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Zwischen Feuerwehr, Falafel und Spätzle

Zwischen Feuerwehr, Falafel und Spätzle
Alis Herz schlägt für die Feuerwehr Ravensburg. Durch sein freiwilliges Engagement dort (Foto: Leberer)

Im Oktober 2015 flüchtete der 41-jährige Ali Almohamed mit seiner Frau und seinen vier Kindern aus einem kleinen Dorf nahe der Stadt Aleppo. Sein Weg führte über die Türkei und das Mittelmeer nach Europa. In Ravensburg hat die Familie eine neue Heimat gefunden. Um der Stadt für die freundliche Aufnahme etwas zurückgeben zu können, lässt sich der Syrer  gerade als Freiwilliger Feuerwehrmann ausbilden.

Ravensburg – Schon am zweiten Tag im Flüchtlingsheim Ravensburg, als sich die sechsköpfige Familie ein kleines  Zimmer mit weiteren  Personen teilen musste,  meldete Ali sich zum Integrationskurs an. Dem gelernten Elektromechaniker für digitale Werbetafeln war von Anfang an klar, dass er und seine Familie hier nur eine Zukunft haben, wenn alle schnellstmöglich Deutsch lernen und sich integrieren.

Dazu gehörte für ihn auch, dass seine Kinder schnellstmöglich in den Kindergarten und in die Schule kommen. Die Worte unseres Oberbürgermeisters Dr. Daniel Rapp beim Willkommensgespräch für Neubürger und den darauffolgenden Gesprächsrunden mit Simon Blümcke, dem Ersten Bürgermeister Ravensburgs, fielen bei Ali auf fruchtbaren Boden: „Offen sein für die Menschen hier, selbst aktiv werden, nicht nur mit Landsleuten Kontakt halten und sich sozial über ein Ehrenamt einbringen“.

Die Familie hatte Glück und konnte schnell in größere Räume nach Weissenau übersiedeln. Obendrauf fand Ali einen Job als Monteur bei einer Ravensburger Firma. Da die Wohnung direkt neben dem Feuerwehrhaus lag, schaute Ali öfters bei den Übungen zu, kam mit den dortigen Feuerwehrmännern ins Gespräch und zeigte an deren Arbeit Interesse. Stefan Goller-Martin, Amtsleiter des Ravensburger Sozialamtes, stand von Anfang an mit Ali in regem Kontakt und half ihm und der Familie bei kleineren Anfangsschwierigkeiten.

Auch er war begeistert von der Idee, dass Ali sich bei der Feuerwehr freiwillig einbringen wollte. Claus Erb,  Kommandant der Gesamtfeuerwehr Ravensburg, gab seine Zustimmung und Ali konnte zwei Wochen lang einen Schnupperkurs bei der Feuerwehr in Eschach machen.  Fast gleichzeitig bekam Familie Almohamed die Zusage für eine größere Wohnung in Ravensburg.

Die neuen Feuerwehrkammeraden überlegten nicht lange und halfen dem sympathischen Ali und der Familie beim Umzug. In der neuen Umgebung wandte sich Ali an die Feuerwehrwache Abteilung Stadt Ravensburg, die für ihn zu Fuß gut zu errreichen war. Im Salzstadel musste er allerdings nochmals einen Schnupperkurs durchlaufen.

„Ich habe hier ebenso nette Kameraden getroffen wie in Eschach und hatte von Anfang an ein großes Gefühl der Zugehörigkeit“, so der Syrer.Nach Beendigung war klar:  „Ich möchte Freiwilliger Feuerwehrmann werden“. Der Feuerwehr-Ausschuss war einverstanden, denn verschiedene Religionen spielen in der Feuerwehr keine Rolle. Hier ist jeder willkommen. Ali durfte offiziell am 12. Juni 2018 die einjährige Probezeit  beginnen. Parallel dazu begann die Grundausbildung. 

Ein Highlight war für Ali nicht nur die Einkleidung der Uniform, er durfte beim Stadtlauf und Rutenfest im Bereich der Straßenabsperrung helfen. Ein weiterer Höhepunkt war eine Reise in die Ravensburger Städtepartnerstadt Rivoli. Die Feuerwehr besuchte die Kollegen in Italien, Ali war mittendrin und sehr glücklich. Probleme bereiten ihm im Moment die deutschen Fachbegriffe bei der Feuerwehr. Die müssen zu 100 Prozent und im Schlaf sitzen.

Bei einem Einsatz ist die Verständigung lebensentscheidend. Schützenhilfe gibt‘s hier von einem Feuerwehrkollegen, der Lehrer ist. Er nimmt sich viel Zeit für Ali, denn das ersehnte Ziel ist die bestandene Prüfung zum Freiwilligen Feuerwehrmann.Ein weiteres Hobby ist für den Syrer die Kunst. Seine abstrakten und farbigen Bilder mit Acryl-Harz konnte er bei der letzten Kunstnacht der Öffentlichkeit im Mehrgenerationenhaus bereits präsentieren. Großes Augenmerk legt er auf ein gemeinsames Projekt mit seiner Frau.

Dafür hat er auch seine Arbeitsstelle gekündigt. Der Traum des Ehepaares ist der Existenzaufbau eines arabischen Lokals in Ravensburg. Dass beide Kochen können, haben sie schon mit einem Imbisstand auf der diesjährigen Oberschwabenschau und auf der Genussmesse „gusto“ bewiesen. Arabische KöstlichkeitenWer sich zu Firmenfeiern mal gerne mit arabischen Genüssen wie Ouzi, Falafel und mehr verwöhnen lassen möchte, kann sich gerne bei Ali melden.

Mit der Sprache gibt es keine Probleme. Was Ali mit leichtem Schmunzeln beschäftigt ist die Tatsache, dass seine Kinder zu Hause nur Deutsch, bzw. Schwäbisch, reden.Mit der schwäbischen Küche hat Ali auch schon etwas geliebäugelt. Seine Favoriten sind Spätzle und Kürbiscremsuppe.

INFO: Wer Räumlichkeiten für ein Lokal zur Verfügung hat oder wer das syrische Ehepaar mit seinem Imbiss gerne für Feiern buchen möchte – Mail: Wer Räumlichkeiten für ein Lokal zur Verfügung hat oder wer das syrische Ehepaar mit seinem Imbiss gerne für Feiern buchen möchte – Mail: ouzialkhalaf@gmail.com

Daniela Leberer