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Weniger Kranke, dafür Süchtige?

Weniger Kranke, dafür Süchtige?
Ute Spieß-Kaplan (DAK) und Dr. Markus Leibfarth (ZfP) wissen um die Gesundheit der Ravensburger Bescheid. Auch (Foto: Phy)

Der Krankenstand im Landkreis Ravensburg ist gesunken. Auch im Vergleich zum Landesdurchschnitt schneiden die Ravensburger in Sachen Fehltagen besser ab. Das ergibt der Gesundheitsreport der DAK, die Gesundheitskasse, der im Presssegespräch vorgestellt wurde. Eine Sonderanalyse konzentriert sich auf das Suchtverhalten der Baden-Württemberger. 

Ravensburg – Der Landkreis ist ein wenig gesünder geworden: Der Krankenstand hat sich von 3,6 Prozent auf 3,5 Prozent verbessert. Auf 1000 Arbeitende kommen so im Schnitt 35 Krankgeschriebene pro Tag. Insgesamt liegen die Baden-Württemberger bei 3,7 Prozent.

Was jedoch Experten wie Ute Spieß-Kaplan, Beraterin bei der DAK, die Gesundheitskasse, und Dr. Markus Leibfarth, Oberarzt für niederschwelligen Drogenentzug am ZfP Weissenau, zunehmend besorgt, ist die Tatsache, dass hunderttausende Baden-Württemberger ein Suchtproblem haben. Dabei handelt es sich auch um scheinbar banale Süchte, wie Rauchen oder Computerspielen. Jeder achte Erwerbstätige raucht regelmäßig Zigaretten.

Ein Trend, der aber vielleicht bald abnehmen könnte, denn die Sonderanalyse zeigt zudem: Unter jungen Arbeitnehmern zwischen 18 und 29 Jahren rauchen mit 16,3 Prozent der Befragten im Vergleich zu anderen Altersgruppen die wenigsten. Bei den 60- bis 65-Jährigen raucht noch fast jeder Vierte (23,7 Prozent). Dr. Markus Leibfarth erklärt sich das so: „Mittlerweile ist bekannt, wie schädlich Zigaretten sind. Raucher gelten schon fast als verpöhnt, nicht mehr als ‚cool‘.“ 

Eine besonders beliebte Sucht der Baden-Württemberger ist aber der Alkohol. Jeder 13. Arbeitnehmer in Baden-Württemberg trinkt laut Einstufung der DAK, die Gesundheitskasse, riskant. Das sind für den Mann ein halber Liter und für die Frau 0,3 Liter Bier am Tag. Unter den 5000 Befragten gaben 6,8 Prozent an, schon mal wegen Alkohol zu spät zur Arbeit gekommen zu sein oder früher Schluss gemacht zu haben.   

17,2 Prozent der Befragten, deren Konsum als schädlich eingestuft wurde, fehlen bei der Arbeit sogar mehrmals pro Monat und häufiger. „Alkohol spielt bei den sogenannten Substanzstörungen die größte Rolle im Arbeitsunfähigkeitsgeschehen“, weiß Ute Spieß-Kaplan.

Laura Hummler