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Aus fürs 14 Nothelfer

Aus fürs 14 Nothelfer
Ab 2020 gibt‘s keine Geburten mehr in Weingarten (Bild: SWÖ)

Bereits im Januar 2020 sollen im Krankenhaus 14 Nothelfer in fünf Abteilungen die Lichter ausgehen: Die Thoraxchirurgie, Pneumologie, Innere Medizin, Interne Kardiologie und die Gynäkologie werden an den Standort Friedrichshafen verlagert.

WEINGARTEN – Wie erwartet, hat der Friedrichshafener Gemeinderat vergangenen Montag beschlossen, das Engagement des kommunalen Klinikverbunds Medizin Campus Bodensee (MCB) beim Krankenhaus 14 Nothelfer zu beenden, was das Ende des Krankenhauses bedeutet. Auch die Gynäkologie wird schon im Januar geschlossen und damit auch die beliebte Geburtsstation. Bislang gehören zum Verbund neben Weingarten Friedrichshafen und Tettnang. Alle drei Häuser sind defi zitär und werden von der Stadt Friedrichshafen jährlich mit rund zwölf Millionen Euro bezuschusst. Der MCB war 2013 angetreten, ein starkes Standort-Trio für die gesamte Region aufzubauen. „Diese Vision hat sich trotz vielfacher Bemühungen und großer Investitionen nicht erfüllt“, so Weingartens Bürgermeister Alexander Geiger. Zunehmende Personalengpässe haben dem Krankenhaus arg zugesetzt.

Die stationäre Versorgung von Orthopädie und Unfallchirurgie, die elektive Allgemeinchirurgie, die Fußchirurgie sowie die geriatrische Notfallversorgung (Gerinove) am 14 Nothelfer bleiben während einer Interimsphase erhalten, länger als zwei Jahre wird sich der MCB aber nicht in Weingarten engagieren. Die externen Partner Sportklinik, Orthopädie, Kinderchirurgie und Neurochirurgie sowie das Ambulante Operieren und das Facharztzentrum wird es vorerst noch geben. Das Projekt Regionales Geriatrisches Notfallversorgungszentrum am Krankenhaus 14 Nothelfer, das gefördert vom Innovationsfond der Bundesregierung bis Herbst 2021 läuft, bleibt von der geplanten Umstrukturierung unberührt. 70 Pfl egekräfte und 15 Ärzte sind von der Schließung betroffen. Diesen hat das MCB eine Arbeitsplatzgarantie gegeben. Ob sie jedoch dem Haus treu bleiben und die Interimsphase somit möglich machen oder gleich zur benachbarten OSK wechseln, wird sich zeigen.

Der sechsjährige Ausfl ug der Häfl er nach Weingarten hat zwar bislang viele Millionen verschlungen, durch Ausgleichszahlungen aus dem Strukturfonds des Landes wird dieser Verlust bei Schließung des Hauses aber wohl ausgeglichen werden. Zeitgleich zum Abbau in Weingarten soll der Standort Friedrichshafen mit Investitionen in Millionenhöhe gestärkt und zu einem Haus der höchsten Notfallversorgung ausgebaut werden. Damit gibt es Zuschüsse von rund 700 000 Euro jährlich. Krankenhäuser wie das 14 Nothelfer, die diesen Standard nicht erfüllen, werden zukünftig Abschläge in Kauf nehmen müssen, auch dieser Punkt war für die Entscheidung gegen das 14 Nothelfer von Bedeutung.

Tettnang vorerst sicher

Die Klinik Tettnang soll als Haus der Grund- und Regelversorgung mit chirurgischem Schwerpunkt erhalten bleiben. Der Friedrichshafener Gemeinderat und OB Brand wünschen sich hier aber ein stärkeres fi nanzielles Engagement des Landkreises, die Stadt will nicht dauerhaft Projekte außerhalb ihrer Gemarkung bezuschussen. Wie es in Weingarten weitergeht, darüber wird noch verhandelt. Im Gespräch ist auch die Beauftragung eines lokalen Projektentwicklers. Denkbar ist ein Facharztzentrum, aber auch die Nutzung als Senioren- und Pfl egeheim, Gesundheitsakademie, Geburtshaus, Kindertagesstätte oder sogar als Studentenwohnheim steht im Raum. Die Pläne für die Umstrukturierung wurden inzwischen mit dem Sozialministerium Baden- Württemberg sowie dem Regierungspräsidium Tübingen, den Mitgesellschaftern Bodenseekreis, Stadt Weingarten und den Waldburg-Zeil Kliniken abgestimmt.

kabou