische Versorgung in Spaichingen damit zunächst vollständig aufgegeben wurde. Meiner Überzeugung nach hätte es auch andere Möglichkeiten als die Konzentration der stationären Versorgung in Tuttlingen gegeben. Gerne hätte ich in den vergangenen drei Jahren ein Bürgerhaus gebaut, in dem wir ein erweitertes Kulturangebot und eine größere Medienvielfalt anbieten können. Ein Bürgerhaus als Treffpunkt der Generationen – das hätte ich gerne schon heute verwirklicht.

Sie stehen als CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag wie kaum ein anderer für viele Spaichinger für die Entscheidung, den Klinikstandort in Spaichingen zu schließen. Wie wollen Sie dieses Thema im Wahlkampf angehen und moderieren?

Hugger: Offen, transparent und erklärend, wie es über alle Fraktionen des Kreistages – nicht nur bei der CDU – hinweg zu dieser Entscheidung im Herbst 2019  gekommen ist. Die ersten entscheidenden Weichen wurden bereits mit der Entscheidung des Solidaris Gutachten 2013 gestellt. Mit der Verlegung der Chirurgie 2013 fand ein erheblicher Einschnitt statt. Im Herbst 2019 war es letztlich die CDU-Fraktion, die noch einen Gegenantrag zum Beschlussvorschlag der Verwaltung gestellt hat, mit dem Ziel, zu retten, was zu retten ist.

Sven Krause