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Klinik-Umzug aus Spaichingen nach Tuttlingen beschlossen

Klinik-Umzug aus Spaichingen nach Tuttlingen beschlossen
Die Innere Medizin und die Geriatrie aus Spaichingen ziehen bis Ende 2019 nach Tuttlingen um. (Foto: Klinikum)

Dass die Mitglieder des Kreistages im Rahmen ihrer jüngsten Sitzung in Wurmlingen dem Antrag der Verwaltung und dem Ergebnis des Gutachtens in Sachen Klinik-Zukunft in Spaichingen folgen würden, das war zu erwarten. Was überraschte war die seltene Einstimmigkeit bei der Entscheidung.

Wurmlingen – Somit ist nun beschlossen, dass bis zum Ende des Jahres die Geriatrie und die Innere Abteilung, inklusive der Notaufnahme, ins Klinikum Tuttlingen verlegt werden, Die Konservative Orthopädie und Plastische Chirugie verbleiben erst einmal ohne festes Umzugsdatum in Spaichingen. Einzig an diesem Punkt folgten die Kreisräte der Vorlage der Verwaltung nicht, sondern schlossen sich einem kurzfristigen Antrag der CDU-Fraktion an.

Einig waren sich alle Beteiligten darin, dass schnellstmöglich Fakten geschaffen werden müssen. Damit die Beschäftigten, aber auch die Bewohner des nördlichen Landkreises wissen, woran sie sind und was sie in Zukunft erwartet. Doch eben diese zukünftige Nutzung ist offener denn je. Zwar sprachen sich die Kreisräte dafür aus, ein Intersektorales Gesundheitszentrum in Spaichingen zu entwickeln. Ob und wann dieses Vorhaben überhaupt realisierbar ist, dass kann zu diesem Zeitpunkt niemand sagen. Klar ist seit dieser Sitzung nur, dass es keinerlei stationäres Angebot in kommunaler Trägerschaft in Spaichingen mehr geben wird.

Stellungnahme SPD: Enttäuscht zeigt sich Enrico Becker (Vorsitzender des SPD Kreisverbandes Tuttlingen) über die Mutlosigkeit der Kreisräte, auch die der SPD-Fraktion. Bereits in den ersten Wortmeldung konnten sich Kreisräte, die sich für den Erhalt des Standortes Spaichingen eingesetzt haben, die Zustimmung zum Ursprünglichen Antrag der CDU vorstellen. In der ursprünglichen Form sah dieser, aus Sicht der Befürworter auch nicht ganz so schlecht aus. Gefühlt wurde der nun entschieden Beschluss zur Klinik-Verlagerung von Spaichingen nach Tuttlingen, durch den abgeänderten Antrag der CDU, noch schwammiger formuliert, als von der Verwaltung vorgeschlagen. Bereits zu Beginn der Sitzung zog die CDU ihren eigenen Antrag, die Machbarkeit eines zentralen Standortes zur prüfen, wegen Unstimmigkeiten zurück.

Stellungnahme CDU: Wie Sie sicher wissen, war es die CDU Kreistagsfraktion, die im März 2019 gegen den damaligen Wunsch der Landkreisverwaltung eine Mehrheit im Kreistag erreichen konnte, in deren Folge ein Gutachten für das Gesundheitszentrum Spaichingen erstellt worden ist. In diesem Gutachten wurden sowohl die von der Klinikleitung und dem Landkreis angedachten Veränderungen beleuchtet, aber auch die von der Klinikinitiative um Dr. Dapp diskutierten Möglichkeiten zur Entwicklung des Standort es Spaichingen. Wir haben in den letzten Monaten im Landkreis Tuttlingen besonders in den letzten Wochen intensiv diskutiert. Wir haben uns mit der Klinikinitiative getroffen, unsere Fraktionsmitglieder haben Gespräche mit den Ärzten und Pflegekräften in Spaichingen und Tuttlingen geführt, es gab Gespräche mit dem Spaichinger Bürgermeister und Teilen des Gemeinderates.

Stellungnahme OGL: Wir halten die Verlagerung der inneren und geriatrischen Abteilung von Spaichingen nach Tuttlingen für notwendig aufgrund personeller, organisatorischer und medizinischer Aspekte, die auch im Gutachten beschrieben sind. Nicht nur die Ergebnisse im Gutachten, sondern auch die Belegschaft, der Personalrat und die Ärzteschaft sprechen sich für diese heute zu treffende Entscheidung unter Punkt 1 deutlich aus. Dass auch wirtschaftliche Gründe für eine Verlagerung sprechen steht für uns nicht an erster Stelle, dennoch müssen sich Defizite, die es geben darf, im Rahmen halten. Es ist hart und nicht schön, Abteilungen an einem Klinikstandort aufgrund fehlender Rahmenbedingungen zu verlieren, doch eine Nichtentscheidung könnte unser Klinikum in Gefahr bringen und die Belegschaft braucht jetzt eine Entscheidung.

Stellungnahme FDP: Vertagen bringt nichts, die Patienten sind verunsichert, und erst recht die Mitarbeiter. Hier wird oft so getan, als ob nur in Spaichingen gute Arbeit geleistet wird, was ich natürlich in keiner Weise in Frage stelle, aber genauso wird auch in Tuttlingen von den Ärzten und vom Pflegepersonal gute Arbeit geleistet. Es geht hier nicht um die oft zitierte Aktion Nordkreis gegen Südkreis. Es geht um die klinische Versorgung im gesamten Landkreis Tuttlingen, um die beste Versorgung für Patienten aus dem gesamten Kreis. Was sollen bettenführende Abteilungen in Spaichingen, wenn keine Ärzte mehr vorhanden sind? […] Ich muss nun nicht das Ergebnis und die Inhalte des Gutachtens nochmals aufzeichnen und erläutern. Das wurde in der Vergangenheit vor allen möglichen Gremien getan. Wie lange soll oder muss man das Thema denn noch vor sich herschieben? Im Sinne des Klinikums, des Personals beider Häuser brauchen wir baldige, richtungsweisende Entscheidungen.

Stellungnahme FW: Es geht und ging in dieser Diskussion auch immer darum den Standort Tuttlingen zu stärken. Dies ist vor allem notwendig, um Arbeitskräften, Ärzten und Pflegepersonal eine seröse Zukunftsplanung zu ermöglichen. Das Gutachten hat uns allen am Ende gezeigt, was für viele aus verständlichen emotionalen Gründen nur schwer zu akzeptieren was. Aber es gibt für den Standort Spaichingen alleine aus personnellen.- und verwaltunsgtechnischen Gründen keine Zukunft. Daher sollten wir uns schnellstmöglich um eine glaubwürdige und praktikable Zukunftsperspektive im Gesundheitssektor für Spaichingen und den nördlichen Landkreis. Nur so können wir unserer politischen, sozialen und menschlichen Verantwortung als Kreisräte gerecht werden. Zudem darf es keinen Investitionsschub für Tuttlingen geben.

Sven Krause